Nach Bischofswort zu "Amoris laetitia" "Keine exkommunizierte Sünderin mehr sein"

07.02.2017

In Einzelfällen sollen wiederverheiratet Geschiedene einen Zugang zur Kommunion haben. Bei einer betroffenen Katholikin sorgt dies für große Erleichterung.

Irène Lejeune
Irène Lejeune © SMB

München – Irène Lejeune ist gläubige Katholikin und Kirchgängerin. Wir erreichen sie am Telefon. Was sie vom Wort der deutschen Bischöfe hält, wollen wir wissen. „Ich bin sehr erleichtert“, gibt die Münchnerin zu, „ich finde es toll.“ Die 70-Jährige habe die Reform mit Sehnsucht erwartet. „Es war doch überfällig“, meint Lejeune. Endlich sei es so weit, dass sie in den Augen der Priester keine exkommunizierte Sünderin mehr ist und „ich kein schlechtes Gewissen haben muss“. Von dem Vorstoß der deutschen Bischöfe verspricht sich Lejeune wieder mehr Gläubige, die sich von ihrer Kirche angenommen wissen und die heilige Kommunion ohne Schaden für sich und den Priester empfangen dürfen.

Als Tochter gemischtgläubiger Eltern hat die gebürtige Schweizerin früh mit der Exkommunikation als Konsequenz für die katholische Mutter Erfahrung machen müssen. „Für meine Mutter war der Ausschluss von den Sakramenten zeitlebens schmerzvoll“, erzählt sie. Und auch Irène Lejeune sah das Verbot als Bestätigung ihres Gefühls, eine schwere Sünde auf sich geladen zu haben.

Kein Hinweis auf Sakramentsverbot

Seit dem Umzug mit ihrem zweiten Ehemann 1978 nach München ist sie von Vertretern der Kirche nie auf das Sakramentsverbot für wiederverheiratet Geschiedene hingewiesen worden, hat dennoch – anfangs in verschiedenen Kirchen – die heilige Kommunion empfangen. „Dabei habe ich mich selbst nie unwohl gefühlt“, meint Lejeune. Das ungute Gefühl aber bleibt: Bringe ich den Priester durch den Empfang in eine schlechte Situation? Irène Lejeune war mit sich selbst nicht im Reinen und hatte vor dem Wort der deutschen Bischöfe immer mit einem schlechten Gewissen dem Priester gegenüber zu kämpfen.

Die Aufhebung des Verbots hat ihrer Meinung nach große Gnaden inne: für den Gläubigen und die Seelsorger. „Ich bin sehr erleichtert und bin eine stolze Katholikin. Gerade im Lutherjahr und verbunden mit den ökumenischen Gesten von Papst Franziskus ist für sie der Beschluss etwas Besonderes. „Ich hoffe, dass das Wort nicht nur mich von meinem schlechten Gewissen erlöst, sondern auch vielen anderen gläubigen Katholiken Mut macht“, erklärt Irène Lejeune. (Matthias Chrobok)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Amoris laetitia

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