Diakonenweihe im Liebfrauendom Kardinal Reinhard Marx bekräftigt das Festhalten am Zölibat

08.06.2019

Kardinal Marx hat die Bedeutung und den Wert der Ehelosigkeit als Lebensform der Priester hervorgehoben. Sie werde „auch in Zukunft eine kostbare Gabe für die Kirche“ sein.

Kardinal Marx bekräftigt in seiner Predigt die Bedeutung des Zölibats.
Kardinal Marx bekräftigt in seiner Predigt die Bedeutung des Zölibats. © Kiderle

Münche – Kardinal Reinhard Marx hat das Festhalten der katholischen Kirche am Zölibat bekräftigt und die Bedeutung und den Wert der Ehelosigkeit als Lebensform der Priester hervorgehoben. Die Ehelosigkeit werde „auch in Zukunft eine kostbare Gabe für die Kirche“ sein, erklärte der Erzbischof von München und Freising, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, am Samstag, 8. Juni, im Münchner Liebfrauendom. Weil die Ehelosigkeit „die Lebensform Jesu ist, wird sie nicht verschwinden“ und weiterhin „ein wichtiges Zeugnis in der Kirche“ sein, sagte Marx in seiner Predigt beim Festgottesdienst zur Weihe von zwei Priesteramtskandidaten zu Diakonen.

Mit der Entscheidung zur Ehelosigkeit erklärten Priester ihre Bereitschaft, allen Menschen zu dienen, sagte der Kardinal. „Der ehelose Mensch“, so Marx, „möchte das Begehren in ihm zur Ruhe bringen und deutlich machen, dass er in Beziehung zu allen Menschen schenken will, geben will“. Die Ehelosigkeit sei eine Herausforderung, die jeden Tag geübt werden müsse. Sie könne nur „als Lebensform Jesu sichtbar“ sein, wenn sie zu Beziehungsfähigkeit, zu Begegnung und Gemeinschaft führe. Deshalb müsse immer wieder eine „Kultur dieser Lebensform“ gepflegt werden. Wer sich auf sie einlasse und dabei auf Christus vertraue, für den werde sie „nicht zu einer Last, sondern zu einer Möglichkeit“.

Was ist das Zölibat?

"Zölibat" bezeichnet die aus religiösen Gründen gewählte Ehelosigkeit. Der aus dem Lateinischen stammende Begriff umschreibt die Verpflichtung der katholischen Priester und Ordensleute zur Ehelosigkeit und einem Leben in Keuschheit. Begründet wird der Zölibat mit dem Hinweis darauf, dass sich ein geweihter Geistlicher radikal dem Dienst an Gott und den Menschen verpflichtet. Daneben gibt es praktische Begründungen. Aus der Bibel lässt sich der Zölibat nicht direkt ableiten, auch wenn an mehreren Stellen des Neuen Testaments das ehelose Leben in der Nachfolge Christi angesprochen wird. Im Matthäus-Evangelium spricht Jesus davon, es gebe Menschen, die sich "um des Himmelreiches willen" der Ehe enthielten. (kna)

Um ihre Hingabe an Gott zu zeigen, legen sich die Kandidaten mit ihrem ganzen Körper auf den Boden.
Um ihre Hingabe an Gott zu zeigen, legen sich die Kandidaten mit ihrem ganzen Körper auf den Boden. © Kiderle

Zeichen für die Freiheit

Marx betonte, die Entscheidung der Weihekandidaten für den Weg zum Priesteramt sei ein Zeichen für die Freiheit, die Gott den Menschen gegeben habe. Nur weil die Menschen frei seien, seien sie „Bilder Gottes“. „Der Mensch, der sich ständig alle Türen offen hält, der sich nie entscheidet“, bleibe „unvollkommen“, lebe ein „Leben unter Vorbehalt“. Nur wer sich in Freiheit binde, werde ein erfülltes Leben finden.

Der Erzbischof rief die Weihekandidaten dazu auf, ihre persönlichen Begabungen und Fähigkeiten für ihren Dienst einzusetzen. „Die Kirche ist nicht für sich selber da“, so der Kardinal, „sondern für die Menschen“. Beim Dienst in der Nachfolge Jesu müsse sich der Blick auf alle Menschen richten, unabhängig von deren Nationalität oder Religion, und besonders auf die Armen und Schwachen. Dieser Blickwinkel sei entscheidend, „sonst kreisen wir um uns selber“.

Was heißt Diakon/Diakonat?

Das Diakonen-Amt ist eines der ältesten der Kirche und steht zunächst für soziale Verantwortung. Der Begriff Diakon leitet sich vom griechischen Wort "diakonos" ab und bedeutet Diener oder Helfer. In der römischen Kirche der ersten Jahrhunderte wirkten Diakone in der Armen- und Krankenpflege oder als Gehilfen des Bischofs in der Gemeindeverwaltung und beim Gottesdienst. Seit dem fünften Jahrhundert verlor das Diakonat als eigenständiges Amt an Bedeutung. Im Gegensatz zur orthodoxen Kirche wurde die Diakonenweihe in der katholischen Kirche zu einer ersten Durchgangsstufe auf dem Weg zur Priesterweihe. Die dritte Stufe ist die Bischofsweihe. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) belebte das Diakonat neu. Seit 1968 können auch verheiratete Männer zu sogenannten Ständigen Diakonen geweiht werden; sie streben also kein Priesteramt an. Auch Frauen waren in der frühen Kirche als Diakoninnen in speziellen Diensten der Gemeinde tätig, etwa in der Glaubensunterweisung, der Armenfürsorge und der Arbeit mit Frauen. In den vergangenen Jahren nahmen Rufe nach einer Weihe von Diakoninnen zu. Eine von Papst Franziskus eingesetzte Kommission zu dem Thema soll die Rolle von Diakoninnen in der frühen Kirche untersuchen. (kna)

Zu Diakonen wurden geweiht: Jasper Gülden (28) aus der Pfarrei St. Ludwig in München, der derzeit im Rahmen seines Pastoralkurses im Pfarrverband Röhrmoos-Hebertshausen (Landkreis Dachau) eingesetzt ist, und Andreas Kolb (26) aus der Pfarrei St. Nikolaus in Mühldorf am Inn, der in seinem Pastoralkurs im Pfarrverband Obing (Landkreis Traunstein) tätig ist. Die Weihekandidaten haben Theologie studiert und bereiten sich derzeit im Rahmen des zweijährigen Pastoralkurses in der praktischen Ausbildung in einem Pfarrverband auf ihre Arbeit als Priester vor. (pm)


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