Kirche und Geheimdienst Katholikenrat will keine Spionagetechnik im Dom

20.03.2018

Laut eines Medienberichts soll der Münchner Liebfrauendom früher zu Spionagezwecken genutzt worden sein. Der Katholikenrat der Region München fordert einen Abbau der möglicherweise im Nordturm installierten Anlage.

Die Glockentürme des Münchner Liebfrauendoms könnten früher zu Spionagezwecken genutzt werden.
Die Glockentürme des Münchner Liebfrauendoms könnten früher zu Spionagezwecken genutzt werden. © Kiderle

München – Der Katholikenrat der Region München fordert einen Abbau der angeblich im Nordturm des Liebfrauendoms installierten Spionageanlage. Wie der "Münchner Merkur" (Dienstag) berichtet, reagierte der Rat damit auf eine Meldung des Magazins "Der Spiegel" vom Wochenende. Domdekan Lorenz Wolf hatte als Hausherr dazu lediglich erklärt, es gefänden sich "diverse technische Einrichtungen von verschiedenen Organisationen" in dem Turm, und für weitere Fragen an den Bundesnachrichtendienst verwiesen.

Die Vorsitzende des Katholikenrats, Johanna Rumschöttel, sagte der Zeitung, sie persönlich befremde diese profane Art der Nutzung der Domtürme. Diese stünden schließlich "für Gläubige und auch Nichtgläubige als Symbole und Wahrzeichen unseres christlichen Glaubens in München". Christian Weisner, Sprecher von "Wir sind Kirche", äußerte die Befürchtung, "dass diese Zusammenarbeit von Kirchen und Geheimdiensten auch kein Einzelfall war und ist".

Ausländische Diplomaten beschatten

Als Urheber der "Spiegel"-Meldung nannte der "Merkur" den Weilheimer Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom. Dieser glaube, dass die angeblich vor 1989 im Turm eingebaute "Funkleitzelle" des BND sich nach wie vor im Dom befinde. Er sei bei Recherchen im Kreise von Geheimdienstveteranen auf die Anlage gestoßen. Sie habe wohl dem Beschatten von ausländischen Diplomaten gedient, aber auch der Überwachung von BND-Mitarbeitern, die verdächtigt worden seien, die Seite gewechselt zu haben.

Die Observationstrupps hätten für die Übermittlung von Funksignalen eine hochgelegene Anlage gebraucht. Dafür habe sich die Frauenkirche gut geeignet, da es in der Münchner Innenstadt immer wieder Funkschatten gebe. Schmidt-Eenboom ist sich dem Bericht zufolge sicher, dass die Kirche eingeweiht gewesen sei. So hätten zwei Mitarbeiter des BND für Wartungsarbeiten immer wieder in den Nordturm gemusst. (KNA)


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