Spielen in der neuen Normalität Kästchen hüpfen und Schwimmnudel-Fangen

18.06.2020

Kinder können sich nicht an Abstandsregeln halten - ein Vorurteil, das man immer mal wieder hört. Stimmt nicht. Viele Spiele klappen wunderbar mit Abstand, sagt auch Spielepädagogin Janine Lennert.

Kästchen hüpfen mit Kreide auf den Boden gemalt
Alte Klassiker neu entdecken: Kästchen hüpfen funktioniert mit genügend Abstand. © SMB/sschmid

München - In der neuen Normalität ist vieles anders, auch das Spielen. Spielen mit Mindestabstand, das geht doch nicht, denkt vielleicht manch einer. "Doch tut es", sagt Janine Lennert, Spielpädagogin bei der Spiellandschaft München e. V. Es gibt einige Spiele, die sich schon ohne große Änderung perfekt für die Situation eignen.

Kreidespiele der Großeltern-Generation

Ein Beispiel seien, so die Expertin, Kreidespiele. Beim Malen mit Kreide auf dem Weg, wird es schon bei kleinen Kindern nicht besonders eng. Den etwas Größeren, denen das zu langweilige ist, empfiehlt sie das klassische "Kästchen hüpfen", das schon die Großeltern-Generation begeisterte. Das sei ein Spiel, bei dem es einen Protagonisten gäbe, den der gerade hüpfe, alle anderen schauen zu und danach ist der Nächste an der Reihe. Hier kann man gut Mindestabstand einhalten. Und es gibt unzählige Variante. Neben dem klassischen Spielfeld, kann man eine alte Telefontastatur aufmalen und Namen und Worte hüpfen. "Wir haben so etwas vor unserem Laden in Neuhausen auf den Gehweg gemalt und neulich kamen ein paar Teenie-Mädchen und selbst die fanden das so witzig, dass sie eine Runde gehüpft sind", erzählt die Pädagogin.

Neue Regeln für alte Spiele

Andere Spiele habe man extra verändert, damit sie mit Abstand möglich sind. Beispielsweise das ebenfalls sehr beliebte „Ochs am Berg“. Ungestüm auf den Ochs zustürmen geht natürlich in Corona-Zeiten nicht. Hier empfiehlt die Spielpädagogin Lauflinien mit Mindestabstand für die Spieler zu machen, auf denen sie sich vorwärts bewegen dürfen. Wer nicht still steht, wenn sich der Ochs umdreht, muss natürlich auch bei dieser Variante zurück an den Start. Und Sieger ist nicht, wer den Ochs abklatscht, sondern wer eine Ziellinie überquert.

Spiele neu denken müssen, das findet Lennert nicht ungewöhnlich: „Unsere Aufgabe als Spielepädagogen ist es ständig Spiele auf Situationen anzupassen: „Wir haben schon immer geschaut, wie viele wollen mitspielen, wie ist die Umgebung und wie können wir ein Spiel für eine bestimmte Altersgruppe ausrichten und das macht mir auch viel Spaß.“ Übrigens seien auch Kinder Profis im Spiele verändern. So habe man vielleicht den kleinen Bruder zum Spiel mitnehmen müssen, der hat das aber vielleicht noch nicht so gut gekonnt, also habe man schnell einen Job als Eckpfosten für ihn gefunden. Die Kreativität zeigt sich auch in der Corona Krise, wie die 9-jähirge Linnea erzählt: „Ich spiele gerne Fangen. Da nehmen wir in der Notbetreuung einfach Schwimmnudeln und versuchen uns damit zu erwischen. Verstecken klappt auch super, weil da muss man sich gar nicht nahekommen.“ Das ist auch eine Empfehlung von Janine Lennert.

Spiele draußen haben den Kindern immer schon gut getan, jetzt aber sind sie einfach ideal, denn auch Virologen empfehlen sich viel an der frischen Luft aufzuhalten. „Spielen ist für Kinder wichtig – für sie ist es absolute Entspannung. Wir merken, wie die vergangenen Monate vielen Mädchen und Buben zugesetzt haben und so bin ich als Pädagogin froh, dass sie jetzt wieder unter Einhaltung der Sicherheitsvorgaben mit anderen spielen dürfen“, meint die Expertin.

Die Spiellandschaft München e. V. hat einen eigenen Laden in München-Neuhausen, indem sie zu den Öffnungszeiten Dienstag und Donnerstag Nachmittag, jetzt wieder persönlich, allerdings auch per Mail und Telefon Spieletipps geben und auch Lehrer, Erzieher und Eltern beraten, die vielleicht noch unsicher sind, wie das Spielen der Kinder mit Mindestabstand ablaufen soll. „Aber auch, wem gerade langweilig ist und wer nicht weiß, was er spielen soll, dem rate ich: ruft uns einfach an. Wir haben immer eine gute Spieleidee“, sagt die Pädagogin, die sich sicher ist, dass sie den schönsten Beruf der Welt hat. Denn, bei ihr geht es nur um das Spielen.

Podcast-Tipp

Kitaradio Die Sendung für Eltern, Großeltern, Erzieher und alle, die mit Kindern in Krippe, Kindergarten und Hort zu tun haben. Es wird über Angebote und Aktionen rund um die Kita, (religiöse) Wertevermittlung, Erziehung, Bildung und vieles mehr berichtet. > zur Sendung

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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