Evangelischer Kirchentag Katholische Ordensfrau in Halle 1

26.05.2017

Der Deutsche Evangelische Kirchentag in Berlin und Wittenberg zieht auch Teilnehmer aus Bayern und dem Erzbistum München und Freising an. Mit drei von ihnen hat mk-online gesprochen.

Zehntausende Kirchentagsbesucher in Berlin: Unter ihnen auch zahlreiche Katholiken und Gäste aus Bayern. © imago

Berlin/München – Schwester Birgit Stollhoff möchte unbedingt vor 10 Uhr 30 angerufen werden. „Danach habe ich kaum Zeit“. Die Ordensfrau gehört der Congregatio Jesu an, den früheren Mary-Ward-Schwestern oder Englischen Fräulein. Zurzeit ist sie ständige Ansprechpartnerin in Halle 1.1. auf dem Berliner Messegelände, wo die Congregatio Jesu zusammen mit dem Jesuitenorden einen eigenen Stand auf dem Evangelischen Kirchentag betreibt. „Das ist unser selbstlosestes Engagement“, sagt Schwester Birgit, denn Interessenten für ein katholisches Ordensleben erwartet sie hier nicht. Neugierig seien die Besucher aber schon. Besonders bei den spirituellen Angeboten und Exerzitien würden viele Standbesucher nachfragen. Denn da seien die Congregatio Jesu-Schwestern und der Jesuitenorden als Experten auch bei evangelischen Christen bekannt. Auch wenn der heilige Ignatius, der den Männerorden gegründet und den Frauenorden stark inspiriert hat, als der große Gegenspieler des Protestantismus gilt. „Aber da leisten wir Aufklärung“, schmunzelt Schwester Birgit. Die Standbesucher bekommen eine Mappe in der ein Text des Heiligen steht, der zu einem dialogbereiten und respektvollen Umgang zwischen den getrennten Kirchen auffordert, Anstandsregeln für die Ökumene gibt. „Zu diesem Dialog sind wir bereit und wollen ihn unterstützen“, betont die Ordensfrau. Darum hat sie sich für den Kirchentag extra Urlaub genommen, denn normalerweise arbeitet sie im katholischen Medienhaus Sankt Michaelsbund in München und lebt im Augsburger Ordenshaus. Im Vergleich zu diesen Städten fällt es ihr besonders auf, dass Berlin jahrzehntelang durch eine Mauer getrennt war. „Aber gerade das zeigt, dass Grenzen überwindbar sind und das ist auch auf dem Kirchentag zu spüren.“

Florian Schuppe ist Ökumenereferent des Erzbistums München und Freising. © Privat

Gemeinsame Herausforderungen

Florian Schuppe erlebt das Treffen der evangelischen Christen aus ganz Deutschland nicht von einem Stand aus, sondern versucht so viele verschiedene Eindrücke wie möglich zu sammeln. Er beobachtet den Berliner Kirchentag als Ökumenereferent des Erzbistums München und Freising beruflich. Den Auftritt von Barack Obama und Angela Merkel hat er aus der Nähe miterlebt. Genauso wichtig sind ihm aber kleinere Podien und Veranstaltungen. Besonders gebannt hat er bei einem Podium junger Kreativer zugehört, die sich in den neuen digitalen Welten tummeln. „Welche Erwartungen die an die Kirche haben und die verschiedenen Blickwinkel ganz ernst zu nehmen, das war sehr bereichernd.“ Wo Christen in einer modernen und vielseitigen Gesellschaft ihren Platz finden, ist für Schuppe eine ökumenische Herausforderung. „Da lohnt es sich gemeinsam hinzuschauen, das sind die Kirchen in vergleichbaren Situationen.“ Auch darum hätte er sich eine stärkere offizielle katholische Beteiligung gewünscht. Unter den Teilnehmern seien dagegen sehr viele Katholiken: „Das ist wie in vielen Gemeinden vor Ort. Die Menschen wählen das, was für sie eine starke Aussage, eine klare Botschaft hat und fragen erst in zweiter Linie danach, zu welcher Konfession das denn gehört.“

Kreativ in Berlin, zur Not auch auf der Mülltonne. © EPV/Dinges

Kirchliche A-Promis ohne Terminvereinbarung

Claudia Dinges von der Evangelischen Funkagentur aus München bewegt sich ständig mit einem Aufnahmegerät und einem Laptop durch den Kirchentag. Als Unterlage muss schon einmal der Deckel einer Mülltonne herhalten. Etwa um ein Interview mit Kardinal Reinhard Marx zu schneiden. Den Münchner Erzbischof und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz hat sie spontan interviewt, als sie ihn vor dem Bundeskanzleramt neben Heinrich Bedford-Strohm entdeckte. Kirchliche A-Promis ohne Terminvereinbarung einfach auf der Straße ansprechen zu können, auch das ist Kirchentag. „Die beiden sind dann miteinander weiter geschlendert und haben sich angeregt unterhalten“, erzählt Dinges. „Das hat eine ökumenische Gemeinschaft ausgestrahlt, dieeinfach wunderbar war.“ Obendrein gabs für die Journalistin Heimatgefühle, denn nicht nur Kardinal Marx, sondern auch der Evangelische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm ist in München zuhause. Aber auch sonst erlebt sie jede Menge Bayern in Berlin: „Eine Konfirmandengruppe nach der nächsten“. Besonders aus Franken. Von dort ist der Weg in die Bundeshauptstadt nicht so weit. Zu den meisten dieser „Konfi-Reisen“ zum Kirchentag gehört auch der Abschlussgottesdienst am Sonntag in Wittenberg. Und dort erwartet die Redaktionsleiterin der Evangelischen Funkagentur dieselbe Stimmung wie in Berlin: „Man blickt in glückliche Gesichter, alle achten aufeinander und das tut in Krisenzeiten wie jetzt total gut.“

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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