Oberammergauer Passionsspiele "Kann das Wort Corona nicht mehr hören"

23.03.2020

Christian Stückl, Regiesseur der Passionsspiele in Oberammergau, kann der Terminverschiebung der Aufführung auch etwas Gutes abgewinnen: Nämlich Zeit alles noch besser zu machen.

Theaterregiesseur Christian Stückl ist genervt von Corona. © Gabriela Neeb © Gabriela Neeb

München – Christian Stückl (58), Spielleiter, muss mit der Verschiebung der Oberammergauer Passionsspiele um zwei Jahre auf 2022 erst zurechtkommen. "Ich hab's realisiert und nicht realisiert", sagte Stückl der "Süddeutschen Zeitung" (Montag). Vor allem aber stehe er vor der Frage: "Was mach' ich denn eigentlich jetzt?" Am liebsten würde er nach Indien fahren, "aber man darf ja nicht mal das".

Nach der offiziellen Absage der Passionsspiele für dieses Jahr sei er erstmal einkaufen gegangen, erzählte der Regisseur. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten habe er wieder gekocht. "Dann bin ich vor dem Fernseher gelandet und direkt eingeschlafen. Da kann man ja nichts anschauen - ich kann das Wort Corona schon nicht mehr hören."

Zeit alles zu überarbeiten

Der Theatermann will die gewonnene Zeit nach eigenen Worten für seine Arbeit an einem Buch über die Passionsspiele nutzen. "Da bin ich seit mehreren Jahren am Stoff sammeln, wollte es heuer fertigbringen. Jetzt hab' ich immerhin schon mal ein neues Kapitel."

Mit Blick auf 2022 meinte Stückl, anfangs habe er überlegt, die Handwerker im Passionstheater weiterarbeiten und ein paar Bühnenbilder fertigstellen zu lassen. Doch dann habe er entschieden, "wir räumen zusammen und schicken die Leute heim". In eineinhalb Jahren werde man sich wieder treffen. Auch mit den Schauspielern, die alle ihre Rollen behielten, werde er wohl wieder von vorne anfangen müssen. "Es sind so viele Junge dabei, die sind ja dann zwei Jahre älter, die wollen die Rolle frisch erarbeiten und nicht das wieder herstellen, was wir jetzt abgebrochen haben." Er werde auch noch mal "am Text rumtun".

Verschiebung auf 2022

Die Älteren im Dorf treffe die Verschiebung hart, meinte der Spielleiter. "Die haben ein bisschen Angst: Schaffen wir es noch bis in zwei Jahren." Positiv indes sei, dass manche in zwei Jahren spielberechtigt seien. Sie lebten dann lang genug im Dorf. Die Frist dafür beträgt 20 Jahre.

Vergangenen Donnerstag waren die 42. Oberammergauer Passionsspiele für 2020 abgesagt worden. Sie sollen in zwei Jahren nachgeholt werden. Für die Premiere wurde der 21. Mai 2022 festgelegt. Der Hart- und Barterlass wurde sofort aufgehoben und tritt erst wieder am Aschermittwoch 2021 in Kraft. Zu den dieses Jahr geplanten 103 Spieltagen wurde mit mehr als 450.000 Besuchern aus aller Welt gerechnet. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie Passions spiele

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