Kirche und Missbrauch Kardinal Marx: Werde bei Münchner Gutachten nicht eingreifen

08.02.2021

Das Missbrauchsgutachten für das Erzbistum München und Freising wird dieses Jahr veröffentlicht. Kardinal Reinhard Marx will damit anders umgehen als der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.

Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx erhofft sich Klarheit vom Missbrauchsgutachten für das Erzbistum München und Freising. © Imago-Jürgen Heinrich

Augsburg/München – Die Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) wird noch in diesem Jahr ein Missbrauchsgutachten für das Erzbistum München und Freising veröffentlichen. "Ich wünsche mir sehr, dass das Gutachten Klarheit schafft bei Verantwortlichkeiten", sagte der Münchner Kardinal Reinhard Marx der "Augsburger Allgemeinen" (Montag). "Das gilt selbstverständlich auch für meine Person und meine Verantwortungsbereiche." Marx fügte hinzu, er werde "nicht eingreifen und das Gutachten beeinflussen".

Fehler eingeräumt

Damit setzte sich der Münchner Erzbischof vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ab, der derzeit unter massiver Kritik steht, weil er ein solches bei derselben Kanzlei in Auftrag gegebenes Gutachten für sein Erzbistum unter Verschluss hält. Marx bezeichnete den dadurch für die katholische Kirche entstandenen Schaden als groß. "Die Wirkung dessen, was da passiert, ist für uns alle außerordentlich negativ." Mit Blick auf jüngste Aussagen Woelkis äußerte er zugleich seine Hoffnung, "dass sich Perspektiven zeigen, um aus dieser Situation herauszukommen".

Woelki hatte bei einer Online-Diskussion im Rahmen des Reformvorhabens Synodaler Weg am Freitag erstmals eigene Fehler im Umgang mit dem Gutachten eingeräumt. Im Anschluss gab er mehreren Medien Interviews, in denen er persönliche Konsequenzen nicht ausschloss. Zugleich warb er um Verständnis für seine Haltung. Nach wie vor vertraue er dem Urteil anderer Juristen, die das WSW-Gutachten für methodisch mangelhaft hielten. Daher hatte Woelki eine zweite Untersuchung beim Kölner Strafrechtler Björn Gercke in Auftrag gegeben. Dieses soll am 18. März veröffentlicht werden. Dann sollen alle Interessierten auch Einblick in das WSW-Gutachten erhalten. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch

Das könnte Sie auch interessieren

Kardinal Reinhard Marx
© IMAGO / Jens Schicke

Kardinal Marx bietet Papst Franziskus Amtsverzicht an

In einem Brief vom 21. Mai an den Heiligen Vater legte der Münchner Kardinal Reinhard Marx seine Gründe für diesen Schritt dar. Bis zu einer Entscheidung wird er sein Amt weiter ausüben.

04.06.2021

Vollständig, geordnet, manipulationssicher: Kirchliche Akten wurden nicht immer so geführt.
© IMAGO/allOver-MEV

Neue Podcast-Folge von Würde.Leben Gute Verwaltung unterstützt Missbrauchs-Prävention

Die Manipulation oder Unvollständigkeit von kirchlichen Personalakten erschwert die Aufarbeitung sexuellen Misbrauchs. Reformen sind im Gange. "Wir müssten aber schon weiter sein", so der ehemalige...

26.04.2021

Beispielfoto von der Regionenkonferenz des Synodalen Weges in Frankfurt am Main 2020.
© Synodaler Weg/Jochen Reichwein

Synodale Prozesse schon in mehreren Ländern in Gang

«Nationales Plenarkonzil», «Synodaler Weg», «Diözesansynode»: Viele Namen hat, was in diversen Ländern und unter Geburtswehen in der Kirche geschieht. Das Ziel scheint dasselbe: Vertrauen und Hoffnung...

15.03.2021

Kardinal Reinhard Marx gestikuliert vor einem Mikrofon
© Harald Oppitz/kna

Bayerns Bischöfe: Abschiebungen stoppen, Ostern feiern

Die bayerischen Bischöfe halten eine befristete Aussetzung von Abschiebungen aus Deutschland für geboten. Zum zweiten Osterfest während der Pandemie wollen sie in den ersten Apriltagen zudem ein...

11.03.2021

Bischof Georg Bätzing bei der Abschluss-Pressekonferenz zur erstmals als Online-Konferenz abgehaltenen Frühjahresvollversammlung der katholischen Bischöfe
© Sascha Steinbach/epa pool

"Im Schatten von Köln liegen erfolgreiche Aufklärungsvorgänge"

Nach "intensiven Gesprächen", so Bischof Bätzing, ist die erstmals als Online-Konferenz abgehaltene Frühjahresvollversammlung der katholischen Bischöfe zu Ende gegangen. Im Mittelpunkt stand erneut...

25.02.2021

Porträt Beate Gilles
© SASCHA STEINBACH/epa pool

Erstmals Generalsekretärin für Bischofskonferenz

Zum ersten Mal übernimmt eine Frau die Leitung des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz. Dies sei ein "sehr bewegender Moment", sagte die gewählte Generalsekretärin Beate Gilles zum Auftakt...

23.02.2021

Hand mit Aufschrift Stop streckt sich dem Betrachter entgegen.
© Irina - stock.adobe.com

Opfer von geistlichem Missbrauch dringen auf Aufarbeitung

In einem Offenen Brief wird den Bischöfen vorgehalten, bisher zu wenig gegen geistlichen Missbrauch unternommen zu haben. Entsprechende Leistungen müssten jenen Betroffenen zugute kommen, die...

23.02.2021

Kardinal Reinhard Marx
© Kiderle

Kardinal Marx feiert Gottesdienst für Corona-Tote

Das Gedenken ist Teil einer europäischen Initiative, die vorsieht, an einem bestimmten Tag in der Fastenzeit Gottesdienste für die Toten der Pandemie zu feiern.

23.02.2021

Kardinal Marx steht im Messgewand am Altar und breitet die Arme aus.
© Kiderle

Kardinal Marx ruft zum Nachdenken über "Nach-Corona-Zeit" auf

Zum Auftakt der Fastenzeit hat der Münchner Kardinal Reinhard Marx dazu aufgerufen, sich Gedanken darüber zu machen, was sich durch die Zeit der Pandemie verändert hat.

19.02.2021

Unterlagen vom Synodalen Weg
© Synodaler Weg/Malzkorn

Die Wurzel des Synodalen Weges ist der Missbrauch

Zwei Tage hat sich die Synodalversammlung digital getroffen. Neben dem Vorstellen und dem Austausch über die Arbeitspapiere wurde der Ursprungsgedanke des Reformdialogs in den Blick genommen.

05.02.2021

Hände suchen in offenem Aktenschrank
© stokkete - stock.adobe.com

Synodaler Weg fordert Transparenz im Erzbistum Köln

Die Erklärung mit dem Titel "Transparenz und Verantwortung" klagt den Umgang mit der Aufarbeitung früherer Missbrauchsfälle an.

04.02.2021

Kardinal Reinhard Marx
© Harald Oppitz/kna

Kardinal Marx gründet Stiftung für Missbrauchsopfer

Dafür stellt er fast eine halbe Million Euro seines Privatvermögens zur Verfügung.

04.12.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren