50 Jahre Sant'Egidio Kardinal Marx fordert mehr Engagement für Einheit der Menschen

26.02.2018

Mit einem Gottesdienst wurde das 50-jährige Bestehen der Gemeinschaft Sant'Egidio gefeiert. Kardinal Reinhard Marx hielt die Predigt in der Münchner Pfarrkirche Sankt Ursula. Er sprach vom Sakrament der Einheit.

50 Jahre Sant'Egidio in der Münchner Pfarrkirche Sankt Ursula.
50 Jahre Sant'Egidio in der Münchner Pfarrkirche Sankt Ursula. © Kiderle

München – Der Münchner Kardinal Reinhard Marx verlangt von der Kirche einen stärkeren Einsatz für die "Einheit aller Menschen". Sie müsse das Evangelium als einen Weg zu diesem Ziel entdecken, sagte der Erzbischof von München und Freising am Samstag laut Mitteilung seiner Pressestelle. Es gehe darum, "dass man Gräben zuschüttet, dass man Menschen zueinanderführt, dass man Spaltungen überwindet". Marx äußerte sich bei einem Gottesdienst in der Münchner Pfarrkirche Sankt Ursula zum 50-jährigen Bestehen der Gemeinschaft Sant'Egidio. Die katholische Bewegung widmet sich der karitativen Arbeit, der Diplomatie in Bürgerkriegsgebieten und dem Dialog der Religionen.

Sakrament der Einheit

Marx führte seine Forderung so aus: "Das gilt für die soziale Spaltung: Wer keinen Blick für die Armen hat, kann nicht Sakrament der Einheit sein. Das gilt für die politischen Herausforderungen: Wer den Hass zwischen den Völkern, in den Konflikten der Welt, stehen lässt, kann kein Sakrament der Einheit sein. Das gilt für die religiösen Gräben, sowohl zwischen den Religionen als auch zwischen den Konfessionen."

Sant'Egidio

Die katholische Bewegung Sant'Egidio hat nach eigenen Angaben rund 60.000 Mitglieder in mehr als 70 Ländern, davon 5.000 in Deutschland. Ihr Hauptsitz befindet sich im römischen Stadtteil Trastevere, ihr deutsches Zentrum seit 1983 in Würzburg. In Deutschland gründete sich der erste ausländische Ableger von Sant'Egidio. Regelmäßig veranstaltet die Bewegung internationale Friedenstreffen. 2011 fand eine solche, mehrtägige Veranstaltung in München statt. Daran nahmen rund 10.000 Menschen aus über 50 Ländern teil.

Aktuell allerdings würden "die Gedanken des Misstrauens, die Angst vor dem Anderen, das Abschotten der eigenen Kultur" stärker. "Die große Idee der einen Menschheitsfamilie, die zusammenkommt im einen Haus der Schöpfung, die bekommt heftigsten Gegenwind." Christen dagegen müssten sich für die Einheit einsetzen: "Wir stehen auf der Seite der Globalisierung der Freundschaft, nicht der Globalisierung der Gleichgültigkeit und des Hasses." Das 21. Jahrhundert brauche "das gelebte Zeugnis, dass die Kirche Sakrament der Einheit ist, dass sie soziale, politische und religiöse Grenzen überwindet".

Es gibt eine Menschheitsfamilie

Die Gemeinschaft Sant'Egidio engagiere sich dahingehend, ergänzte Marx. Sie zeige, "dass es eine Menschheitsfamilie gibt, trotz aller kulturellen, sprachlichen und religiösen Unterschiede". Die Mitglieder der Bewegung gingen "das Wagnis der Freundschaft" ein, ohne das es "kein Verstehen geben kann, keine Begegnung, kein Lernen vom anderen". (kna)

 

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