Piusbrüder Keine Annäherung zum Jahrestag der Trennung

29.06.2013

Im Lehrstreit zwischen dem Vatikan und der Piusbruderschaft sieht Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller den Ball im Feld der Traditionalisten. Die Piusbrüder erneuerten dagegen zum 25. Jahrestag der Trennung von Rom ihre Konzilskritik.

Bischof Bernard Fellay, der Generalobere der Piusbruderschaft (Bild: KNA)

Schon vor über einem Jahr habe Rom der Piusbruderschaft ein lehrmäßiges Dokument zur Annahme überstellt, sagte Erzbischof Müller, der Präfekt der Römischen Glaubenskongregation, in einem Interview mit deutschen katholischen Bistumszeitungen. Eine offizielle Antwort darauf stehe nach wie vor aus. Der emeritierte Papst Benedikt XVI., der die Gespräche mit den Traditionalisten vorangetrieben hatte, habe immer klar gesagt, dass wichtige Lehrfragen zu klären seien, und dass die Mitglieder der Bruderschaft bis dahin suspendiert blieben und ihr Priester- und Bischofsamt nicht legitim ausüben könnten, so Müller.

Die drei verbliebenen Bischöfe der Piusbruderschaft erklärten dagegen im Vorfeld des Jahrestags der Trennung in Bezug auf das Zweite Vatikanische Konzil: "Die Gründe für die schweren Irrtümer, die die Kirche derzeit zu zerstören im Begriff sind, liegen nicht in einer falschen Interpretation der Konzilstexte", sondern "in den Texten selbst, und zwar aufgrund der hanebüchenen Ausrichtung" des Konzilss. Das schreiben der Generalobere Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais und Alfonso de Galarreta in einer Erklärung.

Die "Priesterbruderschaft St. Pius X." wurde 1969 vom verstorbenen französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet. Sie lehnt die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ab. Streitpunkte sind vor allem Liturgie, Religionsfreiheit und Ökumene. Nach unerlaubten Priesterweihen wurde Lefebvre 1976 die Ausübung seines Bischofsamts verboten. Indem er am 30. Juni 1988 ohne päpstliche Zustimmung vier Priester seiner Bruderschaft zu Bischöfen weihte, zogen sich alle fünf die Exkommunikation zu. Die Weihen Lefebvres sowie die der von ihm Geweihten sind nach dem Kirchenrecht zwar unrechtmäßig, aber gültig. Im Januar 2009 hob Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation der Bischöfe der Piusbruderschaft auf. Damit haben diese die Rechte katholischer Laien; die Ausübung kirchlicher Ämter ist ihnen aber weiter untersagt. (kna/ksc/ph)


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