Ein Ehrenamt, das Leben rettet Junge Peer-Begleiter helfen anonym in Bayern

06.11.2018

Einen Laptop, Internet und ein bisschen Zeit – mehr braucht es für die jungen Nürnberger Peer-Berater nicht, um in ganz Bayern für Andere da zu sein. Ein Besuch beim U-25 Projekt der Caritas.

Conrad, Jenny und Martin in den Räumen der Young-Caritas in Nürnberg
Conrad, Jenny und Martin in den Räumen der Young-Caritas in Nürnberg © SMB/Fleischmann

Nürnberg – Es ist eine Freizeitbeschäftigung, die man auf den ersten Blick vielleicht nicht versteht. Martin und Conrad, beide 21, sitzen mehrere Stunden in der Woche vor ihrem Rechner und beantworten Mails von Menschen, die in einer tiefen Krise oder sogar suizidgefährdet sind. Sie sind Teil des deutschlandweiten U25-Projekts der Caritas, dessen bayerischer Ableger in Nürnberg ist.

„Ich wollte etwas wirklich Sinnvolles tun“, sagt Conrad, „wenn man nicht gerade etwas Soziales studiert oder dort arbeitet gibt es oft wenig Zeit für Menschlichkeit. Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass das ein wenig anders wird.“ Der 21-jährige Student arbeitet seit zwei Jahren für das Projekt. Genauso wie Martin hat er sich zum Peer-Begleiter ausbilden lassen. Die Ausbildung wird von Jenny Catsam und Dagmar Held koordiniert. „In 30 Stunden lernen die jungen Menschen, wie sie erste Krankheitsfelder bei Klienten erkennen, wie sie richtig antworten und welche weiterführenden Hilfsangebote es für Betroffene gibt“, sagt Jenny Catsam, „außerdem beschäftigen sie sich auch mit ihren persönlichen Krisen. Nach der Ausbildung können sie dann entscheiden, ob sie weitermachen wollen oder nicht.“

Ein Ehrenamt, das boomt

Mittlerweile ist das Projekt so erfolgreich, das es vom Bayerischen Gesundheitsministerium gefördert wird. Und: In Nürnberg gibt es derzeit schon eine Warteliste, weil zu viele Menschen ehrenamtlich die E-Mail-Hilfe anbieten wollen. Die Betreuer freut das natürlich ungemein: „Meine Theorie ist natürlich, dass sich junge Menschen sehr gut in andere junge Menschen hineinversetzen können. Sie kämpfen dieselben Kämpfe.“

Weiterer Punkt für den Erfolg des Projekts: Die Anonymität im Internet, sowohl für die Klienten, als auch für die Berater. „Junge Menschen gehen nicht einfach mal schnell zum Psychologen. Die Anonymität bei uns schützt sie, sie sind dadurch viel offener mit uns“, sagt Catsam.

Die Arbeit bei der Online-Beratung ist natürlich nicht immer einfach. „Manchmal fragt man sich, wie es mit den Leuten weitergegangen ist, wenn der Kontakt abreißt, weil sie auf unsere Mails nicht mehr reagieren“, sagt Martin, „aber wir haben genau dafür gelernt, den nötigen Abstand zu unseren Klienten zu halten.“ Ans Aufhören habe er noch nie gedacht. „Wenn man Mails empfängt, und weiß, dass man Leute in einer schweren Krise unterstützen konnte, dann ist das ein erhebendes Gefühl.“

Stetiger Zuwachs

Über 8.000 Anfragen zur Peer-Begleitung hat U-25 deutschlandweit pro Jahr. Ursprünglich kommt das Projekt vom Arbeitskreis Leben in Freiburg, doch schnell konnten die Freiburger die Menge an Anfragen nicht mehr verteilen. Darum ist man eine Kooperation mit der Caritas eingegangen, die nun mehrere Standorte deutschlandweit betreut. Der Standort in Nürnberg gehört zu den jüngsten. Mehr als 20 Peer-Begleiter arbeiten derzeit dort.

Weitere Informationen über das U-25 Projekt oder Hilfsangebote finden Sie hier. Die allgemeine Telefonseelsorge ist rund um die Uhr und kostenlos zu erreichen unter: 0800/111 0 222

Der Autor
Lukas Fleischman
Radio-Redaktion
l.fleischmann@st-michaelsbund.de


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