Renovabis Kongress Kirche in der Großstadt

12.09.2019

Beim 23. internatinalen Renovabis Kongress diskutieren über 200 Teilnehmer aus 30 Ländern über die Herausforderungen von Kirchen und Gemeinden in der Großstadt.

V. l. nach r.: Christian Hartl, Kardinal Blase Cupich, Angelika Poth-Mögele, Erzbischof Heiner Koch und Bischof Thomás Holub.
V. l. nach r.: Christian Hartl, Kardinal Blase Cupich, Angelika Poth-Mögele, Erzbischof Heiner Koch und Bischof Thomás Holub. © Kiderle

München – Unter dem Motto „Kirche in der Großstadt“ startete am 11. September der 23. Internationale Renovabis Kongress in München. Über 200 Teilnehmer aus rund 30 Ländern berieten sich über die „Herausforderungen für die Pastoral in Ost und West“. Großstädte bestimmen mehr und mehr unsere „Kommunikation, Kultur und unser Lebensgefühl“, wie Pfarrer Christian Hartl, Geschäftsführer von Renovabis, auf der Pressekonferenz zum Auftakt erklärte. Im klassischen Dreischritt von „Sehen, urteilen, handeln“ soll auf der Tagung „Gott in der Stadt“ gesucht werden und geschaut werden, wo die „Menschen in der Stadt nach Gott suchen“.

Die klassische Pastoral ist auf dem Land zu finden, die Urbanisierung bleibt aber ein fortschreitendes Phänomen. 72 Prozent der Bürger in der Europäischen Union wohnen bereits in Städten und die Tendenz steigt, wie Angelika Poth-Mögele vom Rat der Gemeinden und Regionen Europas erklärte. Besonders da in Lateinamerika, Asien und Afrika schon ganz andere Dimensionen von Großstädten mit teils über 30 Millionen Einwohnern existierten. Und in Städten konzentrierten sich viele Probleme: bezahlbares Wohnen, soziale Ausgrenzung oder der Klimawandel. Gleichzeitig trügen Städte aber auch zur Lösung bei. Zum Beispiel hätten sich bereits fast 10.000 Kommunen einem Konvent zur CO2 Reduzierung angeschlossen.

Es braucht eine offene Diskussion

Probleme, die auch der Kardinal von Chicago, Blase Cupich, kennt. Das sich wandelnde Familienbild, die politische Spaltung der Gesellschaft und nicht zuletzt der Missbrauchsskandal machten es schwerer, Jesu Heilversprechen zu verkünden. Es bräuchte eine offene Diskussion, um die Menschen abzuholen, erklärte der 70-Jährige.

Bischof Tomás Holub aus Pilsen warb für mehr Fantasie, um die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit zu erreichen. Im Gespräch mit mk-online sprach er sich dafür aus, Gemeinden nicht mehr nur lokal, sondern zielgruppenorientiert auszurichten. Also etwa eine Gemeinde besonders für junge Familien oder für Sozialschwächere. Auch solle die Kirche nicht mehr so stark ihre eigene Struktur in den Vordergrund rücken, sondern mehr Christus als Person verkünden.

Ein wenig schmunzelnd erklärte der Berliner Erzbischof, Heiner Koch, dass es im areligiösen Berlin sowieso nicht ginge, kirchliche Strukturen zu präsentieren. Aber trotz nur etwa 25 Prozent christlicher Bevölkerung und einer scheinbar atheistischen Mehrheit suchten und fänden die Menschen Gott in der Großstadt. Die Kirche müsse es schaffen, wieder mehr mit den Menschen zu leben und nicht neben ihnen. Gerade für den urbanen Raum brauche es neue Erfahrungsräume, um Gott zu begegnen, und auch eine neue Sprache der Kirche, um die Suchenden zu erreichen.

Der Autor
Thomas Stöppler
Volontär
t.stoeppler@st-michaelsbund.de

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