Neue Leitlinien der Katholischen Erwachsenenbildung Kernaufgabe der Kirche

15.05.2013

In unserer säkularisierten Gesellschaft wird Glaube zuweilen missverstanden als ein enges Korsett mit veralteten Regeln und Vorschriften. Die Individualisierung und Ökonomisierung der Welt tragen dazu bei, dass christliche Werte infrage gestellt werden.

Nicht das nachhaltige Mit- und Füreinander, die Gottes- und Nächstenliebe stehen im Vordergrund des Handelns, sondern der kurzfristige Nutzen. Diese Entwicklung wird in den „Leitlinien der Katholischen Erwachsenenbildung“ in der Erzdiözese München und Freising thematisiert und als Herausforderung für die Erwachsenenbildung betrachtet. Mit einem umfassenden, flächendeckenden Bildungsprogramm soll der Mensch befähigt werden, sein Leben zu gestalten und in Kirche und Gesellschaft mitzuwirken auf der Grundlage des christlichen Gottes- und Menschenbildes. Unterzeichnet und in Kraft gesetzt wurden die „Leitlinien“ bereits im September 2012 von Kardinal Reinhard Marx, jetzt liegen sie auch gedruckt als Broschüre vor.

„Bildung gehört zum Kerngeschäft der Kirche – ohne Bildung ist Christentum schwer denkbar.“ Mit diesen Worten betont Ordinariatsdirektorin Sandra Krump, Leiterin des Bereichs Bildung im Ordinariat, die Bedeutung der neuen Leitlinien.

Erarbeitet wurden sie von einer Arbeitsgruppe unter intensiver Einbeziehung von zweihundert Haupt- und Ehrenamtlichen in einem zweijährigen Prozess. Dabei wurden laut Krump vor allem auch innovative Projekte herausgestellt, die darauf abzielen, neue Formate zu entwickeln: „Inhalte und Bildungsformate müssen so weiterentwickelt werden, dass wir die Menschen erreichen und der kirchliche Bildungsauftrag erfüllt werden kann“, so Krump.

In den Blick genommen wird „die ganzheitliche Bildung für jedes Lebensalter“, erläutert Ordinariatsrätin Anneliese Mayer, Leiterin der Hauptabteilung „Außerschulische Bildung“. „Auch geschichtlich betrachtet gehören Kirche und Bildung zusammen, beispielsweise waren Ordensfrauen im Mittelalter die ersten, die Schulen für Mädchen eröffneten – damit war auch in dieser Zeit die Bildung schon ein Grundauftrag der Kirche“, betont Mayer.

Insgesamt sei die Erwachsenenbildung im Erzbistum geprägt von einer Vielfalt an Trägern, die flächendeckend tätig sind. In den 14 Katholischen Bildungswerken, den Verbandsbildungswerken und den Bildungshäusern werden jährlich über 23.000 Veranstaltungen angeboten, mit fast 500.000 Teilnehmenden.

Auch die Themenvielfalt ist ein zentrales Merkmal einer zeitgemäßen Erwachsenenbildung. Von der theologischen Bildung über die Familienbildung bis zur Ehrenamtlichen-Bildung erstrecken sich die ein- und mehrtägigen Angebote. Sieben Themenfelder sind in den Leitlinien festgelegt worden. In den Pfarreien gibt es ehrenamtliche Bildungsbeauftragte, die Kontakt mit dem Katholischen Bildungswerk halten und sich dort beraten lassen für die Angebote vor Ort. Daneben gibt es ein zentrales Programm der Bildungswerke. Die Angebote zu Spiritualität und christlicher Lebenshilfe kommen gut an, seien es „Oasen-Tage“, Bibel-Wanderungen, Pilgerwege oder geistliche Kirchenführungen.

Angesprochen werden sollen von den Angeboten in der Erwachsenenbildung ausdrücklich alle Menschen – die kirchlich Engagierten, die Glaubenden und Suchenden und auch kirchen- und bildungsfernen Schichten. Besonders gut erreicht werden junge Familien. Dabei muss in den Blick genommen werden, dass sich die Gesellschaft verändert hat, erklärt Clemens Knoll, Geschäftsführer der „Arbeitsgemeinschaft Katholischer Erwachsenenbildung“. „Wann nehmen sich Menschen heute Zeit für Bildung? In den 1970er und 1980er Jahren gingen sie zum klassischen Abendvortrag. Heute sind berufstätige junge Eltern unter der Woche unter Zeitdruck und haben nur am Wochenende Luft für Bildungs-Veranstaltungen, wenn die Kinderbetreuung gelöst ist. Das Zeitschema ist vielfältiger – heute machen wir Bibelarbeit auch am Vormittag und sprechen somit auch Menschen in Altersteilzeit an. Auch die Orte sind vielfältiger: Die Teilnehmer treffen sich nicht nur im Pfarrheim, sondern auch zur ,Bibel im Café‘ – und dort erreichen wir sowohl das Café-Publikum als auch Menschen aus den Pfarreien.“

Geändert haben sich nach der Beobachtung von Knoll auch die Methoden der Bildungsvermittlung. Das eigene Erfahren und Tun, das Einüben von Ritualen durch Singen und das Erlernen von Spielen sind heute wichtig in der Familien-bildung. „Statt zu einem Vortrag gehen die Menschen lieber zur Kirchenführung oder zum Pilgern. Das Erfahrungselement spielt eine große Rolle.“

Zur Erarbeitung von neuen Themen setzen sich deshalb Haupt- und Ehrenamtliche zusammen, und beide können einander nicht ersetzen, denn die Ehrenamtlichen bringen ihre Lebenserfahrung ein und die Hauptamtlichen dazu auch die erwachsenbildnerische Professionalität. Nur im Zusammenspiel gelingt die Bildungsarbeit.

Annette Krauß

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