Kreuzweg der Völker Kardinal Marx: Christen sollen auf Muslime in Deutschland zugehen

30.03.2018

Gläubige verschiedener muttersprachlicher Gemeinden haben den Kreuzweg durch die Münchner Innenstadt gestaltet. Kardinal Reinhard Marx rief zu Versöhnung und Freundschaft auf.

Die Karfreitagsprozession führt von der Jesuitenkirche Sankt Michael durch die Neuhauser und die Kaufingerstraße zum Marienplatz.
Die Karfreitagsprozession führt von der Jesuitenkirche Sankt Michael durch die Neuhauser und die Kaufingerstraße zum Marienplatz. © Kiderle

München – Der Münchner Kardinal Reinhard Marx ruft angesichts der Zunahme von Gewalt und Hass in der Gesellschaft zu Versöhnung und Freundschaft zwischen Völkern, Kulturen und Religionen auf. Beim traditionellen "Kreuzweg der Völker" in der Münchner Innenstadt am Karfreitag appelliert er laut Redemanuskript vor allem an die Christen in Deutschland, auf Muslime und Nicht-Glaubende zuzugehen.

"Es scheint mir wieder neu eine Zeit der verbalen, politischen und militärischen Aufrüstung zu sein", sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Stärke werde demonstriert; auch gelte die Logik von Gewinnern und Verlierern. Sieger solle sein, wer am lautesten, deutlichsten und mächtigsten seine Interessen vertrete, beklagt der Erzbischof von München und Freising. "Man will Frieden schaffen, so sagt man, mit immer mehr Waffen. Wie soll das gehen? Ich kann eine solche Logik nicht akzeptieren."

Die Gewaltlosen werden das Land besitzen

Christen seien deshalb aufgerufen, überall in der Welt klar zu verkünden: "Nicht die Gewalttätigen werden das Land besitzen, sondern die Gewaltlosen." Nicht die, die andere mit militärischen, wirtschaftlichen und politischen Mitteln beherrschen und unterwerfen wollten, würden sich am Ende durchsetzen, sondern die Sanften und Barmherzigen, die, die Frieden stiften und möglich machten.

Kardinal Marx beim Kreuzweg der Völker am Münchner Marienplatz.
Kardinal Marx beim Kreuzweg der Völker am Münchner Marienplatz. © Kiderle

Marx verweist darauf, dass in der Vergangenheit zwischen den Nationen und Konfessionen Gräben aufgerissen und Feindschaften über Generationen weitergegeben worden seien. Doch wo Hass und Gewalt gepredigt werde, müssten Christen Nein sagen. Sie verurteilten es, wenn Menschen angegriffen, Kirchen, Synagogen oder Moscheen angezündet und geschändet werden.

Zugleich fordert der Kardinal, den Weg von Gewaltlosigkeit und Liebe auch in der Begegnung mit anderen Religionen und Nicht-Glaubenden zu gehen. "Denn wir wissen aus unserer eigenen Erfahrung als Christen in Europa und in der Welt: Ohne Freundschaft, ohne Begegnung, ohne Offenheit für den anderen gibt es kein Verstehen; gibt es keine Versöhnung, gib es keine Gemeinschaft, sondern dann entstehen Misstrauen, Angst und Gewalt." (kna)

Kreuzweg der Völker

In diesem Jahr steht der Kreuzweg unter dem Leitwort "'Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf' (Jes 53,7) - Die Kraft der Gewaltlosen". Gläubige verschiedener muttersprachlicher Gemeinden gestalten den Weg mit Passionsliedern aus ihrer Tradition. Sie tragen an den einzelnen Stationen Texte vor und erinnern am Beispiel Jesu auch an die Nöte der Menschen von heute. Der "Kreuzweg der Völker" war auf Initiative von Mitgliedern der muttersprachlichen Gemeinden 1998 erstmals in der Münchner Fußgängerzone gebetet worden. (kna)


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