Kindergartenkinder besuchen Bewohner im Vincentium Jung trifft Alt

17.04.2018

Die Großeltern wohnen weit weg - Kontakt zu alten Menschen haben viele Kinder gar nicht. Die Senioren im Heim des Vinzetius Zentralvereins sind auch meist nur unter sich. Warum nicht mal etwas zusammen machen? Die Idee zum regelmäßigen Treffen war geboren....

Jung triff Alt - im Vincentinum im Münchner Lehel © SMB/sschmid

München- Jeden Freitagmorgen treffen sich ein Dutzend Bewohner des Senioren- und Pflegeheims Vincentinum im Münchner Lehel gespannt im Gemeinschaftsraum. Denn dann heißt es: die Kindergartenkinder kommen. Zum Vinzentius Zentralverein gehören auch drei Kindertagesstätten. Bereits 2010 entstand die Idee zu den Besuchen.

An diesem Morgen sind es acht Mädchen und Buben des Kindergartens Sankt Benedikt, die mit Olga Solodownikow, die das Ganze von Seiten der Kindergärten leitet, kommen. Noch etwas schüchtern betreten sie den Raum, setzen sich zwischen die alten Menschen. Los geht es mit einem gemeinsamen Lied. Anschließend packt Steffi Bacaliu, Mitarbeiterin der heiminternen Tagesbetreuung, einen Ball aus. Im Sitzen kicken Kinder und alte Menschen den Ball hin und her. Der vierjährige Niklas kickt den Ball zu dem älteren Herrn im Rollstuhl, der nur noch ein Bein hat. Der kleine Junge ist erstaunt, dass der ihn mit dem anderen Fuß, der dick eingepackt im Schutzschuh steckt, noch zurückkicken kann. Auch Betreuerin Bacaliu freut sich: „Selbst Bewohner die eher immobil sind, strengen sich bei solchen Einheiten mit den Kindern an und sind mit Freude dabei. Das überrascht mich immer wieder.“

Nach dem „Fußballspiel“ kommt ein großes Schwungtuch zum Einsatz. Die Kinder verstecken sich drunter, die alten Herrschaften schwingen eifrig. „Das macht riesigen Spaß und ich erinnere mich genau, dass wird das auch ganz viel in meiner Kindheit gemacht haben“, erzählt Heimbewohnerin Gräfin von Strachwitz.

Erinnerungsarbeit und Traditionsvermittlung

Danach wird gekegelt. Auch Heimleiter Karl Wagner macht mit. „Alle Neune“ schafft er nicht. Ein vierjähriges Mädchen schon. Sie freut sich und die alten Menschen erst recht. Sofort wird die „Schützenliesl“ angestimmt. Nun singen wirklich alle Senioren inbrünstig mit, selbst die, die beim Kegeln selbst ein bisschen zurückhaltend waren. „Lieder die von früher bekannt sind und im Gehirn abgespeichert sind, gehen immer – selbst bei Menschen die durch Alzheimer kaum mehr etwas erinnern würden“, erklärt Wagner. Erinnerungsarbeit sei sehr wichtig. Man merke den alten Menschen an, dass sie positive Erinnerungen an solche Lieder hätten – bewusst oder unterbewusst – und so machen sie ihnen riesige Freude.

Das freut auch Olga Solodownikow, die das Projekt von Seiten der Kindergärten her betreut und jede Woche dabei ist: „Viele Kinder haben keinen Kontakt mehr mit alten Menschen. Die Großeltern leben möglicherweise weit weg, solche Kontakte haben sie in ihrem Alltag. Hier können sie ohne Scheu Kontakt aufbauen, sehen, dass es ganz normal ist alt zu werden und zum Leben gehört. Das wollen wir ihnen hier vermitteln.“

Wer am jeweiligen Freitag mitgehen darf, wählen die Erzieherinnen in den Kindergärten. Natürlich werden die Kinder auch gefragt, wer überhuapt Lust hätte. Denn wichtig ist: Die Besuche beruhen auf Freiwilligkeit. Im Senioren- und Pflegeheim ist es genauso. Meist jedoch würden gern noch viel mehr alte Menschen kommen als in den Raum passen. „Es ist so schön, wenn die Kinder da sind. Dann ist es nicht so ruhig und hier ist Leben“, erklärt Bewohnerin von Strachwitz. „Kommt bald wieder!“, verabschiedet sie die Kinder nachdem das Schlusslied gesungen ist und die Besuchseinheit der Kindergartenkinder schon wieder endet.

Ein Projekt mit Vorbildcharakter. „Ich kann nur alle Kindertagesstätten und Heime ermuntern, so etwas ins Leben zu rufen. Es muss ja nicht gleich der wöchentliche Besuch sein, schon eine gemeinsame Adventsfeier oder ein Frühlingsbasteln bringt viel. Kinder wie auch Senioren profitieren unheimlich viel von den gemeinsamen Aktionen“, sagt Einrichtungsleiter Karl Wagner.

Mehr zu diesem Projekt diese Woche im Kitaradio.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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