Erwartungen an die Familiensynode Kein Bla-bla mit Weihrauch

30.09.2015

Am 4. Oktober ist es soweit: In Rom diskutieren Bischöfe aus aller Welt über die Rolle und Bedeutung der Familie: Die Erwartungen an die Familiensynode sind groß - Ein Kommentar des Professors für Pastoraltheologie, Andreas Wollbold.

Andreas Wollbold ist Inhaber des Lehrstuhls für Pastoraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität in München. (Bild: MK) © MK

Erwartungen an die Synode habe ich, und sie sind gar nicht bescheiden.

1. Kein Bla-bla mit Weihrauch. Es gibt kirchliche Dokumente, die die ideale Familie in den Himmel heben und dafür alles auffahren, was die Theologie zu bieten hat. Aber die reale Familie erreichen diese Worte nicht. Bitte keine solchen Papiere!

2. Weltkirche ohne Eurozentrismus. Der enge Kreis von Themen und Kontroversen der westlichen Welt (Homosexuelle, Geschiedene, unverheiratet Zusammenlebende, ...) sollte durchbrochen werden. Ein Beispiel: Unzählige Kinder auf den Philippinen wachsen über Jahre hinweg ohne Vater und Mutter bei Verwandten auf. Ihre Eltern sind Gastarbeiter in den arabischen Ölstaaten. Nicht wenige Ehen zerbrechen an dieser Situation, zumindest alle Kinder leiden darunter. Was kann die Kirche ihnen an Rat und Tat anbieten?

3. Kirche einer wachsenden Mittelklasse. Wohlstand ist mittlerweile kein Privileg unserer Hemisphäre. Damit geht ein Wertewandel einher, der von der Kirche noch kaum wahrgenommen ist. Liebe, Ehe und Familie werden an manchmal illusionären Glückshoffnungen gemessen. Wie leben sich christliche Werte im Wohlstand?

4. Offene Diskussion über die Neugestaltung der Eheverfahren. Der Papst hat diese Verfahren am 8. September 2015 bereits zum Teil drastisch vereinfacht. Jetzt werden die Weichen für deren Umsetzung gestellt. Entscheidend ist, dass sie die Verfahren nicht zu einer „Scheidung auf katholisch“ verkommen lässt.

5. Ehekatechumenat verpflichtend. Nach dem Zweiten Vatikanum wurde der Katechumenat für erwachsene Taufbewerber eingeführt. Auch Brautpaare brauchen einen Weg der Vorbereitung, nicht bloß ein oder zwei Gespräche. Und schon viel früher, in der Kinder- und Jugendpastoral, sollten prä-?katechumenale Elemente sie ehefähig im tiefen Sinn machen. Ohne solche Wege geht es nicht mehr. Mit „man könnte ja mal überlegen“ kommen wir da nicht weiter.


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