Digitale Kommunikation Kapuziner setzen auf Videokonferenzen

27.04.2020

Für Pater Christophorus Goedereis, Provinzial der Deutschen Kapuziner, sind Videokonferenzen nicht erst seit der Corona-Krise Alltag in der ordensinternen Kommunikation. Im Interview erzählt er, welche Vorteile das bringt.

Videokonferenz
Für Pater Christophorus Goedereis sparen Videokonferenzen Zeit um bei persönlichen Treffen über die wirklich wichtigen Dinge zu sprechen. © fizkes - stock.adobe.com

mk online: Alle Welt entdeckt aufgrund der Corona-Krise derzeit im Homeoffice das technische Hilfsmittel der Videokonferenz. Bei euch Kapuzinern ist das jedoch schon etwas ganz Alltägliches …

Pater Christophorus Goedereis: Wir benutzen die Videokonferenz seit gut einem halben Jahr, vor allem in der jetzigen Ordensleitung, die seit letztem Sommer im Amt ist. Durch Zufall bin ich seinerzeit auf das Computerprogramm „Microsoft Teams“ gestoßen, das sich als Kommunikationsplattform für Arbeitsteams und -gruppen und kleinere bis hin zu größeren Unternehmen eignet. Wir haben also einfach mal angefangen, mit diesem Mittel zu arbeiten.

Hintergrund war die Frage, wie wir unsere Arbeit sinnvoll strukturieren könnten. Wir alle kennen Sitzungen, Telefonate und E-Mails. Doch wie kriegt man zwischendrin eine schnelle Kommunikation von alltäglichen Dingen hin? Wie schaffen wir es, dass wir in unseren Konferenzen, in denen wir uns sehen, wirklich nur über die wichtigen Dinge sprechen und uns nicht im Kleinen verlieren und wie können wir den Kleinkram zwischendrin abarbeiten? Jeder kennt ja solche Sitzungen, in denen erst einmal zwei Stunden über Würstchenpreise und ähnliches gesprochen wird und man sich am Ende fragt: Warum bin ich eigentlich dahin gegangen?

Welche Vorteile bietet also eine Videokonferenz-Schaltung der Provinzverwaltung?

Goedereis: Wir arbeiten heute eigentlich ständig auf mehreren Plattformen gleichzeitig. Es gibt zum einen eine Art professionellen Chatroom, in dem ich als Leiter der Ordensprovinz tagtäglich den Mitbrüdern in der Leitung irgendwelche kleineren Informationen stichwortartig zukommen lasse. Das alles braucht man dann schon einmal nicht mehr in einer eigenen Konferenz machen. Ebenfalls werden auf diese Weise schnelle Entscheidungen getroffen, vor allem über Dinge, von denen klar ist, dass man über diese nicht zwei Stunden in einer Sitzung diskutieren muss, über die man aber, wenn man sich eben trifft, leider Gottes dann doch wieder zwei Stunden debattieren würde. Das alles lässt sich auf diesem kurzen Weg mittels Chatroom-Kommunikation lösen.

So kamen wir letztlich auch auf das Mittel der Videokonferenz. In der Ordensleitung treffen wir uns auf diese Weise einmal pro Woche, oder spätestens alle zwei Wochen, an unserem Jour fixe, montags um 14 Uhr für eineinhalb bis zwei Stunden. Der Vorteil ist, dass dies eine schnelle und konzentrierte Sitzung ist, die fest im Kalender steht und für die man auch nicht reisen muss. Wenn man sich schließlich wie ehedem auch real-physisch zum Provinzrat trifft, dann hat man dort im Optimalfall die nötige Zeit, um sich den wirklich wichtigen Dingen zu widmen.

Die Videokonferenz ersetzt also die persönlichen Treffen nicht vollständig?

Goedereis: Nein, sie differenziert und gewichtet Informationen und Entscheidungen und macht die persönlichen Treffen zu solchen, in denen man über Strategiethemen redet und nicht über Kleinkram.

Wie reagierten Ihre Mitbrüder auf diese Art der Kommunikation? War viel Überzeugungsarbeit zu leisten?

Goedereis: In der Ordensleitung war das relativ schnell etabliert, das sind fünf Mitbrüder, die haben sich schnell darauf eingelassen, die meisten von ihnen waren auch vorher schon technikaffin unterwegs, daher war das nicht allzu kompliziert. Innerhalb der Ordensprovinz habe ich dann nur ein wenig dafür geworben und nach und nach haben dann auch andere Arbeitsgruppen, Kommissionen, AGs und die Hausoberen angefangen, sich damit anzufreunden, so dass wir schon vorbereitet waren, als die Corona-Krise kam, in der jetzt jeder auf dieses Mittel zugreift. Für mich ist es also kein Hexenwerk zu sagen, ich brauche alle Hausoberen in Deutschland zu einer Videokonferenz. Da gibt es vorher eine kurze Terminansage und dann sind alle Zwölf zur gegebenen Zeit schön am Bildschirm versammelt. Das klappt gut.

