Salzburger Hochschulwochen Kirche im Jahr 2118

02.08.2018

Muss man Angst um die Kirche haben? Wie soll sie sich gegenüber dem Zeitgeist verhalten und wie sieht sie wohl in 100 Jahren aus? Diese Fragen wurden bei "Theologie Kontrovers" in Salzburg auch kontrovers diskutiert.

"Theologie Kontrovers" bei den Salzburger Hochschulwochen
"Theologie Kontrovers" bei den Salzburger Hochschulwochen © SMB/Schlaug

Salzburg – Die Schlussfrage von „Theologie Kontrovers“ soll am Anfang dieses Artikels stehen: Wie sieht die Kirche wohl in 100 Jahren, also im Jahr 2118, aus? „Freudig, missionarisch, geistbewegt“, antwortete der Leiter des Gebetshauses Augsburg, Johannes Hartl, ohne lange nachdenken zu müssen. Für Lucia Greiner, die Leiterin des Seelsorgeamts der Erzdiözese Salzburg, ist die Kirche dann eine Gemeinschaft „in neuer Form“, die von den Menschen als hilfreich angesehen wird. „Und meine Ur-Ur-Enkel sind auch noch dabei“, fügte sie lachend hinzu. Eine Kirche, die vielen Formen des Glaubens Platz bietet, wünscht sich Aaron Langenfeld, Theologe an der Universität Paderborn, für die Zukunft. „Und dass die Kirche endgültig gelernt hat, dass rationales Denken nicht im Widerspruch zum Glauben steht“, so seine Hoffnung.

Eines wurde anhand dieser Antworten – wie auch aus der vorangegangenen Diskussion der Theologen – deutlich: Angst um die Zukunft der Kirche haben diese nicht. Welchen Weg die Kirche aber künftig einschlagen soll, darüber diskutierten Greiner, Hartl und Langenfeld im vollbesetzten Hörsaal bei den Salzburger Hochschulwochen mitunter sehr kontrovers.

Johannes Hartl, katholischer Theologe und Leiter des Gebetshauses Augsburg
Johannes Hartl, katholischer Theologe und Leiter des Gebetshauses Augsburg © SMB/Schlaug

"Evangelium ist anstößig"

Formal stand die von Astrid Schilling (Katholische Akademie in Bayern) moderierte Debatte unter dem Titel „(Keine) Angst um die Kirche?“ Unterschiedlicher Meinung waren die Diskutanten vor allem bei der Frage, wie sich Kirche gegenüber einer Gesellschaft positionieren soll, die immer weniger kirchlich verwurzelt ist.

„Wir trauen uns gar nicht mehr, die zentralen Inhalte des Glaubens zu transportieren“, betonte Johannes Hartl. Die Menschen erwarteten in der heutigen Zeit aber Klarheit und eine These, für was Kirche genau stehe. Das Evangelium sei in der Geschichte zu keiner Zeit „modern“ gewesen, sondern immer „anstößig“. Der Theologe lehnt es deshalb ab, „die christliche Botschaft auf den Zeitgeist herunterzubrechen“. Vielmehr setzt Hartl darauf, dass sich die Menschen – bestärkt durch eine „fröhlich missionarische Kirche“ – frei für das Evangelium entscheiden. Dazu könnten auch neue Verkündigungsformate, zum Beispiel auf YouTube, beitragen. Entscheidend ist für ihn: „Nur wer selbst für etwas brennt, kann andere entzünden.“

Lucia Greiner, Seelsorgeamtsleiterin der Erzdiözese Salzburg
Lucia Greiner, Seelsorgeamtsleiterin der Erzdiözese Salzburg © SMB/Schlaug

Gemeinsames Suchen

Für Lucia Greiner dagegen könne die Deutung des Glaubens durch die Kirche nicht dazu führen, „den Menschen vorzuschreiben, wie sie ihr Leben zu leben haben.“ Die Wahrheit und der Sinn des Glaubens könne sich nur im gemeinsamen Dialog, im gemeinsamen Suchen zwischen den Menschen und der Institution Kirche erschließen. Sie stelle sich schon die Frage, „ob wir in der Kirche die Räume haben, wo wir dieses Suchen vorurteilsfrei betreiben können“. Die Beharrungskräfte und das Streben nach Machterhalt seien in der Kirche weiter sehr ausgeprägt. Für Greiner kommt es aber vor allem darauf an, dass die Kirche Glaubwürdigkeit verkörpere.

Aaron Langenfeld, Theologe an der Universität Paderborn
Aaron Langenfeld, Theologe an der Universität Paderborn © SMB/Schlaug

Begegnung mit der Welt

Aaron Langenfeld vertrat die Auffassung, dass sich Kirche „radikal“ auf die Welt einlassen sollte. Er bezweifle, dass sich die von Hartl geforderte These, für was die Kirche stehe, überhaupt so eindeutig formulieren lasse. Es gelte, einer Veränderung der (Glaubens-)Thesen, „durch das, was uns begegnet in der Welt“, angstfrei gegenüberzustehen. Viele Menschen hätten in Bezug auf den Glauben kein „Basiswissen“ mehr. Deshalb müsse die Kirche in der Kommunikation mit der Gesellschaft „Sprachbilder“ finden, denen es vielleicht an „Klarheit“ fehle, die aber ermöglichten, dass sich die Menschen überhaupt wieder Glaubensthemen zuwendeten.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de


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