Bischofssynode zum Thema Jugend Kardinal Marx sieht Versäumnisse bei Missbrauchsprävention

05.10.2018

Laut Kardinal Reinhard Marx sei die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit inzwischen ein sicherer Ort. Dies sei allerdings nur ein Aspekt. Weiterhin müssten gefährdende Strukturen analysiert werden.

Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx © Kiderle

Rom/Vatikanstadt – Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat erneut Versäumnisse der katholischen Kirche bei der Missbrauchsprävention eingeräumt. "Es ist viel passiert, aber offensichtlich nicht genug. Vor allen Dingen nicht mit Blick auf die systemischen Fragen", sagte Kardinal Reinhard Marx am Donnerstag in Rom.

Inzwischen sei die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit aber ein sicherer Ort, so der Münchner Erzbischof. Dies sei allerdings nur ein Aspekt. Es gehe weiterhin auch darum, gefährdende Strukturen zu analysieren, die die Bischöfe ebenso angehen müssten. Dieses Thema sei jedoch eine gesamtkirchliche Frage, sagte Marx bei einer Pressekonferenz zur katholischen Bischofssynode zum Thema Jugend.

Was ist eine Bischofssynode?

Die katholische Bischofssynode soll die Weltkirche repräsentieren und die Kollegialität von Papst und Bischöfen unterstreichen. Als ständige Einrichtung wurde sie 1965 von Papst Paul VI. (1963-1978) auf Anregung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) geschaffen. Sie hat keine Entscheidungsbefugnis, sondern nur beratende Funktion. Einberufen wird sie vom Papst. Dieser nimmt in der Regel auch persönlich an den Sitzungen teil. In den vergangenen Jahrzehnten gaben Bischofssynoden wichtige Impulse für die Weltkirche, etwa die Anregung zum Katechismus der Katholischen Kirche. Die Beratungsergebnisse einer Synode werden in aller Regel als Schlussdokument in Thesenform dem Papst vorgelegt. Sie bilden die Grundlage für sein sogenanntes Nachsynodales Apostolisches Schreiben, das er anschließend verfasst. Der Papst entscheidet, ob und in welcher Form dieses Schreiben veröffentlicht wird.

Die von den deutschen Bischöfen in Auftrag gegebene Untersuchung zu Missbrauchsfällen in der deutschen Kirche habe wichtige systemische Punkte aufgezeigt, so der Kardinal weiter. Zur Verhinderung von Machtmissbrauch seien "Teilung der Macht und Kontrolle der Macht" nötig. Sexualisierte Gewalt sei ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung der Synode, bestätigten auch andere deutsche Synodenteilnehmer wie Jugendbischof Stefan Oster oder der Vorsitzende des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ), Thomas Andonie.

Jugendliche haben kein Stimmrecht

Marx fuhr fort, es dürfe zwar nicht nur um diesen Gegenstand gehen. Die Jugendsynode könne jedoch nicht abgeschlossen werden, ohne das Thema Missbrauch zu besprechen. "Wie wir damit umgehen, ist auch ein entscheidender Punkt" für die Zukunft, so Marx. Der erste Tag mache ihn zuversichtlich, dass ein "realistischer und bekennender und auch ehrlicher Blick auf die Realität" und ein "Impuls in die Zukunft" möglich seien.

Neben Missbrauch und sexualisierter Gewalt sind bei der bis 28. Oktober tagenden Bischofsversammlung weitere wichtige Themen Migration, Rolle von Frauen in der Kirche, Lebensentscheidungen junger Menschen sowie Frömmigkeit und Familie. Die Synode, die am Mittwoch im Vatikan begonnen hat, steht unter dem Titel "Die Jugend, der Glaube und die Berufungsunterscheidung". Ausgewählte Jugendliche sind dort als Redner zugelassen, haben aber kein Stimmrecht. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Jugend-Synode Kirche und Missbrauch

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