120 Jahre IN VIA München Katholisches Netzwerk für Frauen öffnet sich für Männer

24.04.2015

Bahnhofsmission, Mädchenwohnheime und Beratung von Migrantinnen: das sind nur einige der IN VIA-Erfolge aus 120 Jahren Verbandsgeschichte. Die Arbeit mit jungen Flüchtlingen in München wird mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingswelle immer wichtiger, sagt IN VIA-Vorstand Barbara Igl.

Migrantinnen-Beratung bei IN VIA München (Bild: IN VIA München)

München – Mädchen und junge Frauen im ländlichen Raum treffen die sozialen Umwälzungen im Zuge der Industrialisierung in der Prinzregentenzeit besonders hart. Ohne Perspektive in ihren Heimatdörfern strömen sie Ende des 19. Jahrhunderts zu Tausenden in die Residenzstadt München. Die meisten von ihnen sind allein und unerfahren. Viele werden Opfer von Mädchenhandel, Arbeitsausbeutung oder Prostitution. Eine Gruppe katholischer Frauen um Gräfin Christiane von Preysing und Ellen Amann entscheidet sich 1895, etwas dagegen zu tun. Sie gründen den Marianischen Mädchenschutzverein.

Berufliche Qualifikationen als wichtiger Baustein für die Hilfe zur Selbsthilfe

Der Verein baut ein breites soziales Netzwerk auf. 1897 eröffnet Ellen Amann am Münchner Hauptbahnhof die erste Katholische Bahnhofsmission in Deutschland. Sie bildet sogenannte Schutzfrauen aus, die die Mädchen in Empfang nehmen und ihnen zum Beispiel eine Bleibe in der Marienherberge in der Mathildenstraße anbieten. 1928 kann der Verein das Haus in der Goethestraße 9 kaufen. Bereits zwei Jahre später wohnen dort fast 1.500 junge Frauen. Es sind Ordensfrauen, die den heimatlosen Frauen ein Stück Geborgenheit und Sicherheit geben. Sie bauen auch eine Stellenvermittlung auf, die den Zugereisten bei der Arbeitssuche hilft. Berufliche Qualifikationen sind ein wichtiger Baustein für die Hilfe zur Selbsthilfe. Der Schwerpunkt liegt bei hauswirtschaftlichen und pflegerischen Berufen. 1936 verbieten die Nationalsozialisten die Stellenvermittlung. Drei Jahre später auch die Bahnhofsmission. Die Marienherberge bleibt bestehen. Der Andrang ist so groß, dass in den Kriegsjahren sogar ein zweites Haus eröffnet wird.

Seit Ende der 1990er Jahre kümmert sich der Verein auch um Migrantinnen

Nach dem Krieg nimmt die Bahnhofsmission ihre Arbeit wieder auf und es entstehen weitere Wohnheime. Hinzu kommt nun auch das Engagement für Au-Pair-Mädchen, Berufs- und Ausbildungshilfe werden weiter ausgebaut. Seit Ende der 1990er Jahre kümmert sich der Verein zudem um Migrantinnen, die in München eine neue Heimat suchen. Und ist damit gut gewappnet für die große Zahl an Flüchtlingen, die in den letzten Monaten in München angekommen ist, betont IN VIA-Vorstand Barbara Igl im Münchner Kirchenradio. IN VIA berät die jungen Flüchtlinge und begleitet sie in ihrer Berufsausbildung. IN VIA WIB heißt das Projekt zur Ausbildungsbegleitung, das jetzt mit Hilfe der Stadt München weiter ausgebaut wird. Mit der Erweiterung der Angebote im Migrationsbereich öffnet sich der Verband zudem für junge Männer. Auch die können künftig von der Flüchtlingsarbeit bei IN VIA profitieren. Damit gehört die rein auf junge Frauen ausgerichtete Verbandsarbeit definitiv der Vergangenheit an. (ph)

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