Jugendwahlrecht Junge Stimmen für die Demokratie

03.06.2021

Bayerns Wähler sollen jünger werden. Wenn es nach der Kolpingjugend geht, dürfen sie sogar unter 16 sein.

Hand wirft Brief in Urne
Kolpingwerk und Kolpingjugend fordern eine Absenkung des Wahlalters in Bayern. © Christian Schwier - stock.adobe.com

München – Wer darf wählen und wer nicht? Diese Frage ist so alt wie die Demokratie. In Deutschland dürfen junge Erwachsene seit gut 50 Jahren an der Wahlurne die Zusammensetzung des Bundestages mitbestimmen. Bereits mit 18 wählen gehen, das war 1970 ein riesiger Fortschritt, als die damalige Bundesregierung unter Willy Brandt mehr Demokratie wagen wollte. Heute scheint das schon wieder Schnee von gestern zu sein.

Bereits seit einigen Jahren ist ein politischer Prozess im Gang mit dem Ziel, die Wählerschaft weiter zu verjüngen. Verschiedene politische Parteien und insbesondere Jugend- und Familienverbände drängen darauf, das Wahlalter auf 16 abzusenken. Als Hebel dazu dienen die Kommunalwahlen. In elf Bundesländern hat man jungen Menschen ab 16 mittlerweile das aktive Wahlrecht in den Kommunen zugesprochen.

 

 

Familien- oder Jugendwahlrecht?

In Bayern muss man darauf noch warten. 2019 hat sich der Bayerische Landtag gegen eine Absenkung auf kommunaler Ebene entschieden. Zum Ärger des Kolpingwerkes und der Kolpingjugend. Beide setzen sich bislang auf verschiedene Weise für ein jüngeres Wahlalter ein. Während das Kolpingwerk lange Zeit ein Familienwahlrecht favorisiert hat, bei dem Eltern gemessen an der Zahl ihrer Kinder einfach mehr Stimmen erhalten sollen, setzt die Kolpingjugend konsequent auf ein Wahlrecht, bei dem Kinder und Jugendliche unabhängig von Vater und Mutter wählen sollen.

Wahlalter 14 als Fernziel

Um beide Positionen zusammenzuführen hat das Kolpingwerk Bayern nun eine „Arbeitsgruppe zum Thema Wahlalter“ eingerichtet, der auch Anja Leineweber angehört. Die Diözesanleiterin der Kolpingjugend im Erzbistum München und Freising sieht gerade in Initiativen wie „Fridays for Future“ eine Bestätigung dafür, dass Jugendliche die Zukunft der Gesellschaft im Blick hätten und damit auch politisch mitbestimmen könnten. Junge Menschen setzten sich für Klimaschutz ein, obwohl sie noch kein Recht hätten, zu wählen. „Das ist umso mehr bewundernswert, weil sie ja wissen, dass ihre Stimme in der Politik gerade noch keine wirkliche Bedeutung hat“, meint Leineweber.

Hinzu kommt, dass junge Menschen unter Umständen schon viel Verantwortung trügen und deshalb auch politische Dinge beurteilen könnten. Jugendliche seien ab 14 strafmündig, arbeiteten vielleicht schon ab 15 und seien dadurch steuerpflichtig. Von mangelnder Reife könne also keine Rede sein, findet Leineweber. Deshalb strebe die Kolpingjugend auf lange Sicht eine Absenkung des Wahlalters auf 14 an. Wenn 2026 bei den Kommunalwahlen in Bayern 16-jährige an die Urne dürften, sei das ein erster Schritt in die richtige Richtung, so Leineweber.

Podcast-Tipp

Kolpingstunde Die Sanierung des Jugendwohnheims, Hilfsprojekte in der Corona-Krise oder die Sozialwahlen: In der Kolpingstunde gibt es jeden Monat Neues aus dem Kolping-Diözesanverband München und Freising. > zur Sendung

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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