Kardinal Marx bei der Weihe der Ständigen Diakone „Kirche darf sich nicht in der eigenen Filterblase bewegen“

07.10.2018

Kardinal Marx hat am Samstag drei Männer zu Ständigen Diakonen geweiht. In seiner Predigt warnte er davor, sich nur in der eigenen Filterblase zu bewegen. Besonders beeindruckend war auch der Lektor der Lesung.

Drei Männer wurden zu Ständigen Diakonen geweiht.
Drei Männer wurden zu Ständigen Diakonen geweiht. © Kiderle

München – Die Kirche darf sich nicht nur in der eigenen Filterblase bewegen. Das hob Kardinal Marx bei der Weihe von drei Ständigen Diakonen am Samstag, 6. Oktober, im Münchner Liebfrauendom hervor. Er habe für diese Weihe und die morgige Segnung der Ehepaare seine Teilnahme an den Sitzungen der Jugendsynode in Rom unterbrochen, berichtete er eingangs der Liturgie.

Zuhören ist wichtig

An die Weihekandidaten gewandt sagte der Erzbischof: „Wir sind Diakone, Priester und Bischöfe nicht nur für uns selber sondern für die Kirche und für alle Menschen“. Dabei verwies er auch auf Papst Franziskus, der zu Beginn der Synode betont habe, wie wichtig gerade die Phase des Zuhörens sei. Auch die Amtskirche sei in der Versuchung, diese Phase des Hörens schnell hinter sich zu lassen, „damit wir schnell zum Maßnahmenpaket kommen“. Mit dem Verweis auf die Lesung aus dem Buch Samuel betonte Marx, dass es vor Entscheidungen auch Zeit, Stille und Gebet brauche. Er glaube nicht, so der Erzbischof, dass die Phase des Hinhörens in den aktuellen Auseinandersetzungen schon abgeschlossen sei. Er rief dazu auf hinzuhören auch „auf das, was die Wissenschaften sagen, auch auf das was die Menschen außerhalb der Kirche sagen.“ Er warnte davor, nur auf die zu hören, die einem Nahe seien. „Die Kirche ist keine Blase“.

Ein Blinder hat die Lesung vorgetragen.
Ein Blinder hat die Lesung vorgetragen. © Kiderle

Blinder liest Lesung

Es gebe klare Kriterien, ob man in der richtigen Weise gehört habe. Dies seien die Worte Jesu „Bleibt in meiner Liebe“. „Wenn wir sehen, wir sind nicht mehr an der Seite der Schwachen, wenn wir sehen dass unser Herz voller Hass ist, und Angst und Misstrauen, dann sind wir nicht in seiner Liebe“, so der Münchner Erzbischof.

Besonders beeindruckend war neben der Weiheliturgie, bei der die Kandidaten ausgestreckt am Boden liegen während die vielen hundert Gläubigen im Dom mit der Allerheiligenlitanei die Patrone der Kirche, des Bistums und der künftigen Diakone anrufen, auch die Lesung. Sie wurde von einem Blinden vorgetragen, der den Text in Brailleschrift vor sich hatte. (Im Video hier zu sehen.)

Die Diakonenweihe stand unter dem Leitwort. „Wenn er dich ruft, dann antworte: Rede, Herr; denn dein Diener hört.“ (1 Sam 3,9). Die Weihekandidaten werden hauptberuflich als Diakone arbeiten. Die Zahl der Ständigen Diakone in der Erzdiözese München und Freising wird dann insgesamt 289 betragen. Alle Weihekandidaten sind verheiratet, zwei von ihnen sind Väter. (ct, gw)

Was macht ein Diakon?

„Diakon“ ist das griechische Wort für „Diener“. Diakone widmen sich insbesondere dem Dienst am Menschen und der Sorge für in Not geratene, kranke und alte Menschen. Insbesondere Diakone mit Zivilberuf sind auch in ihrer Arbeitsumgebung als Seelsorger präsent. Weihekandidaten haben sich durch kirchliches Engagement, im Beruf sowie in Ehe und Familie oder in eheloser Lebensform bewährt und bringen diese Erfahrungen in ihre neue Aufgabe ein. Sie haben zudem eine mindestens vierjährige, berufsbegleitende Ausbildung absolviert, die sowohl ein Theologiestudium als auch Praxisinhalte umfasst. Zu Diakonen werden neben Männern, die nach der Weihe als Ständige Diakone wirken, auch Männer geweiht, die die Priesterweihe anstreben.


Das könnte Sie auch interessieren

Diakonenweihe im Liebfrauendom (Archiv)
© Kiderle

Diakonenweihe im Dom Familienvater, Elektroniker und Diakon

Sie haben einen zivilen Beruf, teilweise Familie und haben sich trotzdem, oder vielleicht genau deswegen, entschieden ein Amt in der Kirche auszuüben. Am kommenden Wochenende werden drei Männer zu...

04.10.2018

Inniger Moment. die anwesenden Priester legen den Weihekandidaten die Hände auf.
© Kiderle

Priesterweihe im Freisinger Dom Der große stille Moment

An diesem Samstag hat Erzbischof Kardinal Reinhard Marx drei neue Priester geweiht. Sie sollen an die Peripherie gehen, für Suchende, Arme und Leidende da sein.

30.06.2018

Die Weihe wie ein Siegel auf die Seele.
© AdobeStock/Björn Wylezich

Bedeutung des Sakraments Die Weihe: Siegel auf die Seele

Ein Altar oder eine ganze Kirche, eine Ordensfrau oder ein Priester: Sie alle können in der katholischen Kirche geweiht werden. Schwester Birgit Stollhoff erläutert, was das jeweils bedeutet.

29.06.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren