Aufarbeitung Kardinal Marx stellt sich früherer Gemeinde von Missbrauchstäter

14.07.2021

Weltweit hat der Fall in Garching an der Alz für Aufsehen gesorgt. Dort wurde ein Priester mit dem Wissen eingesetzt, dass er bereits wegen Missbrauchs verurteilt worden ist. Weitere Taten waren die Folge. Nun soll die Aufarbeitung fortgesetzt werden.

Relief zeigt den Begriff "Missbrauch"
Die Missbrauchstaten des Priesters in Garching an der Alz haben weltweit für Aufsehen gesorgt. © Goss Vitalij - stock.adobe.com

München – Der Münchner Kardinal Reinhard Marx wird am Samstag mit Vertretern der Pfarrgemeinde in Garching an der Alz über die Aufarbeitung der Missbrauchstaten eines früheren Priesters reden. Dazu wird er sich im geschützten Rahmen mit Pfarrgemeinderäten und Mitgliedern der örtlichen Initiative "Sauerteig" treffen, wie das Erzbistum München und Freising am Mittwoch ankündigte. Anschließend ist am frühen Abend ein Pressestatement des Kardinals geplant. Bereits zuvor gab es bereits Gespräche von Marx mit Pfarrei-Vertretern.

Der Fall in Garching an der Alz hatte im Frühjahr 2010 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Der mutmaßliche Täter Peter H. wechselte 1980 vom Bistum Essen nach München. Damals war Joseph Ratzinger (später Papst Benedikt XVI.) Erzbischof von München und Freising. Auflage war damals, dass H. eine Therapie machen soll. Der Geistliche wurde jedoch weiter in mehreren Gemeinden eingesetzt. Dafür übernahm 2010 der ursprünglich dafür zuständige Generalvikar Gerhard Gruber die alleinige Verantwortung.

Schwerwiegende Fehler bei Einsatz von Priester

In Garching an der Alz war der Priester 20 Jahre lang. Zuvor war er 1986 wegen Missbrauchs vom Amtsgericht Ebersberg zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. In einer Erklärung am 23. März 2010 bat der frühere Münchner Erzbischof, Kardinal Friedrich Wetter, um Entschuldigung. Das Erzbistum erkläre am Mittwoch, dass der Einsatz dieses Priesters und die mangelnde Information der Gemeinde "angesichts von dessen Vergangenheit schwere Fehler" gewesen seien, für die sich die Erzdiözese bei den Betroffenen und allen Menschen in der Pfarrei entschuldige. "Die Erzdiözese bedauert zutiefst, dass Kinder so zu Betroffenen sexuellen Missbrauchs wurden."

Aufarbeitung soll fortgesetzt werden

In dem Ort selbst sind laut Erzbistum bisher drei Betroffene bekannt, die Taten sollen sich in den 1980er und 1990er Jahren ereignet haben. 2008 versetzte ihn der neu nach München gekommene Erzbischof Reinhard Marx in die Tourismusseelsorge nach Bad Tölz mit dem Verbot, Kontakt mit Kindern und Jugendlichen zu haben. Doch daran hielt er sich nicht. Peter H. ist seit 2010 suspendiert.

Das Erzbistum verwies in seiner Erklärung am Mittwoch darauf, dass mit dem Gespräch am Samstag die Aufarbeitung in der Pfarrei fortgesetzt werden solle. Bereit 2010 habe man einen Rechtsanwalt als unabhängigen Ombudsmann bestellt. Zudem sei ein Krisenteam mit sechs Mitgliedern als Ansprechpartner geschickt worden, dazu käme das Regionalteam der Seelsorgeregion Süd und zwei Mitarbeiter der Gemeindeberatung. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch

Das könnte Sie auch interessieren

Jesuitenpater Klaus Mertes
© Julia Steinbrecht/kna
© Julia Steinbrecht/kna

Jesuitenpater Mertes lobt Marx' Besuch in Garching

Nicht für taktisch sondern aufrichtig hält Jesuitenpater Klaus Mertes die Entschuldigung von Kardinal Reinhard Marx in der ehemaligen Gemeinde des Missbrauchstäters Priester Peter H. Für Kardinal...

09.08.2021

Der Sprecher des Kölner Betroffenenbeirats, Peter Bringmann-Henselder.
© kna

Kölner Betroffenenbeirat kritisiert Marx

Nach der Ankündigung für einen möglicherweise erneuten Amtsverzicht von Kardinal Reinhard Marx, hagelte es Kritik aus Köln. Ihm wird vorgeworfen, sich rechtzeitig absetzen zu wollen.

28.07.2021

© Kiderle

Missbrauch – Kardinal besucht Garching

Drei Fälle von Missbrauch wurden im Laufe der Jahre im Pfarrverband Garching-Engelsberg bekannt. Der beschuldigte Pfarrer wurde versetzt – wiederum in die Seelsorge.

19.07.2021

Kardinal Reinhard Marx
© Kiderle

Kardinal Marx entschuldigt sich für Umgang mit Missbrauchstäter

Kardinal Marx hat sich am Samstag in Garching mit Pfarreivertretern und der lokalen Initiative "Sauerteig" für Aufarbeitung und Prävention getroffen. Dabei ging es um Missbrauch durch einen Pfarrer,...

17.07.2021

Aktenschrank wird geöffnet
© stokkete - stock.adobe.com

Missbrauchsbeauftragte legen neuen Bericht vor

Laut dem Papier haben in diesen drei Jahren 15 Betroffene insgesamt 80.000 Euro in Anerkennung ihres erlittenen Leids erhalten. In allen Fällen sei der damals gültige Höchstbetrag von 5.000 Euro...

29.06.2021

Pater Hans Zollner
© privat

Präventionsexperte Zollner: Bild einer makellosen Kirche ist Irrlehre

Der Leiter des katholischen Kinderschutzzentrums CCP in Rom sieht im Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx und dessen Ablehnung durch den Papst ein Signal für ein sich änderndes Kirchenbild.

14.06.2021

Der rote Buchdeckel des Codex Iuris Canonici (CIC), "Codex des kanonischen Rechtes"
© KNA

Katholische Kirche reformiert ihr Strafrecht

Zwölf Jahre wurde im Vatikan an der Reform des kirchlichen Strafrechts gearbeitet. Das am Dienstag vorgestellte Resultat zeigt: Das Kirchenrecht wird schärfer und präziser - vor allem bei Missbrauch...

01.06.2021

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren