Einführung Achim Budde Katholische Akademie hat neuen Leiter

11.02.2019

Bei einem großen Festakt mit 650 Gästen wurde Achim Budde in sein Amt als neuer Direktor der Katholischen Akademie in Bayern eingeführt.

Achim Budde umriss bei seiner Antritssrede in der Akademie gleich ein paar Zielsetzungen.
Achim Budde umriss bei seiner Antritssrede in der Akademie gleich ein paar Zielsetzungen. © Kiderle

München – Achim Budde blickt vom Rednerpult in den mit 650 Gästen vollbesetzten Saal: „Ich bin überwältigt, dass so viele gekommen sind. Es rührt mich, dass Sie alle den Übergang miterleben möchten.“ Der Übergang – das bedeutet an diesem Freitagabend die offizielle Amtseinführung des 49-jährigen habilitierten Theologen und Liturgiewissenschaftlers als neuer Direktor der Katholischen Akademie in Bayern und Nachfolger von Monsignore Florian Schuller (71). Eingebettet in die Gebetszeiten des Abendlobs und der Komplet – ein kleiner Fingerzeig des neuen Chefs, der sich zuletzt seit 2007 als Leiter und Beauftragter für Wissenschaft und Forschung auf Burg Rothenfels am Main besonders dem ökumenischen Stundengebet gewidmet hatte – findet ein dem Anlass entsprechender Festakt statt. Die schwungvolle musikalische Gestaltung durch das „Red Socks Brass Quintett“ mit Stücken von Holborne, Koetsier, Mendelssohn-Bartholdy und Crespo nimmt der Veranstaltung ein wenig von der fast staatstragenden Schwere. Nach der Begrüßung durch die Akademieleitung in Person von Domdekan Prälat Lorenz Wolf überreicht Kardinal Reinhard Marx Budde die offizielle Ernennungsurkunde.

Ort des Denkens

In seinem anschließenden Vortrag betont der Kardinal, dass das Denken den Menschen zum Menschen mache, unabhängig von seinem Glauben. „Die Kirche kann gar nicht Kirche sein, ohne von der Welt zu lernen“, stellt der Kardinal fest. Die Akademie möge daher ein „Ort des Suchens, des sachlichen Denkens und aufwühlenden Fragens, der Irritation“ sein und nicht abschließende Ergebnisse finden, fordert er.

Die Akademie sei „ein toller Begegnungsort“ und wichtig, um die Auseinandersetzung zwischen Kirche und Welt zu führen, schwärmt Professorin Gabriele Gien, Präsidentin der Katholischen Universität Eichstätt Ingolstadt, in ihrer anschließenden Rede. Sie wünscht dem neuen Leiter „viel Erfolg, Inspiration und Gottes Segen für Ihre wichtige Arbeit“. Wenn die Kirche der Welt beim Denken helfen wolle, dürfe sie die Theologie nicht einer Kultur des Gehorsams unterwerfen, führt die Professorin aus. Die Theologie werde nur ernst genommen, wenn ihre wissenschaftliche Freiheit nicht eingeschränkt werde. Wolle die Kirche junge Menschen erreichen, die sich verstärkt von ihr abwenden, dann müsse man ihnen das Gefühl geben, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, fügt Gien an. Es brauche neue, kreative Ideen, um die Jugend wieder für die Kirche zu gewinnen.

2019 als "Jahr des Nachdenkens"

Als dritter und letzter Hauptredner des Abends bleibt es Budde nun selbst überlassen, eine erste „Duftmarke“ zu setzen. Er hat den Abend unter das Motto „Die Akademie in den 20er Jahren“ setzen lassen – natürlich geht der Blick damit zuerst kurz zurück in die „Golden Twenties“ des 20. Jahrhunderts, als die katholische Kirche ängstlich und abgeschottet eine auf die als feindselig empfundene Außenwelt blickte. Gleichzeitig blühten – liturgisch, ökumenisch und biblisch – katholische Reformbewegungen auf. Ein Vorkämpfer war Romano Guardini, dem Budde natürlich als ehemaliger „Rothenfelser“ sehr verbunden ist und geistig nahe steht. Guardini forderte seinerzeit, dass der Glaube eine Auseinandersetzung auf der Höhe der Zeit brauche, „damit er in den Ausdrucksformen der Zeit Gestalt annehmen kann“, wie es Budde formuliert. Eingelöst wurde dieses Postulat mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Öffnung der Kirche zur Welt.

Offizieller Moment: Kardinal Reinhard Marx (rechts) überreicht Achim Budde die Ernennungsurkunde. Der neue Direktor der Katholischen Akademie in Bayern hatte dazu seine Frau, Elisabeth von Lochner, und seine Töchter Helena (7) und Hanna (5) mit auf die
Offizieller Moment: Kardinal Reinhard Marx (rechts) überreicht Achim Budde die Ernennungsurkunde. Der neue Direktor der Katholischen Akademie in Bayern hatte dazu seine Frau, Elisabeth von Lochner, und seine Töchter Helena (7) und Hanna (5) mit auf die Bühne geholt. © Kiderle

Die Akademie war bereits einige Jahre vor dem Konzil, aber schon ganz bewusst aus dessen Geist heraus gegründet worden. An Budde liegt es nun, diesen Geist ins 21. Jahrhundert, in die kommenden 2020-er Jahre zu überführen und zu übersetzen. „Eine Aufgabe, die gleichermaßen Faszination und Respekt in mir auslöst“, wie er unumwunden zugibt. Von seinem Vorgänger Monsignore Schuller habe er ein so gut bestelltes Haus übernommen, „dass mir bislang kaum etwas einfällt, was ich besser machen könnte“. 2019 werde für Budde daher ein „Jahr des Nachdenkens“ werden, welche Zielvorstellungen und neue Konzepte man angehen könne. Vorerst eröffnete er ein kleines Tableau, worauf man sich so oder ähnlich einstellen dürfe. Und da wurde er durchaus schon überraschend konkret.

Akademie verjüngen

Budde will die Akademie verjüngen – ein riesiges und drängendes Anliegen, wenn man sich etwa den Alters- durchschnitt der anwesenden Gäste kurz vor Augen führt. Die Verzahnung mit allen bayerischen Bistümern gehöre intensiviert, zur Finanzierung der Arbeit müsse ein höherer Eigenanteil erwirtschaftet werden – Budde denkt hier an einen verstärkten Übernachtungsbetrieb, Sparmaßnahmen seien dabei ebenfalls nicht ausgeschlossen. Bei allem solle die Akademie durch Seriosität und Neutralität „eine gute Adresse für alle“ bildungsaffine Milieus sein, auch (und vielleicht zukünftig vor allem?) für die kirchenfernen. Dafür müsse man nach Wegen suchen, um „diskursiver und partizipativer“ zu werden, die „Debatte“, das geistige Ringen und die Kontroverse sei hierbei die Stärke der Einrichtung. „Die zentrale Aufgabe einer Akademie ist vielleicht diese: Wir wollen Menschen, die gerne nachdenken und schwierigen Problemen auf den Grund gehen möchten, jene Informationen und Interpretationen auf dem Silbertablett servieren, die sie brauchen, um sich selbst zu positionieren“, schloss Budde seine Antrittsrede, die es durchaus in sich hatte.

Budde zeigt Tatendrang

Und wie zum Beweis für den Tatendrang des neuen Leiters, wurde beim anschließenden Imbiss an den Stehtischen kleine Zettel nebst Bleistiften an die Gäste verteilt: „Wunschzettel“ die man für die „Akademie in den 20er Jahren“ ausfüllen konnte: Was soll so bleiben, „wie es ist“? Was könnte „noch besser werden“? Und „was ich sonst noch sagen wollte“. Geht man im altehrwürdigen Haus an der Schwabinger Mandlstraße tatsächlich goldenen Zeiten entgegen? Man darf gespannt sein, wie und in welchem Tempo Achim Budde seine Ideen weiter umsetzen wird.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

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