Beten um Erneuerung der Kirche Kardinal Marx: Kirche soll Menschen nicht von oben herab belehren

09.03.2019

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx betet gemeinsam mit Gläubigen in der Bürgersaalkirche um Erneuerung der Kirche.

Kardinal Marx betet mit Gläubigen vor dem Allerheiligsten in der Bürgersaalkirche.
Kardinal Marx betet mit Gläubigen vor dem Allerheiligsten in der Bürgersaalkirche. © Kiderle

München – Dass ein Erzbischof gemeinsam mit Gläubigen für Umkehr und Erneuerung in der Kirche betet, ist eher ein seltenes Ereignis. Doch Kardinal Reinhard Marx setzt in der Fastenzeit gleich dreimal auf diese gemeinsame Gebetszeit. „Ich danke Ihnen für Ihr Kommen und dass Sie dieser kurzfristigen Einladung gefolgt sind“, begrüßt er am 8. März die rund 60 Gläubigen, die sich in der Bürgersaalkirche versammelt haben. Wer an diesem Freitagabend um 19:30 Uhr in einer Ferienwoche hierhergekommen ist, der hängt an seiner Kirche und wünscht sich sehr, dass sie Gutes bewirkt und auch in der Öffentlichkeit wieder so wahrgenommen wird.

Zum Beispiel Barbara Gradl, die früher dem Vorstand des Diözesanrats der Katholiken angehört hat: Sie ist extra von ihrem Wohnort im äußeren S-Bahn-Bereich angereist. „Mir ist es wirklich ein Anliegen, für die Erneuerung der Kirche zu beten und dies gemeinsam mit Kardinal Marx zu tun“, sagt sie vor Beginn der Gebetszeit.

Gute und befreiende Botschaft

Anfangs hält der Münchner Erzbischof eine nachdenkliche und zugleich leidenschaftliche Ansprache. Dabei stellt er die Frage nach dem „Sein und Schein der Kirche“. Diese beiden seien nicht nur in der Gegenwart, sondern schon in früheren Epochen immer wieder auseinandergefallen. Auch heute hätten manche ein Kirchenverständnis, wonach die Institution Herrschaftswissen verwalten und Menschen gleichsam von oben herab belehren solle. „Das geht mir auf die Nerven“, bekennt Marx freimütig und fordert zur Bekehrung auf, die alle nötig hätten. Die Kirche sei dazu da, von der guten, befreienden Botschaft des Evangeliums zu sprechen: Das Reich Gottes geschehe jetzt, im Augenblick. „Jesus will den Himmel aufreißen, damit viele Menschen den Zugang finden zur Barmherzigkeit Gottes“, betont der Münchner Erzbischof. „Und er fängt nicht bei den Gerechten an, die alles zu wissen glauben, sondern bei den Kranken und Schwachen und Sündern.“

Diese gemeinsame Gebetszeit war die erste von dreien. Auch die nächsten beiden Gebetszeiten „Die Kirche – gerufen zu Umkehr und Erneuerung“ finden an Freitagen statt: Am 15. März und am 22. März jeweils um 19:30 Uhr in der Bürgersaalkirche in der Neuhauser Straße.

Schließlich folgt das gemeinsame Gebet vor dem ausgesetzten Allerheiligsten. Kardinal Marx kniet ebenso wie die meisten Gläubigen lange Minuten. „Hilf uns alles zu überwinden, was den Blick verdunkelt hat“ sagt er in den Fürbitten oder: „Mach uns bereit zur authentischen, aufmerksamen, liebevollen Begleitung.“ Danach gibt es nur noch das gemeinsame schweigende Gebet, dezente Orgelmusik und Weihrauchduft. Der Münchner Erzbischof hat zuvor auch davon gesprochen, dass die Kirche Priester und Bischöfe brauche, die alle Menschen begleiten. Das gemeinsame Knien vor Gott hat insofern eine bewegende Symbolik. „Kommt gut nach Hause“, entlässt Kardinal Reinhard Marx nach dem Segen die Gläubigen. Und er zeigt dabei ein kurzes Lächeln. (Gabriele Riffert)


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