Wallfahrt Katholische Politiker pilgern nach Tuntenhausen

28.04.2017

Für viele ist sie nur ein CSU-Event: die alljährliche Frühjahrswallfahrt des Katholischen Männervereins Tuntenhausen. Wieso das Treffen dennoch keine reine Parteiveranstaltung ist, erklärt Wallfahrtsrektor Amit Sinha Roy.

Wallfahrts-Basilika Tuntenhausen © imago

Tuntenhausen – Zu seiner Frühjahrsversammlung kommt am Sonntag der traditionsreiche Katholische Männerverein Tuntenhausen in dem Wallfahrtsort im Landkreis Rosenheim zusammen. Für Amit Sinha Roy ist es bereits die 26. Frühjahrswallfahrt des Männervereins, die er als Wallfahrtsrektor mitfeiert. Pfarrer Roy freut sich schon auf das Schauspiel, wenn um neun Uhr in der Früh wieder hunderte Männer, die meisten von ihnen aus der CSU, vor dem Gnadenbild der Muttergottes niederknien. Auch für Politiker sei es wichtig, die Gottesmutter Maria nicht auszuklammern, meint Roy. „Sie gehört wesentlich dazu als die große Frau, die es überhaupt erst ermöglicht hat, dass wir erlöst werden“. Die Marienverehrung sei ein „zentraler Grundvollzug der katholischen Kirche“.

Hintergrund: der Katholische Männerverein Tuntenhausen
Graf Ludwig Arco Zinneberg hatte 1869 in Tuntenhausen zur Gründung eines "bayerisch-patriotischen Bauernvereines" aufgerufen. Ziele waren die Erhaltung der staatlichen Selbstständigkeit Bayerns gegenüber Preußen, die Vertiefung des katholischen Glaubens, aber auch die Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Bauern. Gottesdienst und politische Kundgebung, räumlich streng getrennt, gehörten von Anfang an dazu. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verein als Katholischer Männerverein Tuntenhausen wiedergegründet. Zum Ersten Vorsitzenden wurde Staatsminister Alois Hundhammer (CSU) gewählt. Seither haben hochrangige Politiker, Kardinäle, Bischöfe und Prälaten in Tuntenhausen gesprochen und gepredigt. Der Verein gilt bis heute als Thinktank des politischen Katholizismus in Bayern. Seit 2009 steht der Leiter der Staatskanzlei, Staatsminister Marcel Huber, dem Männerverein vor. (ph/kna)

Für Pfarrer Roy gehört das Frühjahrstreffen zu den schönsten Pilgerfahrten im Kirchenjahr. Das mag auch daran liegen, dass er an diesem Tag nur eines tun muss: die Wallfahrer und den Zelebranten des Gottesdienstes begrüßen. Ansonsten kann er die Wallfahrt genießen. Zu der gehört traditionell im Anschluss an die Heilige Messe der Vortrag im örtlichen Wirtshaus. Kultusminister Ludwig Spaenle wird heuer über das Christliche in der Politik sprechen. Pfarrer Roy findet das Thema gut. Für ihn ist die Betonung christlicher Werte wichtiger denn je. Es gehe letzten Endes darum, den Menschen zu zeigen, dass das Christentum den Menschen zum Frieden anleiten will. Die Osterbotschaft Jesu sei eine Friedensbotschaft, betont Roy. Auf dieser Grundlage könne man Wege des Friedens mit anderen Konfessionen und Religionen suchen. Nur so sei letzten Endes Verständigung möglich in einem Land, in dem sich neben den christlichen Kirchen auch andere Religionen etablieren. Gerade Politiker mit christlichem Anspruch müssten sich das immer wieder in Erinnerung rufen, so Roy. Die Ausrichtung auf Christus sorge zudem dafür, dass das Frühjahrstreffen sich den Charakter einer Wallfahrt bewahrt „und keine ausschließliche Parteiveranstaltung“ wird. (Paul Hasel)

Ein Interview mit Amit Sinha Roy zur Frühjahrswallfahrt des Katholischen Männervereins Tuntenhausen können Sie am Samstag im Münchner Kirchenradio gegen 10.40 bzw. 16.40 Uhr hören.


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