Lesend entspannen Kalorienarme Leckerbissen

28.07.2017

Ein chinesisches Sprichwort besagt: „Essen vertreibt den Hunger und Lesen vertreibt die Dummheit.“ Doch Lesen hat so viele weitere Vorzüge, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Wir sagen Ihnen warum.

Einfach mal wieder ein Buch nehmen - und entspannen. © Fotolia

Lesen, das ist in der Tat ein tierisches Vergnügen. Während ein Bücherwurm, sich derart in die Seiten vergräbt, dass er beinahe nicht mehr herausfindet aus dem Buchstabenwust, der ihn aufs höchste verzaubert, frisst eine Leseratte gierig und schnell alles, was ihr an Gedrucktem über den Weg läuft. Schwieriger wird es da schon beim vermaledeiten Eselsohr in der oberen Buchecke. Unklar ist und bleibt nämlich, ob dieser Begriff sich tatsächlich auf einen Esel bezieht, der auf der Suche nach Futter einfach mal so versuchshalber das Papier anknabbert, um es auf seine Nahrungstauglichkeit zu überprüfen. Oder handelt es sich nicht vielmehr um die Beschreibung eines Lesers, der aus reiner Faulheit die Seiten derart verunstaltet, dass man ihn mit Fug und Recht einen Esel nennen darf?

Aber verlassen wir nun den Bücherzoo und wenden uns den menschlichen Literatur-Liebhabern zu. Eine Spezies, die, gottlob, auf keiner roten Liste steht. Leser sind nicht vom Aussterben bedroht, seit Johannes Gutenberg (der ja eigentlich Johannes Gensfleisch hieß, wobei wir wieder bei den Tieren wären) um das Jahr 1450 dafür gesorgt hat, dass gedruckte Buchstaben sozusagen mobil und damit für jedermann zugänglich wurden. Eine Erfindung für die man gar nicht genug Lobgesänge anstimmen kann, und die darin mündet, dass beispielsweise im vergangenen Jahr 72.820 neue Buchtitel allein im deutschsprachigen Raum vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gezählt worden sind. Weiter haben die fleißigen Buchhüter herausgefunden, dass die Zahl der Buchkäufer am Publikumsbuchmarkt bei 30,8 Millionen lag. Oder noch anders ausgedrückt: 2016 erwarben Kunden durchschnittlich 12,2 Bücher pro Jahr und Kopf. Die Ausgaben für Bücher pro Käufer nahmen so im Vergleich zum Vorjahr von 122,78 Euro auf 134,29 Euro zu. Lesen liegt damit, dafür braucht man gar nicht erst komplizierte Statistiken zu bemühen, auf der Hobby-Beliebtheitsskala der Deutschen noch vor Unterwasser-Rugby und Bügeln.

Lesen rockt

Die Gründe dafür, dass Lesen immer noch rockt wie am ersten Tag, obwohl die technischen Neuerungen sich auf diesem Marktsektor doch eher in Grenzen halten (gut, von E-Reader und E-Book einmal abgesehen, aber auch da werden einfach nur Buchstaben aneinandergereiht, aus denen Wörter werden, die wiederum Sätze und Absätze bilden), sind vielfältig. Nummer eins: Lesen macht nicht dümmer. Das wusste schon Groucho Marx (der ja eigentlich Julius Henry Marx hieß, womit sich nun aber beim besten Willen keine Tierbeziehung herstellen lässt), der schauspielernde Witzbold. Als solcher hat er den alten Hut vom Lesen und der Bildung ein bisschen aufgepeppt und gesagt: „Fernsehen bildet. Immer, wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese.“

Platz zwei: Lesen macht nicht dick, da Bücher nachweislich weder böse Fettsäuren enthalten noch in die Gruppe der hochkalorischen Kohlehydrat-Knödel fallen. Abgesehen davon sind in der medizinischen Forschung auch keinerlei allergische Reaktionen auf Romane, Gedichte oder Kindergeschichten bekannt.

