"Gott hat mir nie das Du angeboten" Junge Autorin schreibt über die Sehnsucht nach Gott

29.03.2019

Sophia Fritz ist 22, studiert Drehbuch, ist Influencerin auf Instagram und hat ein Buch über ihre Sehnsucht nach Gott geschrieben.

Autorin Sophia Fritz
Autorin Sophia Fritz © Fabian Stoffes

München – Es sind 15 Grad, der Wind weht nicht mehr ganz so frisch und zwei große Tassen Kaffee stehen vor uns auf dem Tisch in einem Schwabinger Café. Die perfekte Kulisse für einen kleinen Plausch über Gott und wie man ihn literarisch verarbeiten kann. Denn genau das hat Sophia Fritz versucht und mit ihrem Buch „Gott hat mir nie das Du angeboten“ eine beeindruckend ehrliche Form gefunden. Sie schreibt nicht fromm, nicht missionarisch und erst recht nicht romantisch. Sie findet Worte für die Generation ab 20, die sich auf nichts festlegen will, immer einen Plan B hat und sich erst recht nicht bindet. Und das sind eben keine guten Voraussetzungen für eine tiefe Spiritualität und erst recht nicht für die Kirche.

Die Sehnsucht ist da

„Ich glaube, dass diese Sehnsucht nach einem göttlichen Du in jedem Menschen ist,nach einer Existenz, die größer ist als wir selbst“, sagt sie mir, „Ich wollte kein Buch über Gott schreiben, sondern über die Sehnsucht nach ihm.“ Entstanden sind 170 Seiten voller Essays, Briefwechsel und Kurzgeschichten, in denen die junge Autorin Personen aus der Bibel in die Gegenwart holt. Sie versteht es ohne Phrasen und Pseudo-Lebensweisheiten auszukommen. Stattdessen lässt sich die Situationen sprechen und findet Worte, die sitzen: „In der Bibel steht, die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig, sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Ich sage, die Liebe ist blind, die Liebe hat einen Schwerbehindertenausweis, die Liebe darf immer vornesitzen.“

Mich interessiert, wie sie auf die Idee gekommen ist, so ein Buch zu schreiben. Sie sagt ganz selbstbewusst: „Ich bin in eine Buchhandlung gegangen und habe gemerkt, dass es kein Buch über Gott gibt, das so aufgebaut ist. Also habe ich es selbst geschrieben.“ Tatsächlich tue ich mir mit Büchern über Glauben meistens sehr schwer. Vielleicht bin ich zu zynisch für Bücher, die den Anspruch haben, für den „Glauben begeistern zu wollen“ oder den Glauben in die „Gegenwart“ zu holen.

Ich zweifle dabei nicht einmal an den literarischen Fähigkeiten der Autoren, sondern vielmehr an der Art. Mir scheint es als hätten sie den Glauben immer intus. Der Zweifel ist immer nur die Ausnahme der Regel. Ich hingegen hadere oft damit. Vielleicht, weil ich jeden Tag damit konfrontiert bin. Gerade deswegen gefallen mir die Sätze von Sophia Fritz gut. Sie schreibt: „Ich will Eva als Schutzpatronin, weil sie weiß, wie es ist, von Gott erschaffen zu werden und trotzdem nicht genug an ihn zu glauben.“

Direkt, ehrlich, unverblümt

Außerdem hält sie sich nicht zurück – weder in der Sprache, noch in der Meinung, die sie mit ihrem Buch kolportiert. „Menschen haben mich enttäuscht. Die Antworten von Menschen auf meine Fragen an Gott haben mich enttäuscht. Gott selbst nicht. Gott hat mich auch noch nie stolz gemacht. Das Einzige, was mich stolz gemacht hat, waren Menschen, die aufgrund ihrer Vorstellung von Gott besser gehandelt haben.“

Einziger Kritikpunkt: So schön ihre Sprache für mich ist, manchmal überspannt sie den Bogen der Abstraktion. Einige wenige Passagen sind mir eine Metaebene zu hoch. Das ist schade, weil sie damit die erzählerische Dichte aus ihren Bildern nimmt. Nichts desto trotz ist „Gott hat mir nie das Du angeboten“ eine absolute Empfehlung. Gerade für junge Menschen, die auf der Suche nach dem Mehr sind. Sie werden zwar keine Antworten auf ihre Fragen finden, aber mehr als genug Treibstoff, um die Suche fortzusetzen.

Der Autor
Lukas Fleischman
Radio-Redaktion
l.fleischmann@st-michaelsbund.de


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