Gebetswoche für die Einheit der Christen Keine Eiszeit

23.01.2019

Beim zentralen ökumenischen Gottesdienst zur „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ ist das gute Verhältnis der christlichen Konfessionen in München einmal mehr deutlich geworden.

Gruppenbild der Teilnehmer der verschiedenen christlichen Konfessionen und Gemeinschaften beim Gottesdienst in der Münchner evangelischen St. Matthäuskirche.
Gruppenbild der Teilnehmer der verschiedenen christlichen Konfessionen und Gemeinschaften beim Gottesdienst in der Münchner evangelischen St. Matthäuskirche. © Kiderle

München – War es draußen in der Winternacht klirrend-kalt, so empfing einem im Innern der evangelisch-lutherischen Bischofskirche St. Matthäus am Münchner Sendlinger-Tor-Platz eine umso wärmere und herzlichere Atmosphäre. Das Verhältnis zwischen den einzelnen christlichen Konfessionen und Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) in München ist alles andere als frostig, in Sachen Ökumene herrscht keine Eiszeit. Das war beim traditionellen zentralen ökumenischen Gottesdienst zur „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ wieder einmal deutlich spürbar.

Der evangelisch-lutherische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm brachte es auf den Punkt: „Jedes Jahr aufs neue ist es ein starkes Zeichen, wenn wir diesen Gottesdienst gemeinsam feiern“, erklärte er in seiner Begrüßung. „Mit diesem breit verwurzelten ökumenischen Gottesdienst geben wir ein gemeinsames Statement ab: Wir sind die Kirche Jesu Christi!“

Leitwort "Gerechtigkeit"

Die weltweite Gebetswoche begehen seit dem Jahr 1908 Christen aller Konfessionen mit zahlreichen Gottesdiensten und Begegnungen. Heuer stand sie unter dem Leitwort „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit – ihr sollst du nachjagen“ aus dem biblischen Buch Deuteronomium.

Kardinal Reinhard Marx ging auf dieses Motto in seiner Predigt ein: Gerechtigkeit setzte die Gleichheit aller Menschen und die gleichen Rechte für alle voraus, führte er aus. Dies habe nichts mit Gleichmacherei oder Kommunismus zu tun, sondern sei letztlich eine Errungenschaft der biblisch- christlichen Erkenntnis, dass alle Menschen Schwestern und Brüder seien. Christen seien aufgerufen, „nach Gerechtigkeit zu suchen, nach einer Chance, nach einer Überwindung der Ungerechtigkeit und Ausbeutung“, erklärte der Kardinal. Dies gelte gerade in einer Zeit, in der „Selbstbezogenheit und Nationalisten den Ton angeben“. In der ökumenischen Arbeit müsse man sich stets die Frage stellen: „Werden wir einander gerecht?“ Man könne erst dann zueinander finden, wenn man „dem kleinen und großen ökumenischen Partner“ gerecht werde. Dafür müsse man jedoch den anderen nicht von sich aus, sondern aus dessen Theologie und Traditionen heraus zu verstehen versuchen.

Ungewohnte Texte

Eine kleine Kostprobe dieser anderen Traditionen lieferte an diesem Abend vor allem die Heilsarmee, die größtenteils für die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes zuständig war: Die Kapelle intonierte mächtige Bläserklänge und die Texte von manchem Lied waren durchaus ungewohnt, etwa bei „Wer gehört dem Herrn an?“, wo es unter anderem heißt: „Heiß mag sein das Kämpfen, stark des Bösen Macht, nie wird unterliegen, wer da betet, wacht! Unter seinem Banner sicher ist der Sieg, drum ohn Furcht und Zagen stehen wir im Krieg. Nur durch deine Gnade, deinen Tod allein, sind wir Streiter Gottes, Heiland, sind wir dein!“

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

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