Platz drei: Lesen entspannt. Diesen Effekt kennen alle, die selbst in ungemütlichster Körperhaltung stundenlang verharren, weil die Lektüre spannender ist als jede Nervenzerrung, die sich beim Abstützen der Arme zum Halten des Buchs einstellt. Wahlweise schläft man über der Lektüre ein, Entspannung „at it’s best“ sozusagen

Und schließlich hat auch der amerikanische Schriftsteller Mark Twain (der, das sei nur der Vollständigkeithalber erwähnt, eigentlich Samuel Langhorne Clemens hieß), ganz recht, wenn er auf folgende viel zu wenig beachteten Vorzüge hinweist: „Der Wert des Buches richtet sich vor allem nach bestimmten Eigenschaften. In Leder gebundene Bücher können beispielsweise beim Abziehen von Rasierklingen unbezahlbare Dienste leisten. Dünne Broschüren dagegen eignen sich vortrefflich dazu, wackelnden Tischchen das Gleichgewicht wiederzugeben. Ein Lexikon ist hervorragend geeignet, einen Einbrecher
gefechtsunfähig zu machen.“

Christian Moser ist Programmleiter des Münchner Kirchenradios. © SMB/KSchmid

Lesetipp 1: Eine Reise nach Neapel… e parlare italiano

Zugegeben: Brandneu ist das Buch nicht. Und es scheint auch etwas aus der Zeit gefallen – es ist 1957 erschienen: Aber genau das macht auch einen Großteil seines Charmes aus. Das Buch vereint drei Genres in einem: Es ist ein Reisebuch, ein Sprachkurs und ein Wörterbuch. Aus heutiger Sicht kommt noch eine Zeitreise hinzu. Denn die Sprache – sowohl im Deutschen wie im Italienischen – ist natürlich eine andere als heute. Und auch die Lebensumstände haben sich verändert. 1957, das ist die Zeit, in der sich deutsche Nachkriegsfamilien mit ihren VW-Käfern über den Brenner in das Land des Dolce Vita stauen. An der Adria machen sie Bekanntschaft mit Pizza, Spaghetti und Gelato und mit charmanten Italienern ... Das Buch versetzt den Leser in eine Reise durch Italien. Dabei lernt er sowohl die italienische Sprache, als auch Kultur kennen. Auch für den ItalienUrlauber von heute ist das Buch eine Quelle, um die italienische Mentalität zu erschließen und eine gute Einstimmung auf den Urlaub am Mare – mit Pizza, Spaghetti und Gelato.

Eine Reise nach Neapel . . . e parlare italiano - Ein Sprachkurs durch Italien, Prestel-Verlag, € 12.-

Susanne Steufmehl ist Buchberaterin beim Sankt Michaelsbund © SMB/KSchmid

Lesetipp 2: Dies ist keine Liebesgeschichte

Für Daniel Durán, den verhinderten Romanschriftsteller und Autor von schmeichelhaften Auftragsbiographien, sind Verliebtheit und Romantik, ja selbst Küsse lächerliche Erfindungen, die nur in Hollywood-Filmen stattfinden. Wie reagiert ein derart übelgelaunter und unsensibler Mensch, wenn ihm eine Frau begegnet, die sein Herz höher schlagen lässt?

Natürlich lügt der Titel des Romans, denn selbstverständlich wird hier eine Liebesgeschichte erzählt, deren Protagonist mir immer mehr und fast gegen meinen Willen ans Herz gewachsen ist.

Dies ist keine Liebesgeschichte, Piper-Verlag, € 16.-

Thomas Steinherr ist Lektor beim Sankt Michaelsbund. © SMB/KSchmid

Lesetipp 3: Die Christus-Trilogie

Das Buch vereint zwei Romane und eine Novelle von Patrick Roth, die Anfang der 90er Jahre erstmals erschienen sind. In „Riverside“ begegnen zwei Jünger, die wenige Jahre nach Jesu Tod an einem Evangelium schreiben, einem Aussätzigen, den Jesus (tatsächlich?) nicht heilen konnte. „Johnny Shines“ spielt dagegen in der Gegenwart und handelt von einem 27-jährigen Obdachlosen, der in einer Art Manie immer wieder Särge aufbricht, um die Toten aufzuerwecken – warum nur?

In „Corpus Christi“ schließlich sucht der „ungläubige“ Apostel Thomas nach dem verschwundenen Leichnam des gekreuzigten Jesus. Patrick Roth schafft es wie kein zweiter moderner Autor, die heutigen Leser/-innen hineinzuziehen in die Situation der Jünger, die Jesu Leben und Sterben selbst erlebt haben, in ihre Zweifel und in ihre Hoffnung. Wer mit der Lektüre beginnt, taucht sofort ein in eine ganz andere Welt als die des Alltäglichen.

Die Christus-Trilogie, Wallstein-Verlag, € 29,90

Die Autorin
Susanne Holzapfel
Münchner Kirchenzeitung
s.holzapfel@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Entspannung

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