BDKJ-Hauptversammlung Jugendbischof Oster kritisiert katholische Verbände

15.05.2017

Zu viel Politik, zu wenig Jesus: Jugendbischof Stefan Oster hat bei der BDKJ-Hauptversammlung die katholischen Jugendverbände kritisiert. Deren Vertreter widersprechen dem Bischof, auch die des BDKJ München und Freising.

Die Teilnehmer der BDKJ-Hauptversammlung in Odenthal-Altenberg
Die Teilnehmer der BDKJ-Hauptversammlung in Odenthal-Altenberg © Christian Schnaubelt/BDKJ

Odenthal/München – Der katholische Jugendbischof, der Passauer Oberhirte Stefan Oster, fordert von den kirchlichen Jugendverbänden, die Gottes- und Glaubensfrage stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Die Verbände gäben sich teils mit einer "Lightversion des Evangeliums" zufrieden, sagte Oster bei der Hauptversammlung des Bundes der Katholischen Jugend (BDKJ) im bergischen Odenthal-Altenberg. Viel zu wenig würden sie über das Wesentliche der Kirche, Jesus Christus, sprechen. Die BDKJ-Diözesanvorsitzende München und Freising, Monika Godfroy, hält die Kritik des Jugendbischofs für ungerechtfertigt: "Wir widersprechen dem Vorwurf der 'Lightversion des Evangeliums' deutlich. Wir begrüßen jedoch die Bereitschaft Bischof Osters, sich in weiteren Gesprächen mit dem BDKJ, seinen Positionen und seiner Arbeit auseinanderzusetzen", sagte sie mk online.

Dank für soziales Engagement

Tatsächlich hatte Oster bei der Hauptversammlung auch das sozialpolitische Engagement der Verbände, etwa für Flüchtlinge gelobt und ihnen für die demokratische Beteiligungskultur gedankt. Kritik übte er aber an dem BDKJ-Positonspapier "Theologie der Verbände", in dem Jesus "zu einer Karikatur" verkommen sei. Er sei nicht "so ein Netter", der die unterschiedlichen Wege, mit ihm zu leben, einfach bestätige. Vielmehr sei er die "größte Herausforderung" seit Menschengedenken.

Die Verbände haben nach den Worten Osters vergessen, Jesus als denjenigen zu verkündigen, der den Einzelnen zu einer dramatischen persönlichen Entscheidung herausfordere und rette. Aus der Entscheidung für Jesus folge alles andere wie etwa gesellschaftliches Engagement. Als positives Beispiel nannte Oster die katholische Jugendorganisation Loretto Gemeinschaft in Österreich: Sie vertrete diese Botschaft beispielhaft.

Der Passauer Bischof Stefan Oster
Der Passauer Bischof Stefan Oster © Salesianer Don Boscos

Diskussion zum Lebensschutz

Oster appellierte an die Verbände, gegen Abtreibungen aufzustehen. 90 Prozent der Embryonen mit Down Syndrom würden abgetrieben. Zudem rief er dazu auf, sich mehr mit dem Islam auseinanderzusetzen. Neben Wertschätzung müsse es auch kritische Anfragen an manche Erscheinungsformen geben. Auch sollten sich die Verbände für ein Familienrecht stark machen, bei dem Eltern für sich selbst und für ihre Kinder abstimmen können.

Thomas Andonie, der bei der Versammlung zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt wurde, sagte, dass er mit dem Bischof zwar das Anliegen des Lebensschutzes teile, scheue aber die "Demo für Alle" oder den "Marsch für das Leben", weil er dort auch homophobe, islamfeindliche und rechtspopulistische Gruppierungen ausmache. Auch darüber hinaus wiesen Delegierte die Kritik des Bischofs zurück. Die Vorsitzende der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), Kerstin Fuchs, betonte, dass es "Glaube in der Tat" und nicht nur im Gottesdienst gebe. Der BDKJ-Bundesvorsitzende Wolfgang Ehrenlechner forderte, den "Zaun der Reizthemen" wie Zölibat oder die Nichtzulassung von Frauen zu kirchlichen Ämtern niederzureißen, der für viele Menschen eine Barriere für den Glauben darstelle.

Reizthemen

Oster selbst hatte in seinem Statement vom "Zaun der Reizthemen" gesprochen, der den Zugang zum Glauben verstelle. Der Bischof warb dafür, zuerst einmal die Kirche als Wohnort Gottes erfahrbar zu machen. Aus dieser Innensicht verändere sich dann auch der Blick auf die Reizthemen.

Bei aller Härte endete die Diskussion versöhnlich und mit dem Wunsch, weiter miteinander zu reden. "Ich will euch nicht niedermachen", betonte Oster, "wohl aber herausfordern". Ein DPSG-Vertreter dankte ihm, dass er sich "so ernsthaft" mit dem BDKJ auseinandersetze. Das sei besser als "weichgespülte Worte". Und ein anderer Delegierter meinte zum Bischof: "Ich finde es in Ordnung, dass Sie frech sind - wenn Sie uns zugestehen, dass wir frech sind." (Andreas Otto/KNA/ksc)