Oberammergau Jugendtage bei den Passionsspielen

20.01.2020

Treffen mit Hauptdarstellern, Begegnung mit internationalen Teilnehmern, Abschlussparty: Bei den Jugendtagen in Oberammergau vom 7. bis 10. Mai ist so einiges geboten.

Stellten gemeinsam das neue Konzept der Oberammergauer Jugendtage vor: (von links nach rechts) Jesus-Darsteller Frederik Mayet, Pastoralreferentin Angelika Winterer, Spielleiter Christian Stückl und der Oberammergauer Bürgermeister Arno Nunn.
Stellten gemeinsam das neue Konzept der Oberammergauer Jugendtage vor: (von links nach rechts) Jesus-Darsteller Frederik Mayet, Pastoralreferentin Angelika Winterer, Spielleiter Christian Stückl und der Oberammergauer Bürgermeister Arno Nunn. © Ertl

Oberammergau – Der Youtube-Trailer über die Jugendtage in Oberammergau klingt gleich zu Beginn ernst. Die unter die Bilder gelegten Streicher und Bläser spielen in Moll. Dann zeigt das Video Szenen aus der Passion auf der riesigen Bühne, die Bergwelt und drei junge Hauptdarsteller. Das alles zusammen soll Jugendlichen Lust machen, bei diesem nur alle zehn Jahre aufgeführten Schauspiel dabei zu sein. Nachdem schon bei den Laien-Schauspielern eine deutliche Verjüngung vorgenommen wurde, soll nun auch ein neues Publikum kommen.

„Es ist einfach das Ziel, junge Menschen für das Passionsspiel zu begeistern und damit auch mit dem Passionsgeschehen in Berührung zu bringen“, erklärt Angelika Winterer. Die Theologin ist für die pastorale Vorbereitung und Begleitung der Passionsspiele von der Erzdiözese München und Freising angestellt und entwickelt mit 35 Jugendseelsorgern der katholischen und der evangelischen Kirche ein eigenes Begleitprogramm für die Jugendtage, die vom 7. bis zum 10. Mai dauern. Dann können junge Leute zwischen 16 und 26 Jahren bei einer Generalprobe dabei sein und sich ein Wochenende lang über ihre Eindrücke austauschen.

Alternativer Religionsunterricht

Ein bisschen sind die Jugendtage auch alternativer Religionsunterricht: „Es ist ja nicht irgendein Theaterstück, das da auf die Bühne gebracht wird, sondern der zentrale Inhalt unseres christlichen Glaubens“, betont Winterer. Durch das szenische Geschehen „rührt „diese größte Geschichte aller Zeiten auch besonders an“. Es sei ein Weg, gerade jungen Menschen, „die sich von Kirche und auch vom Glauben oft entfernt haben, die Bedeutung dieser biblischen Passionsgeschichte nahezubringen“.

Jüngere Menschen wollen ein solches Erlebnis aber oft in Gemeinschaft vertiefen. Darum gibt es bei den Jugendtagen einen internationalen Treffpunkt mit den Teilnehmern aus den verschiedensten Ländern, bei denen auch Seelsorger dabei sind. Angelika Winterer und ihre Kollegen sorgen aber dafür, dass nicht nur geredet und gesessen wird. Ein Begegnungsabend ist genauso geplant, wie eine nächtliche Fackelwanderung zur Kreuzigungsgruppe im Ort oder Gebete bei Mondschein auf den umliegenden Bergen.

Eine eigene App

Auch spirituelle Führungen in der Pfarrkirche und auf dem Friedhof sollen stattfinden. Schließlich haben die Oberammergauer dort ihr erstes Passionsspiel 1634 ausgerichtet – neben den Gräbern der Pesttoten. Das Ende der Seuche war der Anlass, alle zehn Jahre ein Passionsspiel zu versprechen. Zu den verschiedenen historischen und aktuellen Passionsorten in Oberammergau können sich die Teilnehmer der Jugendtage auch per Smartphone begeben. Theologiestudenten entwickeln dafür gerade eine eigene App.

Mit etwa 8.000 Jugendlichen rechnet die Gemeinde Oberammergau. Da werden die Passionsspiele auch zu einem einzigartigen Jugendfestival, das man nicht versäumen sollte: „Die sollte man generell einmal im Leben gesehen haben“, meint Angelika Winterer, „und ein Wochenende mit Jugendlichen aus Südafrika, Israel, den Niederlanden oder Polen zu verbringen ist eine Chance, die man sobald nicht noch einmal bekommen wird“. #

Ein Grund zum Feiern

Selbstverständlich gehören auch Begegnungen mit Darstellern der Hauptrollen dazu. Etwa mit Veronika Hecht und Sophie Schuster, die bei den 42. Oberammergauer Passionsspielen die Rollen der Veronika beziehungsweise der Maria Magdalena übernehmen. Oder mit Rochus Rückel, dem zweitjüngsten Jesus-Darsteller in der fast 400-jährigen Passionsspielgeschichte. Alle drei sind gerade einmal um die 20 Jahre alt und werben in dem Youtube-Trailer für den Besuch der Jugendtage, die für alle Jugendlichen offen sind, unabhängig von der Religionszugehörigkeit. Zudem werden heuer auch zum ersten Mal zwei Muslime in Hauptrollen eingesetzt werden. „Des wird cool“, verspricht Rückel.

Wahrscheinlich werden es sich die drei Darsteller auch nicht nehmen lassen, bei der großen Abschlussparty der Jugendtage dabei zu sein. „Die darf nicht fehlen“, betont Angelika Winterer. Nicht nur, um die Jugendlichen auch etwas Ausgelassenes zu bieten, sondern „weil die Geschichte, zum Glück nicht am Kreuz endet, sondern mit der Auferstehung – und das darf gefeiert werden“.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Passions spiele

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