Klima Jugendliche legen Finger in die Wunde

26.08.2019

Der Diözesanjugendpfarrer Richard Greul beurteilt es positiv, dass Themen wie Nachhaltigkeit und Umwelt bei den Jugendlichen im Trend liegen. Die Regel des heiligen Benedikt kommt ihm dabei in den Sinn.

"Friday for Future" - Demo in München im Juni 2019.
"Friday for Future" - Demo in München im Juni 2019. © imago

mk online: 2015 hat Papst Franziskus seine Enzyklika „Laudato si“ veröffentlicht. In ihr gab es viele Impulse zum Thema Umwelt. Was ist seitdem diesbezüglich innerhalb der Kirche passiert?
Richard Greul: Als Diözesanjugendpfarrer liegt mein Fokus auf den Bedürfnissen der jungen Menschen. Im Jahr 2015 war ich noch geistlicher Verbandsleiter der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) München und Freising. Dort ist diese Enzyklika auf großes Wohlwollen gestoßen, weil sich die KLJB schon immer, auch vor dieser Enzyklika, um Nachhaltigkeit gesorgt hat. Die Schöpfungsverantwortung war einer der Aufgabenschwerpunkte der dortigen Arbeit, und wir fühlten uns durch dieses päpstliche Schreiben in unserer Arbeit bestärkt. Einige der Ideen des Heiligen Vaters hatten wir bereits in unserer Jugendarbeit umgesetzt. Beispielsweise, indem wir darauf geachtet haben, wie wir uns ernähren, wie wir mit Lebensmitteln umgehen oder wie wir unsere Arbeit nachhaltig gestalten können. Wir kauften zum Beispiel für Konferenzen biologisch angebaute, fair gehandelte und regionale Produkte ein. Und die Landjugend erstellte in Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedsverbänden einen Wegweiser, welche Lebensmittelgeschäfte im Umkreis des Erzbischöflichen Jugendamtes den Kriterien der Nachhaltigkeit, Regionalität und Saisonalität gerecht werden, damit die Kolleginnen und Kollegen im Haus sich daran orientieren können.

mk online: Wie beurteilen Sie die Entwicklung, dass Themen wie Nachhaltigkeit und Umwelt bei den Jugendlichen immer mehr im Trend liegen?
Richard Greul: Ich beurteile das als sehr positiv. Es ist gut, dass uns die Jugend an etwas erinnert, dass wir Alten leider vergessen haben. Ich zitiere gern einen Abschnitt aus der Regel des heiligen Benedikt. Er schreibt dem Ordensoberen, dem Abt, vor, wenn es wichtige Entscheidungen für das Kloster gibt, alle Brüder, aber besonders die jüngsten zu fragen. Denn ihnen gibt der Herr oft durch den Heiligen Geist das Richtige ein. „Fridays for Future“ und die Relevanz von Nachhaltigkeitsthemen zeigen: Die Jugend hat erkannt, dass es leider nicht mehr fünf vor zwölf ist, sondern vielleicht bloß noch zwei vor zwölf. Sie legen uns Erwachsenen den Finger in die Wunde und sagen: „Ihr müsst da was machen! Euer Handeln entscheidet über unsere Zukunft. Ihr habt eine Mitverantwortung, ihr könnt euch da nicht herausnehmen!“ Und es ist gut, dass die Jugend uns da immer wieder auf die Füße steigt und sagt: „So nicht, Leute! Ihr könnt nicht so mit dieser Schöpfung umgehen!“

