Laien nur als Berater Katholikenkomitee kritisiert Vatikan-Papier zu Gemeindereformen

22.07.2020

Schiefes Ideal, vorbei an der Realität - Reichlich Kritik richtet Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, an das Schreiben und verteidigt den Synodalen Weg.

Thomas Sternberg
Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, kritisiert die Inhalte des Vatikan-Papiers.

Osnabrück – Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat das neue Vatikan-Papier zu Gemeindereformen scharf kritisiert. "Die Instruktion verfehlt die Realität der katholischen Kirche in Deutschland", sagte er am Dienstag den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse in Osnabrück. "Sie zeichnet etwas als Ideal, was biblisch und historisch, theologisch und praktisch weder wünschenswert noch real ist", so der Vertreter des höchsten repräsentativen Laien-Gremiums in der deutschen katholischen Kirche. Die Gemeinden hierzulande seien in Sachen Mitverantwortung längst viel weiter.

Schiefes Ideal

Nach der am Montag in Rom veröffentlichten Instruktion bleiben Laien von der Gemeindeleitung ausgeschlossen. Dagegen stärkt der Text die Rolle des Pfarrers. Bestrebungen, die Leitung von Pfarreien beispielsweise Teams aus Priestern und kirchlich Engagierten sowie anderen Mitarbeitern anzuvertrauen, widerspricht das Schreiben direkt. "Das Bild der Pfarrgemeinde, die sich um den Pfarrer schart, wird, abgesehen von dem schiefen Ideal, schon durch einen Priestermangel unmöglich, der längst dramatische Züge angenommen hat", sagte Sternberg weiter. Auch werde die Vielfalt der Dienste, die die Laien verrichten, nicht gesehen.

Anders als in dem Papier dargelegt, seien Räte nicht reine Informations-, Beratungs- und Hilfsgremien, betonte der ZdK-Präsident. "In Deutschland sind durch Konkordate die Kirchenvorstände als Entscheidungsgremien etabliert." Auch die Pfarrgemeinderäte seien in der Praxis zu wichtigen Weichenstellern geworden. "Man fragt sich, wer denn bereit sein sollte, sich einem Wahlverfahren zu unterziehen, um anschließend lediglich als Berater zu fungieren."

Völlig abseits demokratischer Erfahrungen

Überhaupt sei es nicht so, als würden die Laien mit Macht nach liturgischer Präsenz und Mitbestimmung drängen, erklärte Sternberg. "Man muss um sie werben, und mit Vorstellungen, die völlig abseits demokratischer Erfahrungen liegen, wird dies nicht gelingen." Frauen, die zumeist das Gesicht der deutschen Pfarreien prägten, fänden im Text keine Erwähnung.

Ungeachtet der Aussagen des Papiers werde die Notlage einen Reformprozess beschleunigen, der längst eingesetzt habe und nicht gestoppt werden könne, so Sternberg. Im Hinblick auf den in der deutschen Kirche laufenden Reformprozess sagte er: "Die partizipative Suche nach neuen Antworten auf dem Synodalen Weg wird nicht gestoppt." (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

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