Bundestagswahl Katholik Martin Schulz geht ins Kanzlerrennen

25.01.2017

Kaum hat der impulsive Rheinländer Martin Schulz das EU-Parlament verlassen, gibt es auch schon ein neues Projekt. Der Katholik wird Kanzleramtskandidat der SPD.

Martin Schulz ist Kanzlerkandidat der SPD.
Martin Schulz ist Kanzlerkandidat der SPD. © imago

Berlin/Brüssel – Auch wenn Martin Schulz sich selbst als keinen "sehr gläubigen Menschen" beschreibt, so spielen die christlichen Werte für ihn eine zentrale Rolle - bei seiner Arbeit und in seinem Privatleben. Der Aachener, der nun seine Kanzlerkandidatur für die SPD bestätigte, ist Profipolitiker und Jesuitenschüler. "Die Kirche hat in meinem Leben eine große Rolle gespielt und spielt sie noch heute, ebenso für unsere Gesellschaft als Ganzes, gerade auch was den sozialen Zusammenhalt betrifft", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) im Mai 2016. Während seiner Zeit als EU-Parlamentspräsident von 2012 bis 2017 setzte Schulz sich stets für Menschenrechte, Migration und soziale Gerechtigkeit ein. Tief bewegt zeigte er sich, als er im Dezember den Sacharow-Preis für Menschenrechte an zwei Jesidinnen aus dem Irak übergab. "Ich will nicht verhehlen, dass ich sehr aufgewühlt bin", sagte er bei der anschließenden Pressekonferenz.

Schulz ist von Papst Franziskus beeindruckt

Eines der größten Ereignisse während seiner Präsidentschaft im EU-Parlament war der Besuch von Papst Franziskus im November 2014. Schulz wirkte glücklich während der Rede des Pontifex. Es sei eine "historische" Rede gewesen, sagte er später: "Ich bin schon sehr lange Abgeordneter hier, und ich habe noch nie einen Mann gesehen, der so viel Beifall für seine Rede von allen unterschiedlichen politischen Gruppierungen bekommen hat". Der Papst sei eine "beeindruckende" Persönlichkeit mit einer "enormen" Ausstrahlung. Zur Verabschiedung habe er zu Franziskus gesagt: "Sie sind ein Mann, der Orientierung gibt in Zeiten der Orientierungslosigkeit." Anderthalb Jahre später sahen Schulz und Franziskus sich wieder, diesmal im Sala Regia im Vatikan. Schulz hielt vor der Verleihung des Karlspreises an den Papst eine Rede. Das Oberhaupt der katholischen Kirche mache Hoffnung und habe gezeigt, was gelebte Solidarität und Menschlichkeit heiße, so der Politiker: etwa, als der Papst bei seinem Besuch auf Lesbos drei syrischen Familien Schutz im Vatikan gewährte.

Martin Schulz und Papst Franziskus trafen sich 2014 im Europaparlament.
Martin Schulz und Papst Franziskus trafen sich 2014 im Europaparlament. © imago

Mit Herz: Interreligiöser Dialog

Der Ex-Parlamentspräsident hat auch sonst enge Verbindungen zur Kirche. Zum 80. Geburtstag von Kardinal Karl Lehmann war er einer der Festredner. Und auch von anderen Religionsgemeinschaften und Organisationen wird er geschätzt. Erst im Januar ehrte ihn der Europäische Rat für Toleranz und Versöhnung (ECTR) für sein Engagement gegen Hass und Nationalismus. Politischer Mut und moralische Führung seien lebenswichtig in diesen Zeiten, sagte der Präsident des ECTR und des Europäischen Jüdischen Kongresses (EJC), Moshe Kantor. Schulz habe während seiner politischen Karriere einen "kompromisslosen Standpunkt gegen Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und politischen Extremismus in Europa" eingenommen. Der interreligiöse Dialog lag Schulz im Präsidentenamt immer am Herzen. Trotz vieler Termine kam er oft persönlich vorbei, um seine Gedanken mit jüdischen, muslimischen und christlichen Vertretern zu teilen. Gelegentlich gab es von kirchlicher Seite auch Kritik am SPD-Mann. Zum Beispiel im Januar 2016, als der polnische Bischof Wieslaw Mering ihn in einem Brief scharf anging. "Sie haben eine Gelegenheit verpasst, still zu sein", schrieb er. Zuvor hatte Schulz den Kurs der damals neu gewählten Regierung der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) kritisiert.

Fünf Sprachen und diplomatisches Geschick

Ins EU-Parlament wurde Schulz 1994 gewählt - hier kennt der Rheinländer alle Korridore, jedes Geräusch und viele Gesichter. Auch in stressigen Zeiten bemühte er sich um ein Lächeln, Freundlichkeit und Zeit - ob für die Facebook-Fans des Parlaments, seine Angestellten oder für Journalisten. Das Zwischenmenschliche ist dem Vater zweier erwachsener Kinder wichtig. Schulz verließ die Schule ohne Abitur - heute spricht er Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Niederländisch. Diese Kompetenzen könnten dem SPD-Politiker als Kanzlerkandidat zugute kommen. Dasselbe gilt für sein diplomatisches Geschick - trotz gelegentlichen Polterns. Das habe er übrigens gemeinsam mit Karl dem Großen, sagte der Karlspreisträger von 2015. Eine zweite Gemeinsamkeit: die Heimat in der Region Aachen. (KNA-Franziska Broich)


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