Mitgliederversammlung in Augsburg Katholischer Quotenbringer im Freistaat

06.10.2017

Der Landesverband des Sankt Michaelsbundes hat sich am Freitag zu seiner Mitgliederversammlung getroffen. Das katholische Medienhaus „ist ein heimlicher Reichweitenriese“, sagt Direktor Stefan Eß

Treffpunkt Bücherei - ein wichtiger Teil der Arbeit im katholischen Medienhaus Sankt Michaelsbund. © fotolia

Augsburg – Über eine Million Menschen im Freistaat hören zu, wenn die katholische Redaktion des Sankt Michaelsbundes eine Nachricht auf Antenne Bayern sendet. So viele Menschen haben in einer durchschnittlichen Stunde am Werktag den erfolgreichsten Privatsender Bayerns eingeschaltet. Egal, ob sich die Bayerische Bischofskonferenz trifft, das Bistum Augsburg seinen Dom mit einem 360-Grad-Panorama im Internet präsentiert, die Nürnberger Stadtkirche eine ökumenische Karikaturenausstellung zeigt oder im Allgäu ein besonderer Berggottesdienst gefeiert wird – die katholische Redaktion öffnet meistens zwei Mal pro Tag den Ausblick auf kirchliches Leben im Freistaat. Nachdem der Sender viele Nachrichten auch häufiger wiederholt und immer wieder andere Zuhörer einschalten, bekommen sogar mehr als eine Million Menschen mit, wie lebendig und vielfältig sich das kirchliche Leben in Bayern präsentiert. „Wir sind nicht allein mit unseren Büchereien ein heimlicher Reichweiten- und Standortriese in der bayerischen Kultur- und Medienlandschaft“, unterstreicht der geschäftsführende Direktor Stefan Eß.

Massenprogramm und Spezialsender

Ausführlicher werden die Hörer von Antenne Bayern in der regelmäßigen Sonntagssendung der katholischen Redaktion informiert, die nach jüngsten Erhebungen 800 000 Menschen einschalten. Im Raum München arbeitet die Radioredaktion aber nicht nur einem höchst erfolgreichen Massenprogramm zu, sondern bietet auch ein Radioprogramm mit hohem Wortanteil für speziell interessierte Hörer an: Das Münchner Kirchenradio. Es sendet über den technischen Standard DAB+, der sich immer stärker durchsetzt, und über das Internet und kann rund 13 000 Stammhörer verzeichnen, die das Programm mindestens vier Mal in der Woche über einen längeren Zeitraum einschalten, um unter anderem Gottesdienste aus dem Münchner Dom und der Erzdiözese zu hören, besondere Menschen aus Bayern und der Erzdiözese kennen zu lernen oder sich in einer Literatursendung über Neuerscheinungen und aktuelle Autoren zu informieren. Sendungen, die über Podcast auch landesweit zur Verfügung stehen. Nicht zu vergessen ist auch das landeweite Engagements der Sankt Michaelsbund-Fernsehredaktion, die mit ihrer monatlichen Reportage auf dem RTL-Fenster TV Bayern live 350 000 Zuseher hat.

Konsumfreie Begegnungsorte

Selbstverständlich halten die Redaktionen dabei auch Verbindung mit der diözesanen und landesweiten Büchereiarbeit des Sankt Michaelsbundes, über sie regelmäßig berichten. Gerade für Pfarreien wird dieser soziale und bildende Dienst immer wichtiger. Die rund 1.100 katholischen öffentlichen Büchereien sind ein offener pastoraler Vorhof. Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa hat sie in seiner Rede als "lebendige Bausteine in einem guten gemeindlichen Leben" bezeichnet. Sie gestalten das gesellschaftliche Zusammenleben mit, tragen religiöse und andere Medien an die Menschen heran und sind ein Treffpunkt für alle Generationen. Sogar am missionarischen Auftrag der Kirche können sie mitarbeiten, wenn sie etwa das „Religiöse Buch des Monats vorstellen“, das der Sankt Michaelsbund regelmäßig sogar mit einem kurzen Video empfiehlt, oder zu kirchlichen Anlässen und aktuellen theologischen Debatten gezielt Literatur auswählen und hervorheben. Und natürlich können sie auch Austauschbörse sein, in denen die Nutzer etwas über das Leben in der Pfarrei und Termine erfahren, Senioren regelmäßig Kindern vorlesen, Kommunion- oder Firm-Gruppen beim Einräumen von Büchern helfen, Doubletten oder Altbestände bei einem Bücherflohmarkt auf dem Pfarrfest verkauft werden. Auch Pfarrgemeinderatssitzungen oder Bildungsangebote können dort ihren Platz finden.

