Besuch aus dem Vatikan Kardinalstaatssekretär mahnt Kirche in Deutschland zur Einheit

30.06.2021

Zur Feier von 100 Jahren diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und dem Heiligen Stuhl ist hoher Besuch in Berlin. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin kam mit einer eindringlichen Botschaft an die Spree.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin ist auf Besuch in Berlin. © Gordon Welters/KNA

Berlin – Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat die katholische Kirche in Deutschland zur Einheit aufgerufen. "Vor allen Visionen und einzelnen Bedürfnissen muss die Gemeinschaft den Vorrang haben", sagte der "zweite Mann" im Vatikan nach Papst Franziskus am Dienstagabend am zweiten Tag seines Berlin-Besuchs vor deutschen Bischöfen.

In einem Gottesdienst in der Sankt-Johannes-Basilika berief Parolin sich auf das vor zwei Jahren veröffentlichte Schreiben von Papst Franziskus zum "Synodalen Weg" der katholischen Kirche in Deutschland. Bei dem Reformdialog geht es um umstrittene Themen die katholische Sexualmoral, die priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen in der Kirche.

Von Unterschieden zur Einheit

Parolin mahnte, "sich wieder auf eine Einheit zu besinnen, die nicht von der Zustimmung zu gemeinsamen Visionen und Orientierungen abhängt, wie in der Politik üblich, sondern von der theologisch-spirituellen Verwurzelung in Gott". Er wandte sich dagegen, "dass sich das Miteinander auf nur einen bestimmten Teil reduziert, so relevant und bedeutsam er auch sei".

In der Messfeier zum Hochfest Peter und Paul verwies der Kardinalstaatssekretär auf das Beispiel der beiden Apostel. Bei ihnen zeige sich "ein tiefgreifender Unterschied im Charakter, der auch zu angeregten Auseinandersetzungen führte". Gerade die "markanten Unterschiede" hätten jedoch eine noch tiefere Einheit zum Vorschein gebracht.

Unter den Teilnehmern des Gottesdienstes waren der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, die Kardinäle Reinhard Marx und Rainer Maria Woelki, der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, der Berliner Erzbischof Heiner Koch sowie die Bischöfe Wolfgang Ipolt, Bertram Meier und Franz-Josef Overbeck.

Sorge um Vertrauensverlust

Parolin hält sich noch bis diesen Mittwoch zur Feier des hundertjährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Deutschland in Berlin auf. Am Dienstag traf er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Gesprächen zusammen.

Eine Sprecherin des Bundespräsidenten erklärte, Steinmeier habe mit Parolin über aktuelle politische Entwicklungen geredet. Mit Blick auf Deutschland und die aktuelle Debatte zum Umgang mit Missbrauchsfällen habe er seine Sorge um den wachsenden Vertrauensverlust in die katholische Kirche zum Ausdruck gebracht und die Bedeutung der Religionsgemeinschaften für den gesellschaftlichen Zusammenhalt betont.

Am Mittwoch ist ein Gespräch Parolins mit Bätzing geplant. Bei einer Tagung in der Apostolischen Nuntiatur soll eine geschichtliche und theologische Einordnung der diplomatischen Beziehungen erfolgen. Überdies besucht der Kardinal sozial-caritative Einrichtungen.

Ursprünglich war die Visite 2020 geplant, entfiel aber wegen der Corona-Pandemie. Der Kardinalstaatssekretär ist im Namen des Papstes für die politischen und diplomatischen Aktivitäten des Heiligen Stuhls hauptverantwortlich. (kna)


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