"Ort der Religionen" Kirche auf der Landesgartenschau

28.06.2018

Alle zwei Jahre richtet eine bayerische Stadt die Landesgartenschau aus. Dieses Jahr ist Würzburg in Unterfranken dran. Unter dem Motto "Wo die Ideen wachsen" sind auch die Kirchen mit an Bord. Ein Ortsbesuch.

"Trinitatis - Ort der Religionen" auf der Landesgartenschau in Würzburg
"Trinitatis - Ort der Religionen" auf der Landesgartenschau in Würzburg © SMB/Burkhard

Würzburg – Es ist ein schöner sonniger Tag, perfektes Landesgartenschauwetter also. Ich habe den Tipp bekommen, direkt vom Hauptbahnhof aus die Buslinie 29 Richtung Landesgartenschau zu nehmen und zwar bis zur Haltestelle LGS-Süd in der Magdalene-Schoch-Straße. Dann geht es nur noch einmal quer über die Straße und schon stehe ich am Eingang. 18 Euro Eintritt kostet die Tageskarte ohne Ermäßigung, sparen können zum Beispiel Schüler, ehrenamtlich Aktive mit gültiger Bayerischer Ehrenamtskarte und auch Bahnfahrer zahlen nicht den vollen Preis.

Mein Ziel heute ist „Trinitatis“ der „Ort der Religionen“ auf der Landesgartenschau. Kurz hinter dem Eingang sehe ich schon den silbernen Bau hinter dem Hügel und nach ein paar Metern Fußweg stehe ich dann direkt davor. Trinitatis ist rund elf Meter hoch, sieht aus wie eine Pyramide ohne Spitze und ist mit Metall verkleidet, in dem sich der Himmel und die Wolken abzeichnen. Innen erwartet mich ein schlichter weißer Bau. In der Decke eine dreieckige Öffnung, durch die das Licht einfällt. Am Rand läuft eine kleine schwarze Sitzbank mit grauen Kissen entlang, sonst ist da nichts, kein Kreuz, keine Bilder.

Blick in den Himmel

Und das hat laut Alexandra Eck von der Citypastoral Würzburg auch einen guten Grund: „Wir als christliche Kirchen haben die anderen Religionsgemeinschaften eingeladen, in diesem Raum Veranstaltungen zu machen und deshalb nehmen wir uns auch ein Stück zurück in der Ausstattung, sodass wir diesen Ort wirklich auch alle als unseren Ort wahrnehmen können“, verrät sie mir. Eck weist aber gleichzeitig auf die Symbolik hin, die in Trinitatis steckt. So kann der dreieckige Raum einmal als Zeichen für die Dreieinigkeit gesehen werden. Spätestens der Blick in den Himmel aber ist für Eck das „sprechendste Symbol“ im Raum. „Man schaut in den Himmel, man sieht die Wolken ziehen, man wird merken: ich bin hier eigentlich ganz klein im Vergleich zu dem Geschenk der Schöpfung, das mich hier umgibt.“

Trinitatis ist auch als ein Ort gedacht, an dem die Besucher der Landesgartenschau zur Ruhe kommen können. Abgeschnitten vom Trubel draußen höre ich drinnen nur leise Gespräche und eine Grille zirpen. Und das schätzen auch die Besucher, bei denen ich nachfrage. „Positiv überrascht von der Schlichtheit“ ist eine der Besucherinnen, eine andere findet, dass gerade durch die Reduziertheit die Möglichkeit gegeben sei, runter zu kommen und wirklich still zu werden. Negatives Feedback über zu wenig Ausstattung, wie es sich im Gästebuch findet, bekomme ich heute nicht.

Kontakte zu anderen Religionen

Und Alexandra Eck verrät mir auch, auf das Kreuz zu verzichten, lohnt sich trotz der Kritik schon jetzt. So gab es zwar schon vor der Landesgartenschau interreligiöse Kontakte, ein „Beschnuppern“ untereinander in Würzburg, ein runder Tisch hat bislang aber gefehlt. Durch die Planungen für die Landesgartenschau habe vor allem ihre evangelische Kollegin viele Kontakte zu Menschen aus den anderen Religionsgemeinschaften herstellen können. „Allein was da gewachsen ist, ist glaube ich so viel wert, dass das etwas ist, was auch über die Gartenschau hinausreichen wird. Dass sich einfach die Religionen untereinander über diesen neutralen Ort und über die neutrale Veranstaltung Landesgartenschau so viel nähergekommen sind“, so Eck.

Neben „Trinitatis – Ort der Religionen“ tragen die Religionsgemeinschaften auch mit einem dicken Programmheft zur Landesgartenschau bei. Insgesamt 380 Veranstaltungen gab und gibt es. Jeden Tag zum Beispiel „RuhePunkt12“, einen spirituellen Impuls am Mittag, außerdem Gottesdienste, Meditationen und Workshops.

Hinweis auf den Schöpfer

Und das Engagement auf der Landesgartenschau macht für Alexandra Eck auch durchaus Sinn. „Denn eine Gartenschau erinnert ja in dieser ganzen Pracht erst einmal an Natur, an die Begegnung mit dem Wachsen und Werden und Reifen und Vergehen“, betont sie. „Und für uns als Christen ist das ein Hinweis auf den Schöpfer. Also für uns ist das was uns hier umgibt eigentlich ein Geschenk und den Menschen den Blick dafür auch ein bisschen zu schärfen, das ist der Auftrag, den wir uns hier gegeben haben.“

Die Autorin
Linda Burkhard
Radio-Redaktion
l.burkhard@st-michaelsbund.de


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