Gesetzentwurf zur doppelten Widerspruchslösung Keiner ist zur Organspende verpflichtet!

01.04.2019

Es gibt einen neuen Vorstoß in Sachen Organspende. Heute wurde im Bundestag ein Gesetzentwurf vorgestellt, der eine doppelte Widerspruchslösung vorsieht. Wird auch Zeit, meint Tanja Bergold, Leiterin Programmentwicklung im Münchner Kirchenradio.

Keine Pflicht zur Organspende – aber Pflicht zur Entscheidung
Keine Pflicht zur Organspende – aber Pflicht zur Entscheidung © juliasudnitskaya - adobe.stock.com

Zur Erinnerung: Bisher ist man kein Organspender, außer man holt sich aktiv einen Spenderausweis und stimmt der Spende zu Lebzeiten ausdrücklich zu. Das soll sich ändern. Gesundheitsminister Jens Spahn und weitere Politiker von CDU/CSU/SPD und der Linken packen es heute mal wieder an: Ein Gesetzentwurf im Bundestag, der die Widerspruchslösung als neues Modell endlich festschreiben will, und das gleich doppelt: Jeder ist Organspender, wenn er oder seine Angehörigen nicht aktiv widersprechen.

Ich habe einen Organspendeausweis. Natürlich ist es ein mulmiges, unheimliches Gefühl. Wie lange werde ich künstlich am Leben gehalten? Kann ich den Ärzten vertrauen? Schließlich ist der Handel mit Organen auch ein Geschäft – und der Skandal in deutschen Kliniken, bei denen Ärzte Akten gefälscht haben, damit ihre Patienten schneller an ein Organ kommen, ist noch nicht vergessen.

Es gibt zu wenig Spender

Gleichzeitig: Mehr als 10.000 Menschen in Deutschland warten auf ein Spenderorgan – bei circa 800 Spendern. Wenn ich daran denke, dass ich selbst oder einer meiner Lieben in so eine Situation geraten würde, und vielleicht sterben müsste, weil es keine lebensrettende Leber, Niere oder ein Herz gibt, diese Vorstellung ist einfach nur schlimm. Alle acht Stunden stirbt deshalb ein Mensch, so Gesundheitsminsiter Jens Spahn.

Pflicht zur Entscheidung

Nicht jeder ist für die Widerspruchslösung. Die katholische Kirche lehnt sie ab, auch wenn sie Organspende als ein Akt der Nächstenliebe sieht. Jeder sollte freiwillig zustimmen – und dieses Gebot der Freiwilligkeit sei durch die Widerspruchslösung nicht mehr gegeben. Ich finde: Durch diese Lösung ist jeder gezwungen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dann gibt es kein „Hab ich noch nicht drüber nachgedacht, ja ich wollte mich auch mal wegen einem Ausweis erkundigen“ mehr. Die Politik dagegen MUSS alles tun, um verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen. Kliniken, Ärzte und wer auch immer damit zu tun hat, müssen von unabhängigen Stellen kontrolliert werden! Menschen müssen informiert, verloren gegangenes Vertrauen wiederhergestellt werden. Klar ist: Keiner ist zur Organspende verpflichtet. Aber eine Pflicht, sich dafür oder dagegen zu entscheiden– die würde es durch die Widerspruchslösung geben.


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