Beginn der Amazonas-Synode im Vatikan Kein „Weiter so“ bei Schöpfung und Verkündigung

07.10.2019

Papst Franziskus appelliert an die Bischöfe, sich „keinesfalls auf eine Pastoral der Aufrechterhaltung“ zu beschränken. Zu Recht: Denn ein „Weiter so“ kann und darf es nicht geben. Ein Kommentar von Tanja Bergold, Leiterin Programmentwicklung im Münchner Kirchenradio.

Papst Franziskus und Indigene beim Eröffnungsgottesdienst der Amazonas-Bischofssynode im Petersdom.
Papst Franziskus und Indigene beim Eröffnungsgottesdienst der Amazonas-Bischofssynode im Petersdom. © Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA

Als Papst Franziskus vor zwei Jahren die Idee zu dieser Sondersynode hatte, ahnte er wohl nicht, wie dramatisch sich die Lage bis dahin verändern würde. Greta Thunberg ging Freitags noch zur Schule, die Protestbewegung der Frauen, Maria 2.0, war noch vollkommen unbekannt und der Regenwald stand noch nicht dramatisch in Flammen. Jetzt müssen sich die 185 Teilnehmer einer traurigen Aktualität stellen. Der Titel der Synode: „Amazonien - neue Wege für die Kirche und für eine ganzheitliche Ökologie“ im Vatikan. Die Themen haben es also in sich. Sogar von einer Gefahr der Spaltung innerhalb der katholischen Kirche ist die Rede.

Die Lage für die indigene Bevölkerung ist dramatisch

Es geht einmal um die Lage der Menschen im Amazonasgebiet, vor allem die der indigenen Bevölkerung. Vertreibung, Umweltverschmutzung, Ausbeutung. Die Regenwälder werden seit Jahren massiv gerodet und durch Brände dezimiert. Wer dagegen protestiert, wird bedroht oder sogar getötet. Papst Franziskus hat es auf den Punkt gebracht: Die Entwaldung Amazoniens bedeutet, „die Menschheit zu töten“! Genau, also auch Sie und mich. Denn wir alle haben nur diesen einen Planeten.

Aber das Amazonsgebiet weist eine weitere Besonderheit auf: In manchen Gemeinden kann nur zwei Mal im Jahr Gottesdienst gefeiert werden. Sie liegen zu weit entfernt und es gibt zu wenig Priester. Woher aber Personal nehmen? Die Idee aus dem Vorbereitungspapier zur Synode schlug hohe Wellen: Man könne sogenannte Viri Probati zulassen. Also bewährte verheiratete Männer. Konservative Theologen sehen hier eindeutig einen Dammbruch, eine Aufweichung des Zölibats. Andere erkennen eine Chance. Denn wenn Amazonien diesen neuen Weg einschlagen kann, ist das eines Tages auch für die katholische Kirche in anderen Teilen der Welt möglich.

Ein weiteres Thema: Die Rolle der Frau, ohnehin ein Reizthema! Aber warum nicht über die Übertragung von Leitungsaufgaben an Laien oder neue Ämter für Frauen diskutieren, wenn der Kirche das Personal ausgeht.

Auch die katholische Kirche braucht einen Klimawandel

Das Plädoyer des Papstes an die Teilnehmer, Veränderungen anzunehmen statt den Status Quo zu verteidigen macht Hoffnung. Die katholische Kirche ist eine moralische Instanz. Sie muss Druck aufbauen um die furchtbare Zerstörung der Umwelt - unserer Lunge - aufzuhalten. Sie muss für die Menschen da sein und mutig neue Wege gehen, um Seelsorge auch weiterhin leisten zu können. Bleibt zu hoffen, dass es auch innerhalb der katholische Kirche zu einen Klimawandel kommt. Ein „Weiter so“ kann es jedenfalls nicht geben.

Die Autorin
Tanja Bergold
Leiterin Programmentwicklung im Münchner Kirchenradio
t.bergold@st-michaelsbund.de


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