Nationalismus und Ungerechtigkeit Kardinal Marx: "Wir müssen wachsam bleiben"

27.08.2018

Kardinal Reinhard Marx hat bei einem Gottesdienst zu Wachsamkeit und politischem Handeln gegenüber Nationalismus, Ungerechtigkeit und der Einschränkung von Freiheit aufgerufen. Orientierung könne dabei die katholische Soziallehre geben.

Archivbild: Kardinal Reinhard Marx
Archivbild: Kardinal Reinhard Marx © Kiderle

München – "Wachsam müssen wir bleiben, aufmerksam müssen wir sein!", sagte Kardinal Reinhard Marx am Sonntagabend bei einem Gottesdienst in der Münchner Theatinerkirche. Der Münchner Erzbischof bezog sich dabei auf Wachsamkeit und politisches Handeln gegenüber Nationalismus, Ungerechtigkeit und der Einschränkung von Freiheit. Es gehe darum hinzuschauen, "auf die Art und Weise, wie geredet wird, wie manche Nationen wieder zurückfallen in Nationalismus, wie wieder kriegerisch aufgetrumpft wird, wie die Freiheit des Einzelnen bedroht wird".

Christliche Grundprinzipien

All dies sind nach den Worten des Kardinals wiederkehrende Gefahren. Wörtlich fügte er hinzu: "Als Christen wissen wir, wo wir stehen müssen." Orientierung könne dabei die katholische Soziallehre geben, "ein auf die konkrete geschichtliche Stunde angewandtes Evangelium". Darin gebe es Grundprinzipien, die unabhängig von der politischen Ausrichtung für alle gelten müssten, die sich als christlich bezeichneten. Als Grundprinzipien nannte Marx die Würde des Menschen, die Freiheit, die Gerechtigkeit gegen jedermann, das Engagement für den Frieden und die Versöhnung der Völker, die Beteiligung aller an der Gesellschaft.

"Hier gehe ich nicht weiter"

Daraus könnten zwar unterschiedliche Ideen folgen, über die man sich in der politischen Diskussion austauschen müsse, räumte der Erzbischof von München und Freising ein. "Aber im Kern ist für einen Christen klar, wo die Grenze ist, wo er aufstehen muss, wo er sagen muss, nein, hier gehe ich nicht weiter."

Der Gottesdienst fand auf Initiative des bayerischen Innenministeriums im Gedenken an Franz Xaver Schweyer, Innenminister von 1921 bis 1924, und Karl Stützel, Innenminister von 1924 bis 1933, statt. Beide hatten sich gegen den aufkommenden Nationalsozialismus gewandt. Ihr Handeln sei beispielhaft gewesen, sagte Marx. Sie hätten genau gewusst, wo die Grenze sei. (kna)


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