Kommunionempfang nicht-katholischer Ehepartner Kardinal Marx "überrascht" über Vatikan-Brief

05.06.2018

Der Vatikan hat die geplante Handreichung aus Deutschland zum Kommunionempfang nicht-katholischer Ehepartner kritisiert. Kardinal Reinhard Marx sieht Gesprächsbedarf innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz.

Kardinal Marx sieht Gesprächsbedarf innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz.
Kardinal Marx sieht Gesprächsbedarf innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz. © imago

Bonn – Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat "überrascht" auf die Kritik des Vatikan an der geplanten Handreichung zum Kommunionempfang nicht-katholischer Ehepartner reagiert. "Beim Gespräch am 3. Mai 2018 in Rom wurde den dort teilnehmenden Bischöfen gesagt, dass sie 'im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung' finden sollten. Der Vorsitzende ist deshalb überrascht, dass noch vor dem Finden einer solchen einmütigen Regelung jetzt dieses Schreiben aus Rom eingegangen ist", hieß es am Montagabend in einer Erklärung der Bischofskonferenz in Bonn.

Weiterhin Gesprächsbedarf

Danach sieht Marx auch nach dem Brief von Glaubenspräfekt Luis Ladaria weiteren Gesprächsbedarf innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz, "vor allem auch im Ständigen Rat und in der Herbst-Vollversammlung, aber auch mit den entsprechenden Römischen Dikasterien und dem Heiligen Vater selbst".

In dem am Montag bekanntgewordenen Brief von Erzbischof Ladaria an Marx heißt es zu der Handreichung, das Dokument werfe eine Reihe von ungelösten Problemen mit erheblicher Tragweite auf. Laut Ladaria ist Papst Franziskus zu dem Schluss gekommen, "dass das Dokument noch nicht zur Veröffentlichung reif ist". Die Frage, ob nicht-katholische Ehepartner die Kommunion empfangen könnten, betreffe die Kirche als Ganzes und habe Auswirkungen auf die ökumenischen Beziehungen zu anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften.

Bedeutung für die Universalkirche

Weiter verweist der Präfekt der Glaubenskongregation auf die entsprechenden Regelungen des Kirchenrechts. Die zuständigen Vatikanbehörden seien beauftragt, offene Fragen demnächst auf Ebene der katholischen Weltkirche zu klären. Das Thema berühre den Glauben der Kirche und habe Bedeutung für die Universalkirche. Zugleich setzt der Vatikan weiterhin auf den konstruktiven Dialog der deutschen Bischöfe untereinander.

Diese hatten sich im Februar mit Dreiviertel-Mehrheit auf die Handreichung geeinigt, wonach nicht-katholische Ehepartner im Einzelfall zur Kommunion zugelassen werden können. Sieben Bischöfe um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki baten daraufhin schriftlich den Vatikan um Klarstellung, ob eine solche Regelung überhaupt von einer einzelnen Bischofskonferenz beschlossen werden kann. Am 3. Mai reiste eine Bischofsdelegation mit Vertretern beider Richtungen zu einer Besprechung nach Rom. Der Vatikan verwies den Konflikt zunächst an die deutschen Bischöfe zurück. Marx äußerte sich zuletzt zuversichtlich, dass er und seine Amtsbrüder eine einvernehmlichen Lösung finden.

Nicht verunsichern lassen

Unterdessen warnte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) am Montag vor einer Verunsicherung. "Kaum ein Land hat so viele konfessionsverbindende Ehen wie Deutschland", erklärte Präsident Thomas Sternberg in Bonn. "Die Familien, denen der Glaube wichtig ist, haben Wege der Eucharistiegemeinschaft in ihren Gemeinden gefunden." Diese Familien, ihre Priester und Gemeinden sollten sich nicht verunsichern lassen. (kna)


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