ZdK-Präsident Sternberg Katholisches Multitalent feiert 65. Geburtstag

20.04.2017

Professor und Politiker, Azubi im elterlichen Betrieb und später Akademieleiter, Kulturexperte und Kirchenkenner - Thomas Sternberg hat viele Talente. Der Chef des Katholikenkomitees wird am heutigen Donnerstag 65.

ZdK-Präsident Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Thomas Sternberg © KNA

Münster – Da kann sich Thomas Sternberg auf dem Podium richtig in Rage reden. "Es ist schlichtweg zum Heulen." Es geht um Kirchenschließungen. Und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) findet es gar nicht gut, dass die überzählige Pfarrkirche Sankt Peter in Mönchengladbach-Waldhausen heute als Kletterkirche genutzt wird. Handelt es sich doch um einen Bau von Clemens Holzmeister.

Mit dem Architekten, der auch für die Nachkriegsgestaltung der Berliner Hedwigs-Kathedrale verantwortlich war, kann der Theologe und Kulturexperte Sternberg einiges verbinden. Wenn er über den Verlust des Sakralbaus spricht, blitzt Leidenschaft auf. Aber das ist nur eine Facette Sternbergs. Das Multitalent ist seit fast eineinhalb Jahren oberster Vertreter der katholischen Laien in Deutschland. Am Donnerstag, 20. April, wurde Sternberg 65 Jahre alt. Damit erreicht er das Alter für den Ruhestand. Aber daran ist gar nicht zu denken.

Vater von fünf Kindern

Sternberg stammt aus einer Bäckerfamilie im Sauerland und wollte eigentlich den elterlichen Betrieb übernehmen. 1969 machte er die Gesellenprüfung. Doch aus Gesundheitsgründen musste er sich neu orientieren. Sternberg holte am Abendgymnasium das Abitur nach, um dann Germanistik, Kunstgeschichte und Theologie zu studieren. Mit einer Arbeit über die Lyrik Achim von Arnims wurde er in Germanistik und mit einer Studie über die Sozialeinrichtungen des 4. bis 7. Jahrhunderts im Fach Kirchengeschichte promoviert. Die akademische Laufbahn mündete darin, dass er 1988 Direktor des Franz Hitze Hauses wurde. Die Akademie des Bistums Münster leitete er, bis er die ZdK-Leitung übernahm.

Zugleich haben den Vater von fünf Kindern politische Ambitionen angetrieben. Über die Junge Union stieß er 1974 zur CDU. Zuerst als sachkundiges Mitglied und dann ab 1999 als Ratsherr engagierte er sich im Kulturausschuss von Münster. Das Politikfeld beackert er auch als Abgeordneter im nordrhein-westfälischen Landtag, dem er seit 2005 angehört.

Überraschender Wahlsieg

Seine Wahl zum ZdK-Präsidenten im November 2015 kam überraschend. Dabei setzte er sich gegen die CDU-Bundestagsabgeordnete Maria Flachsbarth durch, die mit dem Bonus Frau in die Wahl gegangen war. Die Vertreter aus den Diözesen und katholischen Verbänden überzeugten offenbar Sternbergs programmatische Ansätze, der einen Rückgang der volkskirchlichen Strukturen beobachtet und zugleich vom ungebrochenen Stellenwert der Katholiken in der Gesellschaft überzeugt ist: "Als dienende und hörende Kirche sind wir gefragt."

Im neuen Amt lässt Sternberg keine Gelegenheit aus, sich in kirchliche und politische Debatten einzumischen. Reizthemen spart er dabei nicht aus. Angesichts des Priestermangels fordert er, den Pflichtzölibat aufzugeben. "Verheiratete Priester müssen zur Normalität werden", sagt der Katholiken-Präsident. Ebenso wünscht er sich eine schnelle Öffnung des Diakonenamts für Frauen und eine stärkere Einbeziehung der Laien in die Leitung von Gemeinden - auch als letztverantwortliche Entscheider.

Keine "Frontstellung" mehr

Mit seiner Kritik am Zölibat oder dem Ruf nach einem Segen für homosexuelle Paare rennt Sternberg bei den Bischöfen nicht gerade offene Türen ein. Dennoch sieht er eine neue Basis der Zusammenarbeit mit den Oberhirten. Früher hätten sich nicht wenige Laien "daran wund gerieben", auch noch den letzten Bischof für Reformen zu gewinnen. Heute gebe es diese Frontstellung - hier die Laien und dort die Bischöfe - so nicht mehr. "Wir haben es heute mit einer pluralen Bischofskonferenz und auch mit einem pluralen Laienkatholizismus zu tun", betont Sternberg. "Hier sind Dialog und gemeinsame Aktionen angesagt."

Auf politischer Ebene macht Sternberg vor allem mit seinen distanzierenden Äußerungen zur AfD auf sich aufmerksam. Er verteidigte den Beschluss, keine AfD-Vertreter zum Leipziger Katholikentag im vergangenen Jahr einzuladen. "Menschenverachtende Positionen haben da keinen Platz." Wenige Monate später ließ er sich auf ein Streitgespräch mit AfD-Vize Alexander Gauland ein. Zu einer Annäherung kam es erwartungsgemäß nicht. (Andreas Otto/KNA)


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