mk online: Fallen Ihnen konkret christliche Impulse zum Thema Nachhaltigkeit ein? Was kann uns die Heilige Schrift darüber sagen?
Richard Greul: Wenn man in das erste Buch der Heiligen Schrift, den Schöpfungsbericht, schaut, liest man, dass Gott uns diese Erde anvertraut. Er sagt, wir sollen sie nicht zerstören, sondern sie nutzen. Nutzen heißt, dass wir verantwortungsvoll mit ihr umgehen. Dass wir sie nicht ausbeuten und zerstören, sondern sie für unsere Anliegen und Bedürfnisse dienstbar machen. Aber eben nicht so, dass sie zerstört wird, sondern, dass sie an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden kann – so, wie es über viele Jahrhunderte hinweg ja auch war. Die früheren Generationen wussten: Diese Erde ist uns geliehen und wir sind darauf angewiesen, dass sie uns Nahrung gibt, dass die Feldfrüchte wachsen können, damit das Futter wachsen kann, das wir für die Tiere brauchen. Wir können sie nicht zerstören, denn sonst geht es an unsere Lebensgrundlage. Irgendwie, glaube ich, haben das heutzutage viele Menschen aus dem Blick verloren. Wenn man mit manchen Kindern spricht, sagen sie, die Lebensmittel kommen aus dem Supermarkt. Aber wie die Lebensmittel in den Supermarkt gelangen, ist manchen sehr fremd.

mk online: Der Umweltschutz, die Bewahrung der Schöpfung sind also durchaus christliche Themen. Glauben Sie, dass Umwelterziehung verstärkt auch im Religionsunterricht eine Rolle spielen sollte?
Richard Greul: Natürlich muss man das mit Kindern spielerisch, kindgerecht einüben und sie erziehen, damit sie später ein entsprechendes Konsumverhalten haben. Wenn ein Kind nie gelernt hat, verantwortungsvoll damit umzugehen, ist es schwierig, den Schalter von einer Minute auf die andere umzulegen. Wir haben nur diese eine Erde, wir müssen sie verantwortungsvoll behandeln. Es ist wichtig, dass schon Kinder lernen, mit dem, was die Erde uns schenkt, behutsam umzugehen.

Diözesanjugendpfarrer Richard Greul
Diözesanjugendpfarrer Richard Greul © SMB

mk online: Gibt es konkrete Aktionen, mit denen die Kirche versucht, dem Bedürfnis der Jugendlichen nach Nachhaltigkeit gerecht zu werden?
Richard Greul: Die kirchliche, vor allem die verbandliche Jugendarbeit ist sehr selbstorganisiert. Hier entsteht viel auf Augenhöhe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus den Jugendverbänden für Jugendliche und junge Erwachsene. Die Abteilung Umwelt im Erzbischöflichen Ordinariat München spiegelt diese Anliegen „nach oben“ und gibt zum Beispiel Anregungen für Pfarreien. In einer Arbeitshilfe geht es beispielsweise darum, wie man ein Pfarrfest so gestaltet, dass nachhaltig gewirtschaftet, Produkte nachhaltig eingekauft und kein Einweg- und Plastikgeschirr, sondern Mehrweggeschirr verwendet wird.

mk online: Ist die katholische Kirche gut beraten, wenn sie sich noch mehr in Themenfelder einbringt, die der Gesellschaft, vor allem den jungen Menschen, auf den Nägeln brennen?
Richard Greul: Ich habe ja vorhin die Regel des heiligen Benedikt zitiert. Diese gilt zwar in erster Linie für die Benediktiner, aber davon kann die Kirche lernen. Lernen, dass die Jugend sehr sensibel ist, und erfahren, was Zukunftsthemen sind. Lernen, dass die Kirche gut beraten ist und zukunftsfähiger wird, wenn sie das, was Jugendliche an Ideen und Anliegen haben, aufnimmt. Und hier sehe ich auch meine Verantwortung als Diözesanjugendpfarrer mit der Aufgabe, diese Interessen unserer Jugendlichen und jungen Erwachsenen an die Entscheidungsträger in unserer Diözese bis hin zu Kardinal Marx weiterzugeben und somit ein Sprachrohr für die Interessen der kirchlich organisierten Jugend zu sein. Natürlich haben auch Jugendliche, die nicht innerhalb kirchlicher Jugendarbeit organisiert sind, gute Ideen. Wer Anregungen hat, kann sich gerne an mich oder den Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) wenden, um uns zu unterstützen.
(Interview: Katharina Zöpfl)


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