Christmette im Münchner Liebfrauendom Kardinal Marx: Weihnachten ist Ja-Wort Gottes zum Leben aller Menschen

25.12.2018

Die Weihnachtsbotschaft bedeutet Licht und Aufklärung. Das betonte Kardinal Reinhard Marx in seiner Predigt am Heiligen Abend. Aus dieser Tatsache ergeben sich klare Handlungsaufträge.

Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx © Kiderle

München – Im Kind von Bethlehem manifestiert sich nach den Worten des Münchner Kardinals Reinhard Marx "das große Ja-Wort Gottes zu meinem Leben und zum Leben aller Menschen". Die Weihnachtsbotschaft bringe "Licht und Aufklärung", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz laut Manuskript in seiner Predigt in der Christmette am Heiligen Abend. Mit Blick auf diese Botschaft könne man keine fundamentalistische Religion aufbauen. Auch könne der Glaube nicht reduziert werden auf ein Traditionschristentum oder zur Dekoration werden für eine verloren geglaubte Identität.

In der gegenwärtigen Zeit, da die Unsicherheiten und Sorgen weltweit stiegen, würden auch Diskussionen härter geführt, erklärte der Kardinal. Ein Denken in den Kategorien "Freund" und "Feind", "Gewinner" und "Verlierer", "Sieger" und "Besiegte" setze sich stärker durch. Selbst in "unserem geordneten und doch überwiegend friedlichen und wohlhabenden Land" sei dies zu spüren. Herrschte etwa beim Weltgebetstreffen 1986, zu dem Papst Johannes Paul II. die Weltreligionen einlud, noch der Optimismus, dass der Glaube an Gott Menschen friedlich zusammenführen könne, sähen heute manche Religion eher als Teil denn als Lösung des Problems, sagte Marx.

Christentum muss sich Selbstkritik stellen

Der Kardinal räumte ein, dass Religion auch missbraucht werden könne als "Schwungrad für Fundamentalismus und für ein 'Freund-Feind-Denken', ja für Hass und Gewalt". Deshalb müsse sich auch das Christentum immer wieder der Selbstkritik stellen. Die Realität der Kirche brauche immer "neue Aufklärung im Licht der Botschaft von Weihnachten". Die Begegnung mit Jesus von Nazareth helfe bei der "Unterscheidung der Geister", so Marx. Sie werde zu einer Quelle des Mutes und der Kraft, gegen jeden Missbrauch der Religion aufzustehen. Damit könne der Glauben "ein Teil der Lösung der großen Herausforderungen" sein, vor denen Menschen stehen.

Licht und Aufklärung empfangen

Mit Blick auf die Weihnachtsbotschaft könne die Kirche glaubwürdig Brücken bauen und zeigen, dass in diesem Kind von Bethlehem Gott der Bruder aller Menschen geworden sei, sagte der Kardinal. Den Mut, dies zu leben und zu bezeugen, "können wir wiedergewinnen, wenn wir zunächst in Demut selbstkritisch zur Krippe Jesu kommen, uns hinknien und von diesem Kind Licht und Aufklärung empfangen". Danach gelte es aufzustehen, zu reden, zu handeln, zu ermutigen, Hoffnung zu machen und zu trösten, um auf diese Weise den Glauben an den Mensch gewordenen Gott in die Welt zu tragen. (kna)

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