Monat der Weltmission Kann man mit Waffen Frieden schaffen?

28.10.2020

Christian Wilhelm ist Christ und war als Soldat in Mali. Für den Offizier sind Glaube und militärische Einsätze kein Widerspruch.

Oberstleutnant Christian Wilhelm © SMB/Lemli

München - Christian Wilhelm bezeichnet sich selbst als „Wiederholungstäter“. 1987 begann er in München seinen Wehrdienst und verließ die Bundeswehr nach zwei Jahren wieder. Erst als Fünfzigjähriger ließ er sich wieder anstellen, nachdem er zuvor viele Wehrübungstage als Reservist hinter sich gebracht hatte und als Geschäftsführer eines Unternehmens tätig war. Ausschlaggebend für ihn war die Zusammenarbeit mit internationalen Kameraden. Deshalb wechselte er zur Internationalen NATO-Schule in Oberammergau, wo er Public Affairs und Strategische Kommunikation lehrt. Vor zwei Jahren war Wilhelm in Litauen für die Bundeswehr im Einsatz und wollte an einem weiteren Stabilisierungseinsatz teilnehmen. Nachdem seine Lebensgefährtin sich für den Einsatz in Mali beworben hatte, meldete auch er sich freiwillig.

Wenig Internet und kein Alkohol

Der Oberstleutnant hatte in Mali einen Nachrichtengewinnungs- und Aufklärungsauftrag. Das bedeutet konkret: er sollte die jeweilige Lage detailliert beschreiben. Auf seinen Beschreibungen beruhten die Entscheidungen der Kommandeure. Der Raum Gao wird mithilfe von Patrouillen gesichert. Entscheidend seien auch die Gespräche mit den Einheimischen, erklärt der Offizier. Während seiner viereinhalb Monate in Mali musste sich Wilhelm stark einschränken: Er musste auf Alkoholkonsum verzichten, durfte nur zwei Seekisten mit Gepäck mitnehmen und hatte nur zwei Stunden am Tag stabiles Internet. Zwölf Stunden am Tag war es dunkel, auch die staubige Hitze machte ihm zu schaffen. Vor allem aber vermisste er seine Familie. Seine Mutter war zu dieser Zeit schwer krank und es war schwer für ihn, nicht für sie da sein zu können. Umso wichtiger war es für ihn, seine Lebensgefährtin bei sich zu haben.

„Du sollst nicht morden“

Besonders berührt hat den Soldaten ein Erlebnis mit drei Mädchen: Sie konnten sich nicht verständigen, also sangen sie gemeinsam – er auf Bayerisch, die Mädchen auf Bambara. Gerade solche Erlebnisse sind es, die ihm zeigen, wie wichtig der Einsatz in Mali ist: Oft habe er den Satz gehört: „Heute Nacht können wir mal durchschlafen, weil wir wissen, dass ihr da seid!“ Die Frage, ob man mit Waffen zum Frieden beitragen kann, stellt sich für ihn nicht. Er verkehrt sie ins Gegenteil. Um die Bevölkerung zu schützen, sei staatliche Gewalt unerlässlich: „Die Menschen fühlen sich sicher, wenn sie die Blauhelme sehen. Denn sie wissen: wir haben keinen Kampfauftrag, sondern ein Präsenzauftrag.“ Es brauche die Bundeswehr, um den Schutz der Menschen in Mali zu gewährleisten. Auch sein katholischer Glaube bestärkt Wilhelm in seinem Tun. Christsein bedeutet für ihn „Geborgensein und zu wissen, dass es nach dieser Welt, die von Gewalt und Tod beherrscht ist, doch noch etwas Anderes gibt.“ Als Soldat ist er ständig mit dem Tod konfrontiert. Daher beschäftigt ihn auch die Frage nach dem Leben nach dem Tod. Er glaubt nicht, dass er mit seinem Tun gegen das Gebot „Du sollst nicht töten!“ verstößt. Den Begriff „töten“ ersetzt er durch „morden“. Um andere Menschen zu schützen, sei es manchmal nötig, einen Menschen zu töten, findet Wilhelm.

Demut und Gottvertrauen

In Mali begann Oberstleutnant Christian Wilhelm, sich für missio zu engagieren. Inzwischen hält er in Deutschland Vorträge über seinen Einsatz in Mali und klärt über die Arbeit der Bundeswehr auf. Der Einsatz in Mali hat Wilhelm demütig gemacht. Aus dem Wohlstand in Deutschland kommend, erlebte er in seinem Einsatz Menschen, die nicht wissen, ob sie morgen noch ein Dach über dem Kopf haben. Zweifel an Gott kommen trotzdem nicht bei ihm auf. Als Christ vertraue er darauf, dass Gott ihm dabei helfe, Probleme wie bei seinem Mali-Einsatz zu lösen.


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