Organspende Katholikenkomitee gegen Widerspruchslösung

18.09.2018

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken spricht sich gegen den Vorschlag des Bundesgesundheitsministers aus, dass jeder Bürger ein potenzieller Organspender sein soll.

Sternberg: Ziel die Organspendebereitschaft zu erhöhen ist ehrenwert und unstrittig.
Sternberg: Ziel die Organspendebereitschaft zu erhöhen ist ehrenwert und unstrittig. © sablinstanislav - stock.adobe.com

Bamberg – Gegen eine stärkere rechtliche Verpflichtung der Bürger zur Organspende wendet sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Die unter anderem von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geforderte Widerspruchslösung sei "nur schwer mit unseren Vorstellungen von der Würde der Person zu vereinbaren", erklärte ZdK-Präsident Thomas Sternberg am Freitag in Bamberg.

Das Ziel, die Organspendebereitschaft und so auch die Zahl der tatsächlichen Organspenden zu erhöhen, sei ehrenwert und unstrittig, fügte Sternberg hinzu. "Es kann aber nach meiner Überzeugung keine moralische oder rechtliche Pflicht zur Organspende geben. Ebenso wenig gibt es einen Rechtsanspruch auf Erhalt eines fremden Organs." Eine Organentnahme ohne vorherige ausdrückliche Zustimmung des Betroffenen oder seiner Angehörigen sei ein nicht zu rechtfertigender Eingriff, der letzten Endes auf eine Verzweckung und Verfügbarmachung des menschlichen Körpers hinauslaufe.

Entwurf für Organspendegesetz liegt vor

Spahn hatte sich ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für die sogenannte Widerspruchslösung stark gemacht. Danach ist jeder Bürger grundsätzlich ein potenzieller Organspender, außer, er und seine Angehörigen haben ausdrücklich widersprochen. Derzeit ist in Deutschland eine Organspende nur möglich, wenn der Spender zu Lebzeiten oder seine Angehörigen ausdrücklich zugestimmt haben.

ZdK-Präsident Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Thomas Sternberg © ZdK

Sternberg begrüßte zugleich den bereits vorliegenden Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums für ein Organspendegesetz. "Es ist der richtige Weg, die strukturellen und finanziellen Voraussetzungen in den Krankenhäusern zu verbessern, damit mehr Organspenden und -transplantationen möglich werden."

Zuvor hatte sich auch der Berliner katholische Erzbischof Heiner Koch gegen eine Widerspruchslösung bei der Organspende ausgesprochen. "Wer kein Organspender sein will, braucht niemandem darüber Rechenschaft abzulegen", erklärte er in einem Beitrag für die "B.Z." Der Erzbischof schlägt vor, dass jeder Erwachsene bei der Ausstellung eines Ausweispapiers mit der Frage konfrontiert werden solle, ob er Organe spenden würde. (kna)


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