Kardinal Marx beim Dachauer Forum Kirche muss Netzwerk des Zusammenhalts sein

08.02.2018

Welche Aufgaben hat die Kirche in einer offenen Gesellschaft? Zu diesem Thema sprach Kardinal Reinhard Marx in Dachau.

Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx © Kiderle

Dachau – In einer sich rasant ändernden Lebenswelt solle man nicht in Rückschau verharren, sagte Kardinal Reinhard Marx, sondern „bewahren im Weitergehen“. Unsere Gesellschaft habe viele Umbrüche erlebt. „Die Gemeinschaft des Volkes Gottes muss in Zuversicht zusammenhalten.“, sagte Kardinal Reinhard Marx im vollen städtischen Thoma-Haus. Dort sprach er über „Die Sendung der Kirche in einer offenen Gesellschaft“. Kardinal Marx betonte die Aufgabe der Evangelisierung. Die Kirche müsse sich neu auf den Weg begeben; kirchliche Institutionen seien wichtige Teile des Gemeinwesens. „Wir sind sowohl Staatsbürger als auch Christen“, sagte der Sozialethiker.

Wahrheitsfindung ist keine Staatssache

Außerdem sprach Kardinal Reinhard Marx vom „ökumenischen Schub“ im Luther-Jahr. Er rief die Jahrhunderte oft blutiger religiöser Auseinandersetzungen seit Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1618 in Erinnerung. Religion sei „als Quelle des Unfriedens, des Gegeneinanders, der Ausgrenzung, Spaltung“ erfahren worden. In der Aufklärung habe man die Gesellschaft auf Vernunft gegründet und Regieren zum Gemeinwohl aller gefordert. Wahrheitsfindung sei nicht Staatssache. Der Staat solle die Basis für einen friedlichen Diskurs schaffen, damit jeder für sich auf Wahrheitssuche gehe.

Beten nicht als Vorschrift

Kardinal Marx berief sich auf Joseph Ratzingers Rede an der Sorbonne 2000 vom „Christentum als von Vernunft geleitete Aufklärung“. Man müsse „den anderen ertragen, auch wenn wir seine Auffassung nicht teilen“. „In einer demokratischen, vielfältigen, offenen freien Gesellschaft haben wir Christi Auftrag, das Evangelium neu zu entdecken“, so Marx. Beten sei nicht als Vorschrift zu sehen, sondern als freie Entscheidung zum Eintritt in eine persönliche Beziehung mit Gott. Der Erzbischof von München und Freising verwies auf Teresa von Avilas Erfahrung: Jesus liebt mich, wie ich bin.

Nutzloses wie den Sonntag zulassen

In der vielgestaltigen Welt heute sei es Aufgabe der Kirche „ein Netzwerk des Zusammenhalts zu sein“. Nicht nur das eigene Wohl, auch das der Gesellschaft, müsse Ziel sein.Dabei müsse man das eigene Handeln in ökologischer und sozialpolitischer Hinsicht bedenken. „In unserer materiellen, auf Effizienz bedachten Gesellschaft müssen wir 'Nutzloses' wie den Sonntag zulassen“, so Marx. Das sei ein wichtiges Unterbrechen und Aufatmen, das zeigt: Es gibt noch etwas, das nicht verrechnet und bilanziert wird. Es sei wichtig, dass Kult und Caritas zusammengehören. Glaube sei nur wirksam, wenn er sichtbar wird in Taten der Liebe.

Das Dachauer Forum hat Kardinal Marx eingeladen. Das Jahresthema der katholischen Erwachsenenbildungseinrichtung lautet „Halt suchen – Freiheit leben. Christ sein in vielgestaltiger Welt“. Forums-Vorsitzender Anton Jais sah den Vortrag des Kardinal „als Zeichen der Wertschätzung“: „Das Dachauer Forum als einer der ersten Erwachsenenbildner in der Erzdiözese besteht 2019 fünfzig Jahre.“ (Eva S. Klimt)


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