Kirchlicher Jahresrückblick Kardinal Marx für synodale Elemente im Erzbistum

17.12.2019

Kardinal Reinhard Marx wirbt im Münchner Presseclub für kreative Lösungen in Zukunftsfragen. Kirche könne nicht einfach nur weniger werden.

Kardinal Marx im Münchner Presseclub © SMB/Stöppler

München – „Jeder muss veränderungsbereit sein“. Mit diesem Appell hat sich Kardinal Reinhard Marx bei seinem traditionellen Jahresresümee im Münchner Presseclub noch einmal an die Skeptiker des Synodalen Weges gewandt. Eine synodale Kirche suche immer gemeinsam nach neuen Prioritäten im Glaubensleben. „Ich wünsche mir eine Kirche, die integrativ und synodal unterwegs ist“, unterstrich Marx auch mit Blick auf das Erzbistum München und Freising. Für die Kirche in Oberbayern kündigte der Münchner Erzbischof an, dass auch hier der Strategieprozess im kommenden Jahr verstärkt werde. Es brauche in der Umbruchsituation klare Prioritäten, die man gemeinsam mit den Laien erarbeiten wolle. Dabei schwebt Marx ein ähnlich gearteter Prozess vor, wie der von der Deutschen Bischofskonferenz am ersten Advent begonnene Synodale Weg.

Die Voraussetzungen dafür seien im Erzbistum gut, so Marx. Bei seinen Besuchen in den Pfarreien spüre er immer wieder, dass es einen großen Willen gebe, den christlichen Glauben weiterzutragen. „Die Mehrheit der Bayern möchte, dass das Christentum nicht verschwindet“, ist sich der Kardinal sicher. Dafür müssten die Gläubigen aber aufeinander zugehen und bereit sein, für möglich zu halten, dass der andere auch vom Geist Gottes inspiriert sei. Ein Synodaler Weg sei eben mehr als ein parlamentarischer Prozess, wo einfache Mehrheiten die Entscheidung brächten.

Sorge um soziale Ungleichheit

Weitaus skeptischer äußerte sich Marx zu den Folgen des aus seiner Sicht ungebremsten Kapitalismus. Er gehe davon aus, dass die soziale Ungleichheit weiter zunehme werde. Auch der dadurch verursachte politische Populismus werde nicht einfach wieder verschwinden. Er sehe die Entwicklung mit Sorge, betonte Marx. Die Kirche sei keine politische Partei und könne deshalb nur ethische Grundlagen einbringen. Bei der Klimakrise habe man das zum Beispiel mit der päpstlichen Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“ getan. Sie sei ein „Text, der viele zusammenführt“. Die „Fridays for Future“ Bewegung nannte Marx hilfreich, wenn es darum geht, die Klimaproblematik im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu halten.

Stärkeres Zeichen bei Entschädigung von Missbrauchsopfern

Bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche wünscht sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in seiner Jahresbilanz von allen Seiten mehr Geduld. Der Weg, den die Kirche hier einschlage, sei etwas völlig Neues, auch weil es keine Vergleiche mit anderen gesellschaftlichen Gruppe gebe, die bereits etwas Ähnliches gemacht hätten. Marx kündigte an, dass man bei der Entschädigung der Missbrauchsopfer ein „stärkeres Zeichen“ setzen wolle. Nun gehe es darum zu prüfen, wie eine höhere Entschädigung festgelegt werden kann. Dabei wolle man eine "bessere Anerkennung" des erlittenen Leids erreichen. Erst in einem zweiten Schritt werde man dann klären, wie die Zahlungen finanziert werden könnten, sagte Marx. Dabei sei auch die Errichtung eines Fonds‘ denkbar, denn die Bistümer seien finanziell unterschiedlich ausgestattet. Zuletzt hatten sich bereits mehrere Diözesen im Hinblick auf die Zahlungen gegen einen Rückgriff auf Kirchensteuermittel ausgesprochen. Mit ihm werde es erst eine Debatte über den Einsatz von Kirchensteuergeldern geben, wenn konkrete Entschädigungssummern auf dem Tisch liegen, betonte Marx.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

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