Corona-Gedenkgottesdienst Kardinal Marx ruft zu einer „Kultur der Erinnerung“ auf

28.02.2021

Der Münchner Erzbischof feierte am Samstag im Liebfrauendom einen Gottesdienst für die Verstorbenen der Corona-Pandemie. Aber auch den Angehörige, den Pflegenden und allen, die trauen, wurde gedacht.

Kreuz aus Kerzen
Jede Kerze des leuchtenden Kreuzes steht für Betroffene der Corona-Pandemie. © Kiderle

München – Absolute Stille im Münchner Liebfrauendom, in schwarz gekleidete Gottesdienstbesucher, ein mit mehr als 50 Kerzen gelegtes leuchtendes Kreuz auf den Altarstufen: Ganz im Zeichen des Gedenkens der Corona-Toten, aber auch ihrer Angehörigen, der Trauernden und der Pflegenden stand der Gottesdienst, den Kardinal Reinhard Marx am 27. Februar 2021 im Münchner Liebfrauendom feierte. Auch Vertreter des Metropolitankapitels Zu Unserer Lieben Frau nahmen am Gottesdienst teil, der von der Schola musikalisch gestaltet wurde. „Wir denken an die Toten aller Konfessionen und aller Religionen, die mit uns unterwegs waren. Wir werden unseren Weg gemeinsam weitergehen“, betont Kardinal Marx am Beginn des Gottesdienstes.

In seiner Predigt rief Kardinal Marx zu einer „Kultur der Erinnerung“ auf. Der dem zugrunde liegende griechische Begriff „Anamnesis“ bedeute kraftvolle Erinnerung. Dies sei nicht im Sinne eines nostalgischen Rückblicks zu verstehen. Dahinter stehe die Erkenntnis, dass die Toten weiter bei uns seien und in Christus geborgen sind. Er forderte die Gläubigen auf, im Gebet für die Toten einzutreten und sich mit ihnen zu verbinden. Dies könne auch eine „Kraftquelle für die Gegenwart“ darstellen.

Pfarreien pflegen Erinnungskultur

Die Toten würden uns in einem geistlichen Sinne sagen, dass wir solidarisch zusammen stehen sollen und dass wir Verantwortung füreinander hätten. Kardinal Marx betonte, dass er dankbar sei für die Tätigkeit in den Pfarreien, wo bereits viel Erinnerungskultur auf den Weg gebracht wurde. So seien in vielen Pfarreien bereits Gedenkgottesdienste gefeiert oder Gedenkbücher gestaltet worden. Marx bedauerte, dass in dieser Zeit der Corona-Pandemie die Toten „nicht so beerdigt werden können, wie wir es in Bayern gewohnt sind“.

In den Fürbitten standen nochmals alle Betroffenen der Corona-Pandemie im Zentrum, darunter die Hinterbliebenen, die Trauernden, die durch die Pandemie in Not Geratenen, die Einsamen und schließlich die Sterbenden und die Toten. Für alle wurde jeweils eine Kerze aus einer Flamme des Lichterkreuzes entzündet und aufgestellt.

„Bewahre uns Gott, behüte uns Gott, sei mit uns auf all unseren Wegen“ sang die Schola zum Schluss. „Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten“, heißt da eine Liedzeile. Das flackernde Kreuz auf den Altarstufen fest im Blick, blieben auch nach dem Gesang der Schola und dem Verhallen des letzten Orgeltons noch zahlreiche Gottesdienstbesucher auf ihren Plätzen sitzen.

Mitgefühl für die Opfer der Pandemie

„Es ist sehr schmerzhaft zu wissen, jemand lebt nicht mehr lange und man kann sich in dieser Situation nicht von ihm verabschieden. Der Gedanke daran wühlt mich sehr auf, denn das ist grausam. Das kann jeden treffen. Wäre es mir so gegangen. wäre ich in großer Trauer. Insofern fühle ich mit allen, denen es so gegangen ist“, so die 70-jährige Münchnerin Maria Maier im Anschluss an den Gottesdienst. Durch den Gottesdienst sei ihr nochmals bewusst geworden, wie viele trauernde Angehörige es jetzt gebe. „Corona gibt mir sehr zu denken, wie wir zusammenleben wollen“, so Maier.

Marx folgte mit der Feier des Gottesdienstes dem Aufruf dem Rat der Europäischen Bischofskonferenz, in der Fastenzeit in ganz Europa Gedenkgottesdienste zu feiern. Nachdem Albanien am 17. Februar 2021 damit begonnen hat, folgt Deutschland der Initiative an diesem Samstag. So standen an diesem 27. Februar 2021 in ganz Deutschland in den Kathedralen und Domkirchen Gottesdienste in diesem besonderen Gedenken. (Alexa Glawogger-Feucht)

Video

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

Das könnte Sie auch interessieren

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising
© Imago/photothek

Kardinal Marx erhält Bundesverdienstkreuz

Der Erzbischof von München und Freising wird mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern geehrt, wie das Bundespräsidialamt in Berlin mitteilte.

22.04.2021

Blick in die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin
© Gordon Welters/Pool/KNA

Deutschland hält inne für die Opfer der Pandemie

Die Pandemie ist längst noch nicht überstanden. Doch weil so viele davon betroffen sind - Zehntausende auch durch Trauer und Leid -, hatte der Bundespräsident ein staatliches Gedenken auf den Weg...

19.04.2021

Kardinal Reinhard Marx
© EOM

Kardinal Marx: Freier Sonntag ist starkes Zeichen

Die Christen seien Sonntagskinder, so Kardinal Reinhard Marx zum Jubiläum, das auf Kaiser Konstantin zurückgeht. Es gehe darum zu begreifen, "dass wir nicht nur Arbeit sind und Geldverdienen und...

03.03.2021

Ältere Menschen sitzen an einem Tisch
© Katarzyna Bialasiewicz Photographee.eu – stock.adobe.com

Mehr soziales Leben in Altenheimen ermöglichen

Nachdem viele Bewohner geimpft seien, erwarteten die Einrichtungen mit Recht Erleichterungen bei den Corona-Beschränkungen, so die Caritas. Wichtig sei auch ein dauerhaftes Impfangebot in den...

24.02.2021

Kardinal Reinhard Marx
© Kiderle

Kardinal Marx feiert Gottesdienst für Corona-Tote

Das Gedenken ist Teil einer europäischen Initiative, die vorsieht, an einem bestimmten Tag in der Fastenzeit Gottesdienste für die Toten der Pandemie zu feiern.

23.02.2021

Hiltrud Schönheit, Vorsitzende des Münchner Katholikenrats, trägt das neue Trauerbuch durch den Mittelgang in St. Michael nach vorne.
© Kiderle

Keiner soll vergessen sein

In Sankt Michael in der Münchner Innenstadt wird aktuell jeden Freitag an die Münchner Corona-Toten erinnert. Bei der ersten Auflage erlebten die Besucher ein schlichtes und dennoch eindrucksvolles...

01.02.2021

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren