Luther-Roman eines aufgeklärten Muslims Kein Mönchlein im Kräutergarten

18.04.2017

Einen furiosen Gottesmann erkannte der Schriftsteller Feridun Zaimoglu in Martin Luther und wollte dessen Leben in der Sprache seiner Zeit erzählen. Zaimoglu selbst hat mit elf Jahren zum ersten Mal die Bibel gelesen und war fasziniert von der Sprache und dem „Glutkern des Glaubens“.

Schon als Kind war Ferdiun Zaimoglu, Sohn türkischer Eltern, fasziniert von der Sprache der Bibel. Für seinen Luther-Roman „Evangelio“ schlüpft der Schriftsteller auch mit seiner Sprache in die Rolle des Luther-Zeitgenossen und versucht, die Macht des religiösen Wortes spürbar zu machen. Er führt den Leser in die Zeit, als Luther auf der Wartburg in nur zehn Wochen die Bibel ins Deutsche übersetzte. Erzählt wird aus der Sicht eines katholischen Landsknechts, der Luther bewacht und mit ihm auch debattiert. Dabei geht es auch um Luthers Hasstiraden auf die Juden und darum, wie der Reformator mit Mächten wie dem „Satan“ umgeht. Zaimoglu versucht mehr zu erfassen als die intellektuelle Auseinandersetzung Luthers mit Kirche und der Theologie. Die Worte taugen ihm dabei als „Reiztier“. Der Schriftsteller macht keinen Hehl aus seiner Faszination für die Sprache Luthers und kritisiert, dass man aus dem Reformator posthum ein feistes Mönchlein im Kräutergarten“ zu machen versuche.

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