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Stefan Eß: Büchereien schaffen Begegnung

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Stefan Eß: Reichweitenstärke durch katholisches Medienhaus

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Stefan Eß: Zuschüsse für öffentliche Büchereien

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Stefan Eß, geschäftsführender Direktor des Sankt Michaelsbundes, mit dem Augsburger Bischof Konrad Zdarsa.

Bücherei ist Kirche vor Ort

Die Büchereien werden zum größten Teil von Ehrenamtlichen am Laufen gehalten und geführt. Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa bedankte sich im Rahmen der Mitgliederversammlung bei ihnen. Ohne sie wären die katholischen öffenrlichen Büchereien nicht so lebendig, sagte er. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter würden sich für andere Menschen einsetzen, das sei ein entscheidendes Charakteristikum der Christen, ein Wesensmerkmal der Kirche.

Durch die Ehrenamtlichen können die Büchereien auch weiterbestehen, wenn hauptamtliche Seelsorge-Mitarbeiter an anderer Stelle konzentriert werden. „Oft bleiben Büchereien in den Pfarreien erhalten, auch wenn das Pfarrbüro schließen muss, aufgrund struktureller Veränderungen“, so Stefan Eß. Dadurch bleibe Kirche weiter vor Ort erlebbar. Gerade bei den sich abzeichnenden seelsorgerlichen Entwicklungen würden katholische öffentliche Büchereien noch mehr Bedeutung gewinnen und deshalb mehr und nicht weniger Förderung von allen Seiten verdienen: Von der Kirche, den Kommunen und vor allem dem Freistaat.

Sie gehören zu jenen Plätzen, für den der amerikanische Soziologe Ray Oldenburg den Begriff „Third Places“, Dritte Orte, geprägt hat. Es sind öffentliche Räume jenseits von Arbeitsplatz und den eigenen vier Wänden, an denen Menschen zusammentreffen, sich erholen und geborgen fühlen können, ohne dass sie dort Geld ausgeben müssen und einem Konsumzwang ausgesetzt sind. Die katholischen öffentlichen Büchereien sind ein solcher Dritter Ort und leisten hier einen Dienst an der Allgemeinheit. Dabei ist ihre Arbeit sogar als sozio-kulturelle Caritas zu verstehen. Angesichts von 7,5 Millionen sogenannten funktionalen Analphabeten, die kaum schreiben und Texte nur unzusammenhängend verstehen können, werden sie von der Gesellschaft dringend gebraucht, um den öffentlichen Bildungsauftrag zu erfüllen.

Dazu benötigen die katholischen öffentlichen Büchereien mit ihren rund 12 000 ehrenamtlichen Mitarbeitern wieder eine stärkere Unterstützung des Freistaats. Im vergangenen Jahr hat der Sankt Michaelsbund in der Mitgliederversammlung des Landesverbandes die „Bamberger Resolution“ veröffentlicht. Darin fordert sie, die drastischen Mittelkürzungen seitens des Freistaates für alle öffentlichen Bibliotheken zurück zu nehmen. Haben sie 1990 noch rund 5,8 Millionen Euro erhalten, sind es im laufenden Haushaltsjahr gerade einmal 1,85 Millionen Euro. Weniger als ein Drittel entfällt davon auf die katholischen öffentlichen Büchereien, obwohl sie deutlich mehr Bibliotheken betreiben als andere Träger. Auch bei der Mitgliederversammlung des Landesverbandes in Augsburg unterstreicht der Sankt Michaelsbund deshalb seinen dringenden Appell an die Landespolitik, die Mittel wieder deutlich anzuheben, wie das bei anderen Kultureinrichtungen längst geschehen ist: „Uns ist für den Nachtragshaushalt 2018 eine spürbare Erhöhung angekündigt worden – wir warten ab, ob sie homöopathisch ausfällt oder ob sie tatsächlich nennenswert ist.“ Zurzeit sei dem Freistaat jeder der über 5,3 Millionen Besucher der katholischen öffentlichen Büchereien gerade einmal ein Zehn-Cent-Stück wert. Das passe nicht zum Satz der Verfassung: „Bayern ist ein Kulturstaat.“

Der Autor
Alois Bierl
Radio-Redaktion
a.bierl@st-michaelsbund.de


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