1200. Todestag Karl der Große: Schutzherr der Kirche

28.01.2014

Am Dienstag vor 1200 Jahren ist Karl der Große in Aachen gestorben. Für die Bayern ist Karl ein "tragischer Glücksfall". Einerseits nahm er ihnen die Unabhängigkeit, andererseits verhalf er der Kirche in Altbayern zu einer Stabilität, die bis zum heutigen Tage anhält.

Friedrich Kaulbach malte 1861 die Kaiserkrönung Karls des Großen (Bild: imago/ddp)

München - Mit beiden Händen streckt Papst Leo III. die Kaiserkrone vor dem Hochaltar der Peterskirche in die Höhe, um sie kurz darauf dem knienden Frankenkönig Karl auf das Haupt zu setzen. Das dicht gedrängte Volk begrüßt diese Krönung nach der Weihnachtsmesse im Jahre 800, doch mehrere Bischöfe und Äbte beäugen das Geschehen misstrauisch aus dem Hintergrund. Möglicherweise befinden sich auch enge Vertraute Karls, wie der Erzbischof von Köln und der einflussreichste Berater in Staats- und Kirchenfragen an Karls Hof, Alkuin, Abt von Saint-Martin in Tours, unter ihnen.

So stellte sich jedenfalls der Maler Friedrich Kaulbach die Kaiserkrönung 1861 vor. Auch 1.200 Jahre nach Karls Tod, am 28. Januar 814, sind oft nur Annäherungen an das Geschehen um den verklärten Idealherrscher möglich. Gesicherte Quellen, ja selbst das Geburtsdatum und der Geburtsort sind unbekannt. In einer Legende wurde die Geburt einer der bedeutendsten Gestalten des Mittelaltersauch in die Gautinger Reismühle bei München verlegt, wie Studienleiter Stephan Höpfinger von der Katholischen Akademie erklärt.

Fortschritt durch Karl

Karls Herrschaftsgebiet reichte von der Elbe bis zu den Pyrenäen, von der Nordseeküste bis nach Mittelitalien. Immer wieder ging Karl der Große bei seinen Feldzügen gegen die Sachsen und deren Anführer Widukind vor. Der Verzicht, die Sachsen vor der Taufe im Geiste Christi zu unterweisen, stieß bereits zu Karls Lebzeiten auf Kritik, betont Professor Wilfried Hartmann aus Tübingen. Allein Überzeugungskraft und Predigt sollten die Heiden bekehren. Doch viele Errungenschaften des Kriegsherrn, die heute noch brutal anmuten, waren damals bereits ein Fortschritt. „Nebenbuhler wurden nicht mehr ermordet, sondern ins Kloster eingewiesen. Schlimmstenfalls geblendet“, so Hartmann. Auch Karls Vetter Tassilo III. wurde verbannt, der Selbstständigkeit Bayerns damit ein jähes Ende gesetzt.

Als Beschützer des Abendlandes und die treibende Kraft der inneren Missionierung und Christianisierung im Frankenreich, beanspruchte Karl, auch bei kirchlichen und dogmatischen Streitfragen gehört zu werden. Dem Papst blieb nur „wie Moses mit zu Gott erhobenen Händen unser Waffenwerk zu unterstützen“, wie Karl (Exodus 17,11) zitierend an Leo III. anlässlich dessen Ernennung zum Papst 796 schreiben lässt. Die Kirche schloss schließlich auch die Herrschaftssphäre des Königs mit ein – eine differenzierte Trennung von Staat und Kirche gab es nicht.

Kirche wichtiger Pfeiler

So verwundert es kaum, dass Karl eine ganze Reihe von zentralen kirchlichen Reformen in die Wege geleitet hat, um sein Reich im Inneren zu festigen. Die Bekräftigung des Zehntgebots, die Einführung der Metropolitanverfassung und die regelmäßige Abhaltung von Synoden machten die Kirche mit 180 Diözesen und 700 Abteien zu einem äußerst wichtigen Pfeiler der Einheit des Frankenreiches. Das hinderte Karl selbstverständlich, so Hartmann, nicht daran, sein persönliches „Ehe und Geschlechtsleben nicht christlich, sondern wie ein französischer Staatspräsident“ zu leben. (acs)

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