Wie sieht es denn mit technischen Schwierigkeiten aus? Hat der Provinzial da mitunter mit plötzlichem Mikrofon- oder Bildausfall zu kämpfen?

Goedereis: Sofern ich im Provinzialat in München sitze, habe ich eine stabile Internetverbindung. Es gibt aber Orte, die liegen in Gegenden in Deutschland, in denen das Internet nicht so schnell ist. Dann hört man vielleicht jemanden und sieht ihn nicht oder man sieht ihn und hört ihn nicht, aber den schalten wir dann halt per Telefon und Lautsprecherfunktion dazu. Da sind wir kreativ. Was wir auch merken im ökologischen Sinn und in puncto Klimaschutz, der uns als franziskanische Ordensleute ja am Herzen liegt, dass sich etliche Treffen in der Ordensprovinz durch die Videokonferenz erübrigen und die Mitbrüder somit nicht für irgendeine Tagessitzung quer durch das Land fahren müssen.

Alle Kapuziner-Niederlassungen sind also technisch gerüstet und entsprechend ausgestattet?

Goedereis: Wir haben kein besonderes technisches Equipment, sondern nutzen eine vorhandene Plattform und benötigen daher nur das, was fast jeder Mensch heutzutage hat: Computer mit Internet-Anschluss, Kamera und Audiofunktion. Das ist in allen Häusern vorhanden.

Helfen die Jüngeren den Älteren, wenn Fragen aufkommen?

Goedereis: Gleich zu Beginn der Corona-Krise habe ich eindringlich alle Mitbrüder darauf hingewiesen, dass wir in der nächsten Zeit, abgesehen von Telefon und E-Mail, hauptsächlich auf diesem Weg kommunizieren werden. Und vielleicht möge es sich daher der eine oder andere von einem Mitbruder im Haus doch einmal erklären lassen. Und das haben dann einige auch tatsächlich gemacht.

Was glauben Sie: Wird die Corona-Krise unsere Sitzungskultur nachhaltig beeinflussen?

Goedereis: Welche Sitzungen müssen wirklich zukünftig physisch stattfinden und welche nicht? Diese Frage wird sich auch nach Corona stellen. Darauf sollten wirklich einmal alle Arten von Sitzungen überprüft werden. Muss man für irgendein x-beliebiges Treffen wirklich quer durch die Welt fahren? Brauchen wir wirklich jede Woche montagmorgens eine stundenlange Konferenz mit diesem oder jenem Team, was ja vielleicht nett ist, bei der sich aber oft alle eine halbe Stunde mit Kaffeetrinken, eine halbe Stunde mit Geplänkel, eine weitere halbe Stunde mit Unwichtigkeiten und letztlich vielleicht eine halbe Stunde mit wichtigen Dingen beschäftigen. Klar sind auch das Kaffeetrinken und das Geplänkel ab und an wichtig, aber braucht man diese Art von Sitzung wirklich jede Woche oder besser nur einmal im Monat und macht stattdessen lieber ein wöchentliches halbstündiges Video-Meeting, wo nicht erst immer eine große Befindlichkeitsrunde kommt.

Das Vorbild der Deutschen Kapuziner macht mittlerweile auch im Ausland Schule. Sie haben bei ihren Mitbrüdern ganz offensiv dafür geworben...

Goedereis: Offensiv wäre vielleicht zu viel gesagt, ich bekomme dafür ja nichts. Nein, aber auf internationalen Konferenzen, an denen ich als Provinzial teilnehme, gibt es für gewöhnlich zu Beginn immer den Tagesordnungspunkt „Bericht aus der eigenen Ordensprovinz“, und an dieser Stelle habe ich in den ersten Monaten, als wir dies bei uns eingeführt hatten, davon berichtet. Dabei habe ich auch das Interesse mancher Mitbrüder geweckt.

Ihr Ordensvater Franziskus war ja auch stets ein kreativer Kopf und neuen Ideen nicht abgeneigt. Was würde der Heilige wohl zu seinen technisch versierten Ordenssöhnen des Jahres 2020 sagen?

Goedereis: Wenn wir uns nun extra eine teure Videokonferenzanlage anschaffen müssten, dann würde er sehr wahrscheinlich die Nase rümpfen. Das ist aber, wie bereits gesagt, nicht der Fall. Dass wir die heute gängigen Medien zur Kommunikation und zur Begegnung nutzen, dagegen hätte er mit Sicherheit nichts. Franziskus hat zwar arm und einfach gelebt, aber er war in seiner Zeit auch immer jemand, für den zum Beispiel Schreiben und Diktieren etwas ganz Normales waren – was damals jedoch keineswegs für alle Menschen normal war.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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