Positive Bilanz in Münster Kardinal Marx: „Gut, dass wir den Katholikentag haben“

12.05.2018

Der Katholikentag in Münster ist deutlich erfolgreicher als die Treffen in Leipzig und Regensburg. Neben Debatten zur großen Politik werden die Bistümer auch mit ganz praktischen Anfragen konfrontiert.

Kardinal Marx am Stand des Erzbistums München und Freising © SMB

Münster – Der großen Streitfrage des Katholikentags 2018, AfD einladen Ja oder Nein, gegenüber zeigte sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, schon bei der Auftaktpressekonferenz sehr gelassen. Das habe man schon in Leipzig diskutiert und damals sei er dafür gescholten worden, dass die AfD nicht offiziell am Katholikentag eingeladen war. Jetzt sei diese Partei nun mal im Bundestag und deshalb sei es geboten, im Rahmen einer entsprechenden Veranstaltung auch deren religionspolitischen Sprecher einzuladen.

Die umstrittene Debatte mit einem AfD-Vertreter verlief nach anfänglichen Tumulten weitgehend ruhig und friedlich. Vor der Diskussion hatten in der Stadt rund 1.000 Menschen unter dem Motto "Keinen Meter den Nazis" gegen die Teilnahme des religionspolitischen Sprechers der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz, demonstriert.

Insgesamt haben die Veranstalter am Samstag eine positive Bilanz gezogen. ZdK-Präsident Thomas Sternberg nannte das Christentreffen "hochpolitisch". Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hält die Veranstaltungsform für wichtiger denn je (siehe auch Interview im Kasten). Mit über 50.000 verkauften Karten war die Veranstaltung deutlich erfolgreicher als die Katholikentage in Leipzig und Regensburg. Bei nahezu perfektem Wetter, schön warm aber nicht zu heiß, steht ganz Münster noch bis Sonntag ganz im Zeichen des Katholikentags. Viele Straßen in der Innenstadt sind für den PKW-Verkehr gesperrt, die Straßen-Cafés alle gut besucht, die Stimmung fein. Die im Vorfeld aufgekommene Kritik, der Katholikentag kannibalisiere sich mit zu vielen Veranstaltungen selbst, ist schon am ersten Tag völlig verstummt. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein, wie Schlangen von über 200 Meter Länge vor dem Kongress-Zentrum und zahllose, wegen Überfüllung geschlossene Veranstaltungsräume eindrucksvoll zeigten. Es waren wohl eher zu wenig Veranstaltungen, glücklich schätzte sich, wer auch in einen Saal gekommen ist.

Neben Gebeten, Gottesdiensten und binnenkirchlichen Themen spielte Politik eine Rolle: Nicht nur die Kanzlerin und der Bundespräsident waren zu Gast, auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU), meldete sich zu Wort. Er verteidigte den Kreuz-Beschluss in Münster: "Unseren Werten soll mit dem Kreuz sichtbarer Ausdruck gegeben werden", erklärte er. "Es soll zudem eine Einladung an alle sein, Nächstenliebe und Menschenwürde zu leben." Das Kreuz könne niemals ausgrenzen. Es sei kein bayerisches, nationales oder staatliches Symbol.

Mit einer recht pragmatischen Anfrage hingegen wurde Monika Mehringer konfrontiert. Die Religionspädagogin aus dem Münchner Ordinariat hatte die Veranstaltung „Kinder- und Familiengottesdienste gestalten“ angeboten, die auch sehr gut besucht war. „Die Bistümer sollten bitte mehr Vorlagen für ehrenamtliche Kindergottesdienstleiter ins Internet stellen“, forderte eine Teilnehmerin aus Stuttgart. Die 44-jährige Mutter von vier Kindern wollte dabei urheberrechtliche Gründe, die oftmals eine Veröffentlichung im Internet verhindern, nicht gelten lassen. „Ihr müsst das viel mehr aus der Perspektive der Anwender sehen, wir brauchen solche Vorlagen und Linklisten einfach auch, um auf Ideen zu kommen. Auch wenn wir dann nur einen kleinen Teil davon verwenden.“

Am Samstagabend werden Zehntausende zu einem bunten Abschiedsabend in der Innenstadt erwartet. Am Sonntag endet das Treffen mit einem Freiluftgottesdienst am Schlossplatz.

Interview mit Kardinal Marx
mk-online.de: Herr Kardinal, was ist das Besondere an diesem Katholikentag hier in Münster?
Kardinal Marx: Ich freue mich, dass dieses Mal sogar noch mehr Menschen gekommen sind als bei den letzten Katholikentagen. Das zeigt, dass der Katholikentag für viele anziehend ist und zwar in allen Bereichen: Gottesdienste Gebete und die Spiritualität stehen ebenso im Zentrum, wie auch die politischen und gesellschaftlichen Fragen. Und natürlich interessiert viele wie es in der Kirche weitergeht. Ich finde es wunderbar, dass wir ein breites Spektrum an Themen haben und Vieles angesprochen wird. Gerade hier in Münster merke ich: Gut, dass wir den Katholikentag haben.

mk-online.de: Kann man, wenn so sehr in Termine eingespannt ist wie Sie, den Katholikentag überhaupt genießen oder ist es vor allem eine Tortur?
Kardinal Marx: Mir macht es große Freude, hier zu sein und es gibt mir Mut und Kraft, weil mir viele Menschen positiv zusprechen. „Wir beten für Sie“ oder „Herr Kardinal, Danke“ oder „Wir kommen aus Ihrer Heimat“. Es ist ein positives Grundgefühl und das tut dann auch gut.

mk-online.de: Sie haben den Mut gehabt, bei einem der schwierigsten Themen, bei einem Podium zum Thema Missbrauch selbst mit auf der Bühne zu sitzen. Wie wichtig ist es für Sie, dass so Themen am Katholikentag angeschlagen werden?
Kardinal Marx: Unbedingt ist es wichtig, dass wir ohne Tabus über alles Themen sprechen, die uns betreffen. Das merke ich am Katholikentag, hier wird anders miteinander gesprochen als in vielen Talkshows, und freier von den Schwarz-Weißkategorien die heute leider üblich geworden sind. Man lässt sich ausreden und versucht zu differenzieren. Ein solches Niveau des Dialogs tut der Gesellschaft insgesamt gut, denn dafür gibt zu wenige Orte in unserer Gesellschaft, wo ein solches Forum da ist - kontrovers aber respektvoll und aufmerksam für die Meinung des anderen.

Der Autor
Georg Walser
Online-Redaktion
g.walser@st-michaelsbund